Das Schildkrötenschwein: Entdeckung einer neuen prähistorischen Spezies in Südafrika

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31.01.2017 10:45

Das Schildkrötenschwein: Entdeckung einer neuen prähistorischen Spezies in Südafrika

Dr. Gesine Steiner Pressestelle
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

    Ein Forscherteam vom Museum für Naturkunde Berlin, dem Museum of South Africa und der University of the Witwatersrand in Johannesburg hat fossile Schädel mit gewaltigen Hauern beschrieben, die zu Vertretern einer ausgestorbenen Art von Pflanzenfressern gehören. Die neu entdeckte Art, Bulbasaurus phylloxyron, füllt eine entscheidende Lücke im Fossilbericht der frühen Verwandten der Säugetiere.

    Bulbasaurus gehört zu einer Gruppe ausgestorbener Tiere, die als Dicynodontier bezeichnet werden. „Dicynodontier sind äußerst merkwürdig aussehende Tiere mit Schildkröten-ähnlichen Hornschnäbeln, Hauern und einem gedrungenen Körper, der an ein Schwein erinnert. Heute gibt es keine vergleichbaren Tiere mehr, aber sie waren die erfolgreichsten Pflanzenfresser ihrer Zeit“, erläutert Christian Kammerer vom Museum für Naturkunde Berlin. Dicynodontier gab es bereits vor den Dinosauriern. Am häufigsten waren sie im Perm, vor ca. 260 Millionen Jahren. Äußerlich erinnern sie zwar an Reptilien, doch sie sind in Wirklichkeit frühe Verwandte der Säugetiere. „So seltsam es klingt – diese Tiere sind näher mit Ihnen und mir verwandt als mit Schildkröten oder Dinosauriern“, so Christian Kammerer.

    Die Bulbasaurus-Exemplare wurden zuerst von dem Koautor der Studie, Roger Smith vom Iziko Museum of South Africa und der University of the Witwatersrand entdeckt und gesammelt. Christian Kammerer erkannte bei einem Besuch der südafrikanischen Sammlung, dass diese Exemplare zu einer neuen Art gehören müssen, denn ihre Hauer waren ungewöhnlich groß. „Mir war klar, dass diese Schädel nicht zu den zu der Zeit häufig vertretenen Arten gehören konnten, denn verglichen mit ihren Zeitgenossen hatten diese Dicynodontier gewaltige Hauer.“ Bulbasaurus war ein recht kleines, etwa hundegroßes Tier mit vergleichsweise riesigen Hauern. Überhaupt hat Bulbasaurus an seinem Schädel viele Merkmale, die man bisher nur von späteren Verwandten kannte. Daraus lässt sich schließen, dass diese Merkmale schon bei kleinen Arten entstanden sind und bei ihren riesigen Nachfahren erhalten blieben, also keine Anpassung an die zunehmende Körpergröße waren.

    Die neue Art ist deshalb bedeutend, weil sie eine problematische Lücke im Fossilbericht schließt. Bulbasaurus gehört zur Geikiiden-Familie der Dicynodontier, einer Gruppe, die einige der häufigsten und verbreitetsten Arten des oberen Perms umfasst. Warum die Geikiiden-Dicynodontier in den früheren Gesteins-Schichten nicht gefunden wurden, war lange ein Rätsel. Aus den Funden anderer Dicynodontiergruppen lässt sich schließen, dass sich die Geikiiden schon früh in der Evolutionsgeschichte der Dicynodontier entwickelt haben, aber in diesen älteren Schichten wurden nie Geikiidenfossilien gefunden. Das Phänomen wird als “Geisterlinie” (ghost lineage) bezeichnet. Den Wissenschaftlern ist klar, dass eine Gruppe von Organismen zu einem bestimmten Zeitpunkt existiert haben muss, aber es hat sich bisher kein fossiler Beleg dafür gefunden. Um die Geisterlinie der Geikiiden aufzuklären, mussten erst intensive Feldforschung und die eingehende Untersuchung von Museumsexemplaren zusammenkommen. „Dass Exemplare einer so seltenen Art überhaupt gesammelt wurden, ist der Verdienst des umfangreichen, Jahrzehnte dauernden Feldforschungsprogramms von Roger Smith”, sagt Kammerer. „Dicynodontierschädel sehen sich alle ähnlich, und wenn man kein Spezialist für diese Gruppe ist, kann man leicht die artspezifischen Unterschiede an den Objekten übersehen. Ich bin sicher, dass viele Lücken in der Stammesgeschichte durch Museumsexemplare gefüllt werden können. Man braucht nur Zeit und Fachwissen.”

    Veröffentlicht in: Kammerer, C. F., & Smith, R. M. H. 2016. An early geikiid dicynodont from the Tropidostoma Assemblage Zone (late Permian) of South Africa. PeerJ 5:e2913; DOI 10.7717/peerj.2913.

    Die vollständige Publikation ist hier zu lesen: https://peerj.com/articles/2913/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Geowissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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