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30.03.2017 14:16

Darum fördern Übergewicht und Diabetes den Krebs

Janina Wetzstein Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

    Wiesbaden – Übergewicht und Adipositas greifen um sich und betreffen inzwischen mehr als 1,5 Milliarden Menschen weltweit. Damit nehmen auch Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer mehr an Bedeutung zu. Weniger bekannt ist, dass Übergewicht und Diabetes auch die Entstehung verschiedener Krebsarten fördern. Grund dafür könnte bei beiden Erkrankungen unter anderem die vermehrte Insulin-Produktion im Körper sein. Auf der Pressekonferenz am 19. April 2017 anlässlich des 11. Patiententags der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) in Wiesbaden erläutern Experten der Fachgesellschaft den verhängnisvollen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Krebs.

    In den vergangenen Jahren haben wissenschaftliche Studien immer deutlicher gezeigt, dass Übergewicht und Diabetes die Entstehung einer Vielzahl von Tumoren begünstigen können. Dazu zählen neben Darmkrebs, Brustkrebs und Speiseröhrenkrebs auch Tumoren der Nieren, Bauchspeicheldrüse, Leber und Gebärmutter. „Körpergewicht und Stoffwechsel wirken sich aber nicht nur auf die Entstehung von Krebs aus“, sagt Dr. med. Cornelia Jaursch-Hancke, Direktorin der Abteilung für Diabetologie und Endokrinologie an den DKD-Helios-Kliniken in Wiesbaden. Auch der Verlauf der Erkrankung und die Überlebenschancen hingen stark vom Body-Mass-Index ab. So hätten etwa Tumorkranke mit sehr starkem Übergewicht (BMI über 40 kg/m2) ein um 50 bis 60 Prozent höheres Risiko, an ihrer Krebserkrankung zu sterben als normalgewichtige Leidensgenossen.

    Wie kommt es aber zu diesem Effekt? Über welche Mechanismen kann das Körpergewicht mit so unterschiedlichen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs in Verbindung stehen? „Die Forschung hierzu ist noch lange nicht abgeschlossen“, sagt Jaursch-Hancke. Aus einer Vielzahl von Studien ergebe sich jedoch allmählich ein immer genaueres Bild der Prozesse, die im Körper ablaufen, wenn die Fettpolster zunehmen. Sowohl Übergewichtige als auch Typ-2-Diabetespatienten produzieren häufig große Mengen von Insulin, das den Blutzuckerspiegel niedrig halten soll. Zugleich lässt jedoch die Wirkung des Insulins nach, sodass der Blutzuckerspiegel dennoch hoch bleibt und die Insulinproduktion weiter ankurbelt. „Es ist bekannt, dass permanent hohe Insulinspiegel im ganzen Körper Rezeptoren aktivieren, die das Tumorwachstum fördern“, erläutert Jaursch-Hancke. Auch die Fettzellen selbst tragen neueren Erkenntnissen zufolge zur Krankheitsentstehung bei: Sie produzieren eine Vielzahl von Hormonen und Botenstoffen (Adipokine), die unterschiedliche Stoffwechselprozesse steuern und beeinflussen können. Bei starkem Übergewicht setzen die Fettzellen anstelle schützender Botenstoffe wie Adiponectin und Visfatin eher schädliche Substanzen wie Resistin frei, die Entzündungen und Insulinresistenz fördern können. Wissenschaftliche Studien haben auch gezeigt, dass das hungerbremsende Adipokin Leptin bei Übergewichtigen zwar vermehrt hergestellt wird, dass es aber ebenso wie Insulin seine Wirkung verlieren kann. Leptin und andere Adipokine wirken auch direkt auf das Immunsystem ein. Welchen Effekt jede einzelne dieser Komponenten hat und wie sie bei Entstehung und Wachstum von Tumoren zusammenwirken, ist aber noch weitgehend ungeklärt. „Die gute Nachricht ist jedoch, dass dieser Effekt sich auch wieder umkehren lässt“, macht die DGIM-Expertin Mut. Wer sein Gewicht reduziere und sich mehr bewege, könne sein Risiko, an Krebs zu erkranken, auch wieder verringern.

    „Den Patiententag in Wiesbaden möchten wir dafür nutzen, Bürger über genau solche Prozesse im menschlichen Körper aufzuklären“, sagt Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger, Vorsitzende der DGIM. Denn das Wissen über die eigenen Erkrankungen helfe den Patienten dabei, Therapien zu verstehen und mitzutragen. Bei der Pressekonferenz am 19. April 2017 geben Experten der DGIM und Vertreter der Stadt Wiesbaden Einblick in das Programm des Patiententags. Weitere Informationen zum Kongress und Patiententag finden Interessierte hier: http://dgim2017.de/download/.

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    Terminhinweise:

    Pressekonferenz der DGIM zum Patiententag in Wiesbaden
    Termin: Mittwoch, 19. April 2017, 12.00 bis 13.00 Uhr
    Ort: Geschäftsstelle der DGIM in Wiesbaden
    Anschrift: Irenenstraße 1, 65189 Wiesbaden

    Patiententag der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V.
    Termin: 22. April 2017
    Ort: Wiesbadener Rathaus

    123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
    Termin: 29. April bis 2. Mai 2017
    Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

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    Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
    anlässlich des 11. Patiententags in Wiesbaden

    Termin: Mittwoch, 19. April 2017, 12.00 bis 13.00 Uhr
    Ort: Geschäftsstelle der DGIM
    Anschrift: Irenenstraße 1, 65189 Wiesbaden

    Vorläufige Themen und Referenten:

    Sprechende Medizin: Warum die persönliche Zuwendung zum Patienten so wichtig ist
    Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger
    Vorsitzende der DGIM, Ärztliche Direktorin Zentrum / Innere Medizin / Fünf Höfe, München

    Wissen vom Fachkongress direkt auf den Wiesbadener Marktplatz
    Der Patiententag der DGIM
    Dr. med. Norbert Schütz
    Chefarzt der Medizinischen Klinik Krankenhaus Usingen, Hochtaunus-Kliniken
    Organisationsleiter des Patiententags anlässlich des 123. Internistenkongresses

    Gesundheit in Wiesbaden: Wie eine Stadt zur Gesundheit ihrer Bürger beitragen kann
    N.N., Vertreter der Stadt Wiesbaden

    Erhöhtes Krebsrisiko bei Übergewicht und Diabetes – Wie ist das zu erklären?
    Dr. med. Cornelia Jaursch-Hancke
    Direktorin der Abteilung für Diabetologie/Endokrinologie an den DKD-Helios Klinik in Wiesbaden

    Ausblick auf 2019: Der Internistenkongress kehrt zurück nach Wiesbaden
    Maximilian G. Broglie
    Geschäftsführer der DGIM, Wiesbaden
    und
    Michael Martin, Geschäftsführer des Kurhauses Wiesbaden, des RMCC und der der Wiesbaden Marketing GmbH

    Moderation: Pressestelle der DGIM, Stuttgart

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    Pressekontakt für Rückfragen:
    Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
    Pressestelle
    Janina Wetzstein
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-457
    Fax: 0711 8931-167
    E-Mail: wetzstein@medizinkommunikation.org
    http://www.dgim2017.de


    Weitere Informationen:




    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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