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11.05.2017 10:07

Karlstadts Wittenberger Thesenanschlag

Antje Dauer Pressestelle
Herzog August Bibliothek

    Erste Bände der wichtigsten noch ausstehenden Edition zum Reformator Karlstadt sind erschienen

    Martin Luther ist mit seinem Anschlag von 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg berühmt geworden. Ein anderer einflussreicher Reformator jener Zeit erhielt mit einer vergleichbaren Tat deutlich weniger Aufmerksamkeit: Am 26. April jährte sich der Anschlag von 151 Thesen des Wittenberger Theologen Andreas Rudolff Bodenstein von Karlstadt (1486–1541) zum 500. Mal.

    Karlstadt machte in dieser Thesenreihe einer akademischen Öffentlichkeit seine Hinwendung zur Gnadentheologie des Kirchenvaters Augustin bekannt, die fortan zum Aushängeschild der neu gegründeten Wittenberger Universität wurde. Im Unterschied zu Luthers 95 Thesen ist im Falle Karlstadts bezeugt, dass seine 151 Thesen vom 26. April 1517 auch öffentlich ausgehängt wurden.

    Zu diesem Anlass wurden die ersten beiden Bände einer Kritischen Edition der Briefe und Schriften Karlstadts in Göttingen feierlich präsentiert. Die Edition, als Langzeitvorhaben von der DFG gefördert, ist ein Kooperationsprojekt der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel mit der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen unter Leitung des Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann. Sie stellt die wichtigste noch ausstehende Reformatoren-Edition dar. Die beiden ersten Bände der Edition umfassen die Werke und Briefe der Jahre 1507 bis 1518. Sie dokumentieren Karlstadts Wirken als Dozent oder Professor an den Fakultäten der freien Künste und der Theologie, die kirchenjuristische Tätigkeit als Archidiakon, dem zweiten ordinierten Theologen am Allerheiligenstift Wittenberg, seine Romreise und ihre Intentionen, den humanistischen Einsatz für Johannes Reuchlin sowie seine der Auseinandersetzung mit Martin Luther folgende Hinwendung zur Gnadenlehre Augustins, die zum Bruch mit seiner bisherigen theologischen Orientierung an der Scholastik führte.

    Kritische Gesamtausgabe der Schriften und Briefe Andreas Bodensteins von Karlstadt. Band I/1: 1507-1517, Band I/2: 1518. Herausgegeben von Thomas Kaufmann. 1.152 Seiten in 2 Bänden, Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte, 90. Gütersloher Verlagshaus, 2017, ISBN 978-3-579-05844-3, € 224,00

    Andreas Bodenstein, der nach seinem Heimatort „Karlstadt“ benannt wurde, war einer der bedeutendsten Reformatoren des 16. Jahrhunderts. Er war der erste, der Luthers Thesen unterstützte, aber auch der erste, der sich mit ihm zerstritt, weil ihm dessen Reformen nicht weit genug gingen. Im Laufe seines Lebens entwickelte Karlstadt eine eigene Theologie, die sich auch hinsichtlich der Gnadenlehre und der Ekklesiologie, der Reflexion über die Gemeinde, von den Positionen Luthers signifikant unterschied. Sein Werk ist ein wichtiges kultur- und religionsgeschichtliches Zeugnis der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.


    Weitere Informationen:

    http://diglib.hab.de/edoc/ed000216/start.htm Website der Edition
    http://karlstadt-edition.org/ Weitere Informationen über das Projekt


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Religion, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Andreas Bodenstein von Karlstadt (1485-1541), Titelbild der Online-Edition


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