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12.05.2017 18:32

Der Zusammenhang zwischen Aussterberisiko von Amphibien und ihrem Lebensraum hat sich umgedreht

Dr. Gesine Steiner Pressestelle
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

    Amphibien sind heute die am stärksten gefährdeten Landwirbeltiere. Der Gefährdungsgrad einer Art ist nicht zufällig, sondern wird unter anderem durch deren morphologische und ökologische Eigenschaften bestimmt. So finden sich besonders viele gefährdete Amphibienarten unter denen, die Fließgewässer benötigen. Forscher vom Museum für Naturkunde Berlin konnten mit Daten fossiler Arten nun zeigen, dass sich dieser Zusammenhang zwischen Lebensraum und Aussterberisiko im Laufe der Erdgeschichte umgedreht hat, die heute gefährdeten Fließgewässerbewohner waren früher die Gewinner. Einer der Gründe könnte der Mensch und sein Einfluss auf Ökosysteme sein.

    Um den generellen Einfluss des Lebensraums auf die potentielle Gefährdung einer Amphibienart zu prüfen, haben Melanie Tietje und Mark-Oliver Rödel vom Berliner Museum für Naturkunde Berlin ihre Forschung vertieft und die Überlebensdauern ausgestorbener Amphibienarten und deren Lebensräume über die letzten 300 Millionen Jahre verfolgt. Die Lebensdauer einer Art ergab sich hierbei aus der Zeitspanne zwischen den ältesten und jüngsten Fossilienfunden einer Art und wurde von den Forschern als fossiles Pendant zum Gefährdungsgrad der heute lebenden Arten herangezogen. Letzterer wurde für alle lebenden Amphibien in der Roten Liste der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) untersucht und veröffentlicht. In dieser Roten Liste wird auch der Lebensraum der Arten genannt. Den Lebensraum fossiler Arten haben die beiden Forscher aus der Lithologie, also den Eigenschaften des das Fossil umgebenden Gesteins, abgeleitet. Auf diese Weise wurde jedem Fossilienfund ein bestimmter Lebensraumtyp, vom stehenden bis zum schnell fließenden Gewässer, zugeordnet.
    Beim Vergleich der Lebensdauern von Arten aus verschiedenen Gewässertypen stellten die Forscher fest, dass Amphibienarten aus Gewässern mit hohen Fließgeschwindigkeiten eine durchschnittlich längere Lebensdauer zeigten als Arten aus Gewässern mit niedriger (oder gar keiner) Fließgeschwindigkeit. Die Ergebnisse ließen sich dabei weder durch Lebensraum bedingte Unterschiede in der Erhaltung von Fossilien, noch durch Unterschiede zwischen verschiedenen Amphibiengruppen, z.B. Fröschen und Salamandern, erklären. Dass Arten aus Fließgewässern längere Lebensdauern zeigen steht im Widerspruch zu den Daten der Roten Liste der IUCN. Diese zeigen, dass heute lebende Bach- und Flussbewohner, im Vergleich zu Bewohnern stehender Gewässer, stärker vom Aussterben bedroht sind. Dieser scheinbar widersprüchliche Einfluss des Habitats auf die beobachtete (fossil) und erwartete (rezent) Lebensdauer einer Art könnte darauf hindeuten, dass sich Lebensräume unterschiedlich stark, und teilweise zum Nachteil für ihre Bewohner, verändert haben. Die stark konzentrierte Besiedlung von flussnahen Gebieten durch den Menschen wäre eine mögliche Erklärung. Wie Melanie Tietje, Doktorandin am Museum für Naturkunde Berlin, hinzufügt „sehen wir an diesem Beispiel, das es für ein umfassenderes, grundsätzliches Verständnis von Gefährdungsfaktoren wichtig sein kann, Entwicklungen über sehr lange Zeiträume zu berücksichtigen. Der Fossilbericht stellt hierfür ein großartiges Archiv verschiedenster Arten und Aussterbeereignisse bereit“.

    Publikation:

    Contradicting habitat type-extinction risk relationships between living and fossil amphibians
    Melanie Tietje, Mark-Oliver Rödel
    R. Soc. open sci. 2017 4 170051; DOI: 10.1098/rsos.170051. Published 10 May 2017


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Geowissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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