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28.07.2003 16:43

Dicke Mutter - Dickes Kind

Dr. med. Silvia Schattenfroh GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

    Schädigung des kindliches Gehirns im Mutterleib
    Änderung der Mutterschaftsrichtlinien gefordert

    Professor Dr. Andreas Plagemann von der "Klinik für Geburtsmedizin" der Charité hat vor Journalisten gefordert, die Mutterschaftsrichtlinen für Schwangere um den Test auf Diabetes bzw. auf Vorstufen davon, zu ergänzen.
    Vom Übergewicht sind viele junge Schwangere, besonders aus den unteren Sozialschichten, betroffen, ist doch schon jeder zweite Einwohner Deutschlands und keineswegs nur ältere Personen, übergewichtig und jeder 6. sogar als adipös (fettsüchtig) einzustufen. Aber nicht genug damit: Schon 15 Millionen übergewichtige Deutsche befinden sich- gewöhnlich ohne es zu wissen - in einem Vorstadium zum Diabetes und werden innerhalb von 10 Jahren das Vollbild des Diabetes entwickeln

    Werden aber Frauen im prädiabetischen Zustand schwanger oder entwickeln einen sogenannten Schwangerschafts-Diabetes, werden dann aber nicht angemessen
    behandelt, so geben sie ihrem Kind einen Schaden im Gehirn mit, an dessen Folgen das Kind schwer zu tragen hat: Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls dick oder sogar fett werden und zwar schon während seiner Kindheit und Jugend und es wird diesen erworbenen Schaden an die nächste Generation weitergeben.
    Professor Plagemann hat am Modell von Ratten gezeigt, dass die prädiabetischen und diabetischen Tiere durch ihren erhöhten Zuckerspiegel im Blut und der daraus folgenden erhöhten Insulinproduktion der Ungeborenen deren Gehirne schädigen. Die Bereiche im Zwischenhirn (Nucleus ventromedialis und N. arcuatus), in denen das Gefühl für Hunger oder Sattsein ebenso wie die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse reguliert werden, bleiben bei den Nachkommen fehlentwickelt und und inihrer Funktion gestört. Der Nachwuchs kann wegen des ständig zu hohen Insulinspiegels, der Fettsucht begünstigt, schon übergewichtig zur Welt kommen und hat ein zu gering entwickeltes Gefühl für Sattsein. Dies ist auch bei Säuglingen diabetischer Mütter der Fall: Sie werden ständig nach Nahrung verlangen und bereits in jungen Jahren wegen ihres Übergewichts überhöhte Werte von Blutdruck und Blutfett haben und ihr Organismus kann das Hormon Insulin nicht korrekt nutzen. Sie tragen damit das Risiko für alle Folgekrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung und Krebs in sich.
    "Wir haben es hier nicht mit einem genetischen (erblichen) Schaden zu tun, sondern mit einem in der uterinen Umwelt erworbenen, der dennoch an die folgenden Generationen weitergegeben wird" sagt Professor Plagemann.
    Um aber die Kette - dicke Mutter - dickes Kind - dicke Mutter etc. zu unterbrechen, so Plagemann, sei es unbedingt notwendig, bei jeder Schwangeren nach der 24. Schwangerschaftswoche einen sogenannten "oralen Glukose-Toleranz-Test" durchzuführen. Fällt der Test krankhaft aus, so muß die Frau unbedingt entsprechend behandelt werden, sei es durch Diät oder auch durch tägliche Insulininjektionen. Nur wenn ihr Stoffwechsel normalisiert wird, entwickelt sich auch die Stoffwechselregulation ihres Kindes normal und das Kind bringt ein gesundes Gefühl für Hunger und Sättigung mit auf die Welt und kann, sofern die Mutter es nicht absichtlich mästet, normalgewichtig und stoffwechselgesund aufwachsen.
    Der Test kostet 6 Euro. Er zahlt sich mit Sicherheit aus: In Deutschland kommen jährlich 800 000 Kinder zur Welt. Mehr als jede 10. Schwangere entwickelt einen Schwangerschaftsdiabetes. Gelänge es, all diese Frauen adäquat zu behandeln, so bliebe rein rechnerisch jedes Jahr mindestens 80.000 Kindern das Risiko lebenslanger Fettsucht mit allem Leid der gesundheitlichen und psychischen Folgen erspart. Auch das würde sich "rechnen": Denn zur Zeit geben die Krankenkassen allein für die krankhaften Folgen des Übergewichts mehr als 18 Milliarden Euro jährlich aus. Dr. Silvia Schattenfroh (28.7.03)


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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