60. Endokrinologie-Kongress in Würzburg: Schwangerschaft kann die Schilddrüse überfordern

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09.03.2017 10:32

60. Endokrinologie-Kongress in Würzburg: Schwangerschaft kann die Schilddrüse überfordern

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    Funktionsstörungen der Schilddrüse in der Schwangerschaft gefährden die Gesundheit von Mutter und Kind. Betroffen können alle Schwangeren sein. Risikopatientinnen sind Frauen mit vorbekannter Schilddrüsenerkrankung, Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen, ältere Schwangere und Frauen mit Übergewicht. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) rät diesen Frauen, ihre Schilddrüsenfunktion testen zu lassen. Auf der Pressekonferenz anlässlich des 60. Deutschen Kongresses für Endokrinologie in Würzburg am 15. März 2017 erläutern die Experten zudem, wer behandelt werden soll und weshalb alle Schwangeren Jodtabletten einnehmen sollten.

    Eine normale Funktion der Schilddrüse ist eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde Schwangerschaft. Bei einem Hormonmangel ist die Entwicklung des kindlichen Gehirns gefährdet; ferner kann es zu Früh- oder Fehlgeburten kommen. „Viele Frauen haben während der Schwangerschaft zum ersten Mal eine Funktionsstörung“, erklärt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen. Ein Grund ist der um 50 Prozent erhöhte Hormonbedarf, den die gesunde Schilddrüse der Mutter abdeckt. Später produziert der Fötus das Hormon selber. Beide benötigen hierzu Jod, das Bestandteil des Hormons ist. Jodmangel in der Schwangerschaft ist gefährlich, weil dann nicht genügend Hormon gebildet werden kann. Die Frauen sollten während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit täglich eine Jodtablette einnehmen, rät die Expertin. Die Dosisempfehlung liegt bei 150 Mikrogramm.

    Ein weiterer Grund für Funktionsstörungen der Schilddrüse sind Autoimmunerkrankungen, vor allem die Autoimmunthyreoiditis, bei der das Immunsystem Zellen des eigenen Körpers angreift und es zur Unterfunktion kommen kann. „Weltweite Untersuchungen zeigen, dass zwischen zwei und 17 Prozent aller Frauen mit Kinderwunsch Anzeichen für eine Autoimmunthyreoiditis und damit ein Risiko für eine Hypothyreose haben“, berichtet Führer. Die Expertin rät diesen Frauen, die Funktion ihrer Schilddrüse testen zu lassen. Dies gilt auch für Schwangere, die bereits in der Vergangenheit Probleme mit der Schilddrüse hatten oder bereits eine Fehl- oder Frühgeburt erlitten haben sowie für Frauen mit starkem Übergewicht.

    Der Arzt bestimmt dabei die Konzentration des Steuerhormons TSH im Blut. TSH steigert die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Bei einem Hormonmangel ist der TSH-Wert erhöht. Die TSH-Werte sind bei Schwangeren anders als bei nichtschwangeren Frauen. Zur Orientierung wurde im Januar von der amerikanischen Schilddrüsengesellschaft (ATA) ein oberer TSH-Wert von 4 mU/l angegeben, dies ist höher als zuvor, so Professor Führer. „Die ATA-Empfehlungen wurden zusammen mit der Europäischen Schilddrüsengesellschaft erarbeitet und sollten auch in Deutschland umgesetzt werden“, ergänzt Kongresspräsident Professor Dr. med. Martin Fassnacht, Schwerpunktleiter Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Würzburg. „Liegt ein echter Hormonmangel vor, sollte dieser unbedingt behandelt werden“, rät Fassnacht. Die Schwangere sollte täglich Levothyroxin einnehmen, ein Präparat, das natürliches Schilddrüsenhormon enthält und sehr verträglich ist.

    „Die Bedeutung der Schilddrüse für die Gesundheit von Mutter und Kind wird leider unterschätzt“, sagt DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Matthias M. Weber. „Das Thema Schilddrüse fehlt weitgehend im Mutterpass“, bemängelt der Leiter der Endokrinologie der Universität Mainz: „Ein risikobasiertes Screening findet in Deutschland leider nicht statt, und die Einnahme der Jod-Tabletten bleibt noch immer der Eigeninitiative der Schwangeren überlassen.“

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    Terminhinweis:
    Pressekonferenz anlässlich des 60. Deutschen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
    Termin: Mittwoch, 15.03.2017, 11:00 bis 12:00 Uhr
    Ort: Congress Centrum Würzburg (CCW); Raum 7-9
    Anschrift: Kranenkai, Eingang B, 97070 Würzburg

    Vorläufiges Programm:

    Ausblick auf die Kongress-Highlights des 60. Deutschen Kongresses für Endokrinologie
    Professor Dr. med. Martin Fassnacht, Kongresspräsident DGE, Leiter des Bereichs Forschung des Zentrallabors, Schwerpunktleiter Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg

    Schilddrüsenhormone und Schwangerschaft: ein wichtiges Zusammenspiel
    Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Universitätsklinikum Essen

    Medical und Social Freezing – Familienplanung auf Eis gelegt
    Professor Dr. med. Ludwig Kiesel, Sprecher der Sektion Reproduktionsbiologie und -medizin der DGE, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Münster

    Mit Tabletten oder Skalpell der Adipositas auf den Leib rücken? Chancen und Risiken neuer Therapien
    Professor Dr. med. Matthias Blüher, Leiter der Adipositas-Ambulanz für Erwachsene, Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie, Universitätsmedizin Leipzig

    Nebennierentumore: Mit neuen radioaktiven Substanzen und Medikamenten Bildgebung und Therapie molekular zielgerichtet optimieren
    Professor Dr. med. Stefanie Hahner, Kongresspräsidentin DGE, Oberärztin und stellv. Schwerpunktleiterin Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg

    Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen – zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken – „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen wie Speichel- oder Schweißdrüsen ihre Sekrete nach „außen“ ab.

    Kontakt für Journalisten:
    DGE-Pressestelle
    Dagmar Arnold
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-380
    Telefax: 0711 8931-167
    E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org


    Weitere Informationen:

    http://www.dge2017.de, Programm des 60. Kongresses für Endokrinologie
    http://www.endokrinologie.net
    http://www.hormongesteuert.net
    http:///www.facebook.com/dge.hormongesteuert


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Pressetermine
    Deutsch


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