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09.03.2017 12:16

Das reiche Musikerbe Rumäniens

Uschi Lenk Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Prof. Dr. Thede Kahl von der Universität Jena ediert Band zur rumänischen Musik und Musikwissenschaft mit bislang unveröffentlichten Hörbeispielen

    Mit dem reichen musikalischen Erbe des südosteuropäischen Landes setzt sich die Publikation „Von Hora, Doina und Lautaren. Einblicke in die rumänische Musik und Musikwissenschaft“ auseinander. Herausgegeben hat den Sammelband Prof. Dr. Dr. h. c. Thede Kahl vom Institut für Slawistik und Kaukasusstudien der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena. Die Publikation vereint Beiträge von 32 Autoren aus Deutschland, Österreich und Rumänien, die damit ihre Annäherung an die rumänische Musik präsentieren, sowie zwei CDs mit bislang unveröffentlichten Hörbeispielen.

    „Das musikalische Erbe Rumäniens ist bis heute – trotz Schwierigkeiten bei der Musikpflege und der zahlreichen umfassenden politischen und sozialen Umwälzungen in Vergangenheit und Gegenwart – außerordentlich vielfältig und reich“, betont der Experte für Südslawistik. Entsprechend bunt fallen auch die Annäherungen durch die Musik-, Literatur- und Sprachwissenschaftler, Musiker, und Tanzwissenschaftler, Historiker, Philosophen, Lehrer, Volkskundler und Soziologen aus. „Von der Volksmusik geht es zur komponierten Musik, der Klassik und der Moderne, von der Musik der Rumänen zur Musik der Minderheiten, von der ländlichen zur städtischen, von der traditionellen zur revitalisierten Musik“, macht Kahl das Spektrum deutlich.

    Horen, Doinen und Lautaren verbinden Musikwelten

    Die so unterschiedlichen und auf den ersten Blick unvereinbaren Musikwelten seien eng miteinander verflochten durch Horen, Doinen und Lautaren, sagt er mit Blick auf den Titel der Publikation. Diese für die rumänische Musik wichtigen Schlüsselbegriffe „entspringen zwar der Volksmusik, finden sich praktisch jedoch in jeder Musikgattung des Landes wieder“. Der rumänische Nationaltanz Hora – bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts beschrieben – ist heute im ganzen Land verbreitet und hat mit seinen Rhythmen die Klassik inspiriert, etwa Bartoks „Ungarische Tänze“. Die Doina als wichtigste Vertreterin der Balladen haben nach Worten des Wissenschaftlers ihren Ursprung in der Hirtenkultur. Sie seien uralte, oft improvisierte Melodien mit bestimmtem Anfang und Ende, ansonsten jedoch in der Interpretation frei. Ein Großteil beschreibe das Leben der Heiducken, aber auch Klage-, Sehnsuchts- und Liebeslieder, Elogen auf die Natur oder Lieder gegen soziale Missstände zählen dazu. Welche Bezüge die rumänische Hirtenmusik beispielsweise zu antiken griechischen Hirtenmotiven hat, wird in einem der Beträge untersucht.

    Die wechselvolle Geschichte der Lautaren – Lautenmusiker – reicht bis ins Mittelalter zurück. Ursprünglich Hofmusikanten, lösten umherziehende Roma sie Ende des 14. Jahrhunderts ab. „Sie stellen als Musiker bis heute die prägnante Position in der traditionellen Musik- und Liedkultur Rumäniens dar“, erläutert Thede Kahl. Ein Beispiel, wie die Lautaren von großen klassischen Komponisten geschätzt wurden, zeige ein Beitrag über Franz Liszt und seine Lăutari.

    Gattungen rumänischer Volksmusik mit Hörbeispielen

    Zu den weiteren Themen der Publikation gehört eine Übersicht zu den rumänischen Volksmusikgattungen mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Hörbeispielen auf einer der beigelegten CDs. Diese versammelt zudem Musik, die im Text-Kontext veranschaulicht, „dass Siebenbürgen ein gelungenes Beispiel für die Symbiose mehrerer europäischer Musikkulturen darstellt“. Weitere Beiträge analysieren unter anderem den Übergang der rumänischen Tradition in die Moderne, politische Aspekte der rumänischen Volksmusiksammlung sowie die Auswirkungen der politischen Wende von 1989/90 auf musikalische Feierlichkeiten am Beispiel der Hochzeitsmusik der Roma Südrumäniens.

    Umfangreiche Feldforschungen, an denen der Jenaer Wissenschaftler beteiligt war, widmen sich den traditionellen Colinde-Gesängen (Weihnachtslieder), wobei heidnische Elemente in diesem heute christlichen Brauch herausgearbeitet werden. Aufgezeigt wird auch die Geschichte der rumänischen Nationalhymne sowie der Einfluss der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien auf die Entwicklung des Musikschaffens in Rumänien. Des Weiteren setzt sich eine Arbeit mit der rumänischen Musik als Teil des europäischen Musikportfolios auseinander.

    Bibliographische Angaben:
    Thede Kahl (Hg.): „Von Hora, Doina und Lautaren. Einblicke in die rumänische Musik und Musikwissenschaft; mit Hörbeispielen“, Forum: Rumänien Bd. 33, Frank & Timme Verlag Berlin 2016, ISBN 978-3-7329-0310-8

    Kontakt:
    Prof. Dr. Dr. h. c. Thede Kahl
    Institut für Slawistik und Kaukasusstudien der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 944725
    E-Mail: thede.kahl[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Musik / Theater, Sprache / Literatur
    regional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Slawist Prof. Dr. Dr. h. c. Thede Kahl von der Uni Jena ist Herausgeber einer Publikation zum musikalischen Erbe Rumäniens.


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