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16.02.2017 10:55

Runde aus Experten diskutiert an PH Karlsruhe Lösungen zur Trendumkehr nach IQB Studie

Kirsten Buttgereit M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Pädagogische Hochschule Karlsruhe

    Prof. Dr. Petra Stanat lobt konstruktive Diskussion in Baden-Württemberg. Aber Schulreformen müssten zukünftig auch begutachtet und evaluiert werden, so die Leiterin der IQB-Ländervergleichsstudie bei einer Veranstaltung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Fragen der regionalen Schulentwicklung, Lehrerfort- und Weiterbildung sowie der Bildungsforschung prägen die Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Schule, Politik und Wissenschaft.

    Der Hörsaal an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe war am Montag, den 13. Februar 2017, bis auf den letzten Platz besetzt, als Prof. Dr. Petra Stanat, Direktorin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) und Leiterin der Ländervergleichsstudie, zentrale Ergebnisse der Leistungen von Schülerinnen und Schülern zum Ende der 9. Jahrgangsstufe insbesondere für das Fach Deutsch in Baden-Württemberg vorstellte. Zahlreiche Gäste aus Schulen, Bildungsbehörden und Ministerien, der Politik, den Elternvertretungen und dem Hochschulbereich – u.a. alle Rektorinnen und Rektoren der baden-württembergischen Pädagogischen Hochschulen, wie Rektor Prof. Klaus Peter Rippe in seiner Begrüßung erfreut feststellte – waren der Einladung an die PH Karlsruhe gefolgt.
    „Was ich [bei meinen Besuchen hier] gelernt habe“, so Prof.‘in Stanat in ihrem Vortrag, „ist, dass in Baden-Württemberg Durchschnitt nicht genügt.“ Denn tatsächlich sind die gemessenen Leistungen der Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangstufe im Ländervergleich nicht schlecht, sondern meist Durchschnitt oder sogar leicht darüber. Doch das Problem ist der Trend, der, so die Referentin, in dieser Studie das erste Mal aufgezeigt werden konnte. Und dieser geht, vor allem in den Disziplinen Lesen und Zuhören im Fach Deutsch, im Südwesten nach unten.
    Diesem muss gegengesteuert werden, darüber herrschte in der folgenden Podiumsdiskussion Einigkeit. Ursachenforschung ist wichtig aber auch schwierig: Die Schulstruktur, mit der gerne argumentiert werde, spiele beispielsweise kaum eine Rolle, so Prof.‘in Stanat: Bayern sei mit einem dreigliedrigen Schulsystem seit Jahren sehr gut, während gleichzeitig Schleswig-Holstein mit einem zweigliedrigen Schulsystem einen positiven Trend zu verzeichnen hat. Nachweisbar Einfluss auf die Leistungen hat die Fachlichkeit der Lehrkräfte. Die Ergebnisse der Jungen und Mädchen sind in einem Fach eindeutig besser, wenn die Lehrkraft das von ihr unterrichtete Fach auch vollständig studiert hat. Susanne Posselt, Absolventin der PHKA und Lehrerin an einer Gemeinschaftsschule, sieht dazuhin in der didaktischen Ausbildung und in der Deutschdidaktik ab Jahrgangsstufe 5 deutlichen Entwicklungsbedarf, gerade im Gymnasialbereich. Prof. Dr. Christian Gleser, Prorektor an der PHKA, fordert ein Umdenken in der Unterrichts- und Schulentwicklung. Der teilweise noch sehr traditionelle Unterricht erreiche heute nicht mehr alle Kinder und Jugendlichen. Hier schließt sich Micha Pallesche, Rektor der Karlsruher Ernst-Reuter-Schule, an: Die heterogene Schülerschaft erfordere neue Wege, zum Beispiel einen vermehrten Einsatz der neuen Medien, den die Lehrkräfte aber auch beherrschen müssten.
    Prof. Dr. Werner Knapp, designierter Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz (LRK) der Pädagogischen Hochschulen und Rektor der PH Weingarten, betont wie sein Karlsruher Kollege die Bedeutung regionaler Schulentwicklung. Gerade im Grundschulbereich würden durch viele kleine Schulen wichtige Ressourcen nicht sinnvoll genutzt. Daneben, betont der Deutschdidaktiker, sei eine umfassende Lehrerfort- und Weiterbildung, die wirklich alle erreiche, unabdingbar. Zustimmung erhält er hier von Prof. Dr. Claudia Vorst, Prorektorin an der PH Schwäbisch Gmünd und Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg des Grundschulverbandes e.V.: Wie sonst sollten die Erkenntnisse der Wissenschaft in die Schulen kommen und die Probleme aus der Praxis an die Hochschulen? Hier sieht Alexander Salomon, Karlsruher Landtagsabgeordneter der Grünen, eine wichtige Rolle der Pädagogischen Hochschulen. Dass hierzu auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem zuständigen Wissenschaftsministerium und Kultusministerium notwendig ist, sieht der Politiker ähnlich wie die Lehrkräfte und Wissenschaftlerinnen sowie Wissenschaftler auf dem Podium. Er sieht das Land hier aber auf einem guten Weg: Das zeigen ein eigens zum Thema gegründeter runder Tisch und die bereits sehr gute Kooperation beider Ministerien bei der Umstellung der Lehrämter auf Bachelor und Master.
    Breite Zustimmung findet auf dem Podium wie auch in der nachfolgenden Diskussion im Plenum, die von Prorektorin Prof. Dr. Annette Worth moderiert wurde, die Einsicht, dass – um tatsächlich Ursachen und Lösungen der Probleme zu finden – mehr Zeit und Ressourcen für empirische Bildungsforschung sowie die systematische wissenschaftliche Evaluation von Reformen im Schulsystem eingesetzt werden müssen. Die eingeladene Referentin aus Berlin zeigt sich am Ende der Diskussion zuversichtlich, denn so betont sie abschließend: „Wenn ich bei meinen Besuchen in Baden-Württemberg noch etwas gelernt habe, dann, dass hier Probleme nicht unter den Tisch gekehrt sondern, wenn auch manchmal kontrovers, aber immer konstruktiv diskutiert werden.“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Sprache / Literatur
    überregional
    Schule und Wissenschaft, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Alexander Salomon (MdL), Prof. Dr. Werner Knapp, Prof. Dr. Claudia Vorst, Schulleiter Micha Pallesche, Lehrerin Susanne Posselt und Prof. Dr. Petra Stanat bei der Podiumsdiskussion


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    PH Leitungen Prof. Dr. U. Druwe (FB), Prof. Dr. M. Fix (LB), Prof. Dr. A. Beckmann (SG), Prof. Dr. C. Vorst (SG), Prof. Dr. W. Knapp (WG) (v.l.n.r.) u. Prof. Dr. H.W. Huneke (2.v.l., 2.R.)


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