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17.02.2017 12:00

DGFG rettet erstmals über 3.000 Menschen das Augenlicht

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Noch nie zuvor spendeten so viele Menschen ihr Gewebe wie 2016.

    Hannover, 17.02.17 – Über 3.000 Menschen in Deutschland können dank einer Hornhauttransplantation wieder besser sehen. Die Zahl der Gewebespender im Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ist 2016 um 12,1 Prozent angestiegen. Noch nie zuvor in der Geschichte der DGFG haben so viele Menschen Gewebe gespendet.

    Insgesamt 2.341 Menschen haben mit Augenhornhäuten, Herzklappen oder Blutgefäßen anderen Menschen selbstlos geholfen. 205 Spender kamen aus Niedersachsen, davon 67 aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die MHH sowie drei weitere Universitätskliniken sind Gesellschafter der DGFG. „Die Gewebespende ist in der MHH und vielen anderen niedersächsischen Krankenhäusern gut etabliert“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Das gemeinnützige Gewebenetzwerk mit Sitz in Hannover versorgt Patienten in ganz Deutschland mit hochwertigen und sicheren Gewebepräparaten. „Es ist den Gesellschaftern ein großes Anliegen, die Gewebespende in Deutschland weiter zu entwickeln“, sagt Andrea Aulkemeyer, MHH-Vizepräsidentin und Sprecherin der DGFG-Gesellschafter. „Gewebespende gehört in einen öffentlich kontrollierten und gemeinnützigen Bereich.“

    Jede zweite transplantierte Hornhaut kommt von der DGFG

    Ärzte transplantieren jedes Jahr deutlich mehr Gewebe als Organe. So hat allein die DGFG im vergangenen Jahr 4.053 Gewebetransplantate an Patienten vermittelt. Mit etwa drei Vierteln haben Augenhornhäute dabei den größten Anteil. „Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen“, sagt Börgel. Die Zahl der zur Transplantation abgegebenen Hornhäute stieg um elf Prozent auf 3.006 Hornhäute an. Die Ärzte der MHH-Augenklinik haben im vergangenen Jahr 105 Patienten mit einer Hornhauttransplantation das Augenlicht gerettet. Deutschlandweit sind es etwa 6.000. Unter den vermittelten Hornhäuten waren 217 ultradünne Hornhautlamellen für eine spezielle Transplantationstechnik, bei der Ärzte nur eine dünne Schicht der Hornhaut ersetzen müssen. Die Präparation erfolgt in der hochmodernen Reinraumanlage der Gewebebank Hannover im Medical Park. Bei dieser OP-Technik erholt sich die Sehfähigkeit der Patienten deutlich schneller. Das Infektionsrisiko sinkt. „In Niedersachsen und Bremen kommen fast alle transplantierten Hornhäute von der DGFG – deutschlandweit ist es jede zweite!“, sagt Börgel. Die DGFG hat in diesen Regionen in den vergangenen zehn Jahren vorbildliche Spendestrukturen aufgebaut. „Im Ergebnis sorgt das gemeinsame Engagement der Krankenhäuser und der DGFG für diese hervorragende regionale Versorgung“, so Börgel.

    Fast jeder Verstorbene kann Gewebe spenden

    Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen und Haut. Aus der Lebendspende kommt die Amnionmembran zur Behandlung von Erkrankungen der Augenoberfläche. Die Amnionmembran ist Teil der Plazenta und kann von einer Mutter nach einer Kaiserschnittgeburt gespendet werden. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle. Mehr als neun von zehn Gewebespenden stammen von Menschen, die eines ganz normalen Todes gestorben sind. Auch Krebserkrankungen oder ein hohes Lebensalter sind kein Ausschlussgrund. Gewebespenden sind noch bis zu drei Tage nach Todeseintritt möglich.

    Knochenspenden erhalten die Mobilität von Patienten

    Bei der Bearbeitung von Knochenspenden zu Knochentransplantaten arbeitet die DGFG in Niedersachsen mit der Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation haben vier Menschen Knochen gespendet. Die Ärzte haben damit acht Patienten eine einzigartige Versorgung komplexer Brüche ermöglicht. „Dieses überwältigende Ergebnis ist nur möglich, weil sich Menschen bereit erklären, Gewebe nach ihrem Tod zu spenden“, sagt Börgel. „Ihnen gilt im Namen der Empfänger unser ganz besonderer Dank.“

    Gewebespenden von Organspendern gehen zurück

    Der Anteil der Gewebespender, die auch Organspender sind, hat auch 2016 weiter abgenommen: 206 Gewebespender im DGFG-Netzwerk und damit weniger als neun Prozent waren auch Organspender. Der Rückgang betrug knapp fünf Prozent. „Da Herzklappen und Blutgefäße überwiegend aus der Organspende stammen, ist auch die Anzahl dieser gespendeten Gewebe um 5,6 Prozent auf insgesamt 266 Präparate zurückgegangen“, hält Börgel fest. Die DGFG hat im vergangenen Jahr 16 Herzklappen und 15 Blutgefäße an Patienten der MHH vermittelt.

    Die DGFG unterstützt regionale Strukturen

    Auf der Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Im Netzwerk der DGFG kooperieren zahlreiche Universitätskliniken, kommunale und konfessionelle Krankenhäuser, aber auch große Klinikverbünde. Sie alle unterstützen die Gewebespende durch die Meldung möglicher Gewebespender und nehmen so ihre gesellschaftliche Verantwortung für die Versorgung der betroffenen Patienten wahr. Standorte der DGFG in Niedersachsen befinden sich in Hannover und Braunschweig. Die nordwestlichen Landesteile betreut der Standort Bremen.

    Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Gesellschafter sind vier Universitäten – Anstalten des öffentlichen Rechts: das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universitätsmedizin Rostock. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Gewebespende und damit die Versorgungslage in Deutschland deutlich verbessert.

    Alle Angaben zu den Jahreszahlen 2016 sind vorläufig (Stand 10.01.17).


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    regional
    Kooperationen
    Deutsch


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