Ästhetische Gefühle messbar machen: Neues Instrument schließt methodische Forschungslücke

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22.06.2017 13:47

Ästhetische Gefühle messbar machen: Neues Instrument schließt methodische Forschungslücke

Andrea Treber Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

    Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik präsentieren eine Skala, welche die komplexe Welt ästhetischer Gefühle erstmals universell erfasst.

    Frankfurt, 22.06.2017 – Wenn Kunstwerke, Texte oder Musikstücke uns begeistern, verärgern oder auch langweilen, spricht die Psychologie von einer ästhetischen Emotion. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff? Allgemein versteht man darunter Gefühlsregungen, die aufkommen, wenn wir Reize nach ihrem ästhetischen Wert hin beurteilen. Empirisch wurde dieses Thema bislang kaum für das gesamte Spektrum ästhetischer Urteile, von den Künsten über Design bis zur Naturschönheit, untersucht – auch, weil ein entsprechendes Instrument fehlte.

    Forscher und Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt, der Freien Universität Berlin, sowie den Universitäten in Genf und Innsbruck präsentieren jetzt im Wissenschaftsjournal PLOS ONE ein entsprechendes Messinstrument in Form der „Aesthetic Emotions Scale“, kurz „AESTHEMOS“.

    Ästhetische Gefühle beschränken sich nicht auf Wohlgefallen und Begeisterung, sondern können als gemischte, bittersüße und auch negative Gefühle erlebt werden. Nicht selten tragen negative Gefühlskomponenten zu einem insgesamt als schön empfundenen Erlebnis bei. Um individuelle Gefühle systematisch in Daten zu überführen, muss Befragten also eine hinreichende Auswahl an Emotionen zur Verfügung stehen. Als hochdifferenzierte Skala fragt AESTHEMOS daher 21 Emotionen ab, darunter das Gefühl der Schönheit, Faszination, Freude, Vitalität, Rührung, Nostalgie, Verwirrung, Ärger und Langeweile.

    Die Skala ermöglicht es nicht nur, die Art und Intensität der von einem ästhetischen Objekt ausgelösten Gefühle zu messen. Sie erlaubt auch vergleichend zu untersuchen, welche Gefühle prioritär mit den verschiedenen Kunstarten, mit Mode oder auch mit Naturwahrnehmungen verbunden sind. Weiterhin kann mit ihr untersucht werden, welche Gefühle zu einem positiven oder negativen ästhetischen Urteil beitragen.

    Mit AESTHEMOS hat die empirische Forschung ein innovatives Instrument zur Hand – und erhält damit die Chance, sich einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem universellen Verständnis ästhetischer Gefühle weiter zu bewegen. Die Fragebogenentwicklung wurde u.a. durch einen Advanced Grant des European Research Council gefördert.

    Originalpublikation (open access):
    Schindler, I., Hosoya, G., Menninghaus, W., Beermann, U., Wagner, V., Eid, M., Scherer, K.R. (2017) Measuring aesthetic emotions: A review of the literature and a new assessment tool. PLOS ONE 12(6): e0178899. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0178899

    Kontakt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
    presse@ae.mpg.de
    Dr. Anna Husemann, Tel.: +49 69 8300 479 650
    Andrea Treber, Tel.: +49 69 8300 479 652

    Kontakt Publikation:
    Dr. habil. Ines Schindler
    Tel.: +49 69 8300 479 116
    ines.schindler@ae.mpg.de

    Über das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main
    Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik wurde 2013 in Frankfurt am Main gegründet und beschäftigt derzeit über 130 Mitarbeiter. Das Institut erforscht interdisziplinär, was wem warum und unter welchen Bedingungen ästhetisch gefällt. Dabei widmen sich die Forschungen in den drei Abteilungen Sprache und Literatur, Musik sowie Neurowissenschaften insbesondere den Grundlagen ästhetisch wertenden Wahrnehmens und Erlebens.
    Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik ist eine von 83 Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.
    Weitere Informationen unter https://www.ae.mpg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Musik / Theater, Psychologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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