idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
19.05.2017 15:13

125 Jahre Meeresforschung Helgoland

Ralf Röchert Kommunikation und Medien
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

    Vertreter aus Wissenschaft und Politik betonen Bedeutung der Meeresforschung für die Gesellschaft

    Bremerhaven/Helgoland, den 19. Mai 2017. Die Meeresforschung hat in Deutschland eine lange Tradition und erlebte im 19. Jahrhundert ihre erste Blütezeit. Vor 125 Jahren wurde auf Helgoland die Königliche Biologische Anstalt gegründet, 1924 folgte ein Zweiglaboratorium in List auf Sylt. Aus beiden Standorten entstand später die Biologische Anstalt Helgoland (BAH), die 1998 Teil des Alfred-Wegener-Instituts wurde. Gäste aus ganz Deutschland kamen heute nach Helgoland, um dieses Jubiläum zu feiern.

    Schon lange vor der Gründung einer Forschungsstation auf Helgoland und Sylt zeigte sich, wie wichtig die beiden Inseln für die Meeresforschung sind. Renommierte Wissenschaftler wie Johannes Müller und Karl Möbius verbrachten dort viel Zeit und etablierten die Inseln mit ihren Arbeiten als Forschungsstandorte. Seit 1892 hat die Meeresforschung schließlich mit der Königlichen Biologischen Anstalt auf Helgoland einen festen Platz in der Nordsee. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums fand heute eine offizielle Festveranstaltung im Helgoländer Aquariumsgebäude statt.

    Die Forschung auf Helgoland und Sylt nimmt mit ihrer langen Tradition und gleichzeitig zukunftsweisenden Ausrichtung einen führenden Platz in der europäischen Meeresforschung ein. Dies brachten die Redner der Jubiläumsveranstaltung einvernehmlich zum Ausdruck. Wichtige Fragestellungen, die Meeresforscher auf Helgoland und Sylt heute bearbeiten, betreffen unter anderem die Folgen von menschlichen Eingriffen in das Ökosystem der Nordsee, die Auswirkungen von Temperatur- und Nährstoffänderungen sowie die Folgen von Plastikverschmutzung.

    „Die Ozeane und Meeresküsten der Erde sind von großer Bedeutung für die Menschheit. 70 Prozent der Bevölkerung werden bis 2070 in der Nähe einer Küste leben“, sagt Prof. Dr. Karen Wiltshire, Direktorin der Biologischen Anstalt Helgoland am Alfred-Wegener-Institut. „Küstentourismus ist der am schnellsten wachsende globale Industriesektor und Aquakulturen in küstennahen Bereichen liefern bereits heute 12 Prozent des Proteins für die menschliche Ernährung. Intakte Nahrungsnetze hängen von der Artenvielfalt der Meere ab. Doch diese Vielfalt ist noch lange nicht vollständig erforscht und durch globale Veränderungen extrem gefährdet. Ozeane sind auch der Klimaregulator der Erde und der Schlüssel zu Anpassungsstrategien“, so Wiltshire.

    „Seit nunmehr 125 Jahren erforschen und entdecken Forscherinnen und Forscher von Helgoland aus die Vielfalt der Meere und Ozeane“, würdigt Dr. Karl Eugen Huthmacher, Abteilungsleiter Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und Nachhaltigkeit im Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Einsatz des Alfred-Wegener-Instituts. „Insbesondere die Messungen, die sie hier vor Helgoland täglich durchführen, haben zu einer unvergleichlichen Zeitreihe wichtiger Daten und relevanter Ergebnisse geführt.“ Mit den fast lückenlosen werktäglichen Messungen physikalisch-chemischer und biologischer Parameter verfügt die Biologische Anstalt Helgoland über einen der weltweit wertvollsten marinen Langzeit-Datensätze zu Temperatur, Salzgehalt und weiteren Parametern in der Nordsee.

    Staatssekretär Dr. Frank Nägele vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, der leider nicht persönlich anwesend sein konnte, betont vor allem die Bedeutung der Meeresforschung für die Küstenregionen Deutschlands: „Die Inseln Helgoland und Sylt sind zwei Leuchttürme der Meeresforschung. Gerade für ein Bundesland wie Schleswig-Holstein mit seinen Küsten an Nord- und Ostsee sind die beiden Forschungsstandorte des Alfred-Wegener-Instituts von besonderer Bedeutung. Es ist notwendig, aus den Erkenntnissen der Meeresforschung auch Prognosen für zukünftige Entwicklungen abzuleiten“, sagt Nägele.

    Seit 1998 gehört die Biologische Anstalt Helgoland zum Alfred-Wegner-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). „Dieser Zusammenschluss ist eine glückliche Entscheidung gewesen. Eine interdisziplinäre Meeresforschung von der Biologie bis hin zur Klimamodellierung macht es möglich, globale Fragen der Menschheit zu bearbeiten. Als ein Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft tragen wir dazu bei, die großen Fragen zur Nachhaltigkeit unseres Erdsystems zu erforschen. Die Meeresforschung ist eine wichtige Komponente dabei“, sagt Prof. Dr. Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts.

    Die Rolle von Meeresforschungsstationen in der deutschen Wissenschaftslandschaft betont auch der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Otmar D. Wiestler: „Unsere Stärke und unser Auftrag ist es, herausragende Wissenschaft an unterschiedlichen Orten und Forschungszentren miteinander zu verknüpfen, um an der Lösung der großen Herausforderungen unserer Zeit zu arbeiten. Die Biologische Anstalt Helgoland verkörpert dies auf eindrucksvolle Weise. Sie bereichert die Helmholtz-Gemeinschaft mit ihrer Kompetenz in der Küstenforschung. Seit 125 Jahren ist sie ein Ort der exzellenten Wissenschaft, aber auch des Transfers von Wissen in die Gesellschaft“, so Wiestler.

    Wie stark die Helgoländer Meeresforschung das alltägliche Leben auf der Insel prägt, erläutert schließlich Bürgermeister Jörg Singer: „Mit unseren Meeresforschern teilen wir uns das Inselleben seit über 125 Jahren. Die Biologische Anstalt am Alfred-Wegener-Institut steht der Gemeinde Helgoland beratend zur Seite. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus aller Welt und bereichern unser kulturelles Inselleben – auch heute noch kommt man als Meeresbiologe am Helgoländer Felswatt nicht vorbei. Das Gastforscherprogramm des Alfred-Wegener-Instituts auf Helgoland ist außerdem für unseren Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Singer.


    Hinweise für Redaktionen:

    Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Homepage unter: http://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse.html

    Ihr Ansprechpartner in der Abteilung Kommunikation und Medien ist Sebastian Grote, telefonisch am 19. Mai 2017 erreichbar unter Mobil 0151 58961299 (E-Mail: medien(at)awi.de).

    Das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Meer / Klima
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).