Seminar: Kindern vorlesen

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12.07.2017 12:19

Seminar: Kindern vorlesen

Jan Vestweber Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

    Studierende der Uni Witten/Herdecke lesen kranken Kindern im Rahmen ihres Studiums Klassiker der Kinderbuchliteratur vor

    Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Michel aus Lönneberga – wer kennt sie nicht, die großen Heldinnen und Helden der Kinderbuchliteratur? Wer folgte ihnen nicht in mutige Abenteuer und bezwang gemeinsam mit ihnen die größten und schwersten Prüfungen? Studierende der Universität Witten/Herdecke (UW/H) haben sie in diesem Semester erneut zur Hilfe gerufen. Auch diesmal sollen Pippi, Michel und Co. kranken Kindern in Herdecke und Bochum mit all ihrem Zauber und all ihrem Mut zur Seite stehen. „Kindern vorlesen“ heißt der Kurs, in dessen Rahmen Studierende einmal pro Woche Kinder im Krankenhaus besuchten und gemeinsam mit ihnen in magische Bücherwelten abtauchten.

    Der Kurs war bereits im Wintersemester 2016/17 von Prof. Dr. Thomas Pijanowski und der Psychologiestudentin Katharina Hussung als Herzensangelegenheit ins Leben gerufen und ins Angebot des Studium fundamentale aufgenommen worden. Dank der Unterstützung von Medizinstudentin Nina Krah beteiligte sich nun neben dem Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke in diesem Semester auch die Bochumer Kinderklinik als Kooperationspartner des Projektes.

    Für das Vorlesen standen den Studierenden auf den Kinderstationen eigens für das Projekt angeschaffte Bücherkisten zur Verfügung. Sobald das passende Buch gefunden war, durften auch die Eltern der jungen Patientinnen und Patienten mal eine Kaffeepause machen, während sich die Studierenden mit ihren Schützlingen vertraut machten. „Durch das Vorlesen habe ich ein ganz anderen Zugang zu den Kindern bekommen. Manche Kinder waren am Anfang etwas schüchtern und durch das Vorlesen sind sie dann immer mehr aufgetaut. Das hat auch mich glücklich gemacht“, erzählt Psychologiestudent Sebastian Eckmann.

    Zusätzlich zu ihrer Aufgabe als Geschichtenerzählerinnen und -Erzähler stellten sich die Studierenden als Spielgefährten zur Verfügung, ließen sich interessiert aus dem Leben der Kinder erzählen und boten vor allem Spaß und Ablenkung in vielerlei Form.

    Bei der Entwicklung des Seminars orientierten sich Prof. Dr. Thomas Pijanowski und Katharina Hussung am Vorbild von Patch Adams, der betone, wie wichtig das seelische Wohlbefinden für den Heilungsprozess sei. Im Zentrum stünde deshalb vor allem, den Kindern mit allen verfügbaren Mitteln eine tolle Zeit zu ermöglichen.

    „Wir sehen in unserem Kurs einen Gewinn für beide Seiten“, erklärt Prof. Dr. Pijanowski. „Kindern, denen vielleicht kaum vorgelesen wird, bekommen Zugang zu tollen Werken der Kinderbuchliteratur und haben jemanden an ihrer Seite, der ihnen in einer schwierigen Zeit Spaß und Ablenkung bietet. Die Studierenden wiederum erhalten die Möglichkeit, sich selbst beim Vorlesen zu reflektieren.“ Ziel des Kurses sei es für die Studierenden, mit den Kindern in Kontakt zu treten und eine weitere Perspektive auf Krankheit und Genesung zu bekommen. Neben den Terminen im Krankenhaus gehörten deshalb auch verpflichtende Reflexionsseminare zum Kurs.

    Gecoacht wurden die Studierenden zudem von Kinderbuch- und Drehbuchautor Rolf Barth. Der 67-jährige war bereits vergangenes Semester zu einem Wochenendseminar angereist, um die Teilnehmenden des Kurses professionell zu schulen. Neben wertvollen Tipps für das Vorlesen und den Umgang mit den kleinen Patientinnen und Patienten stellte Barth seine Kinderbücher „Herr Wolke“ vor und zeigte, wie man sich abseits vom Vorlesen mit Münztricks in die Herzen der Kinder zaubert. Schließlich sei es heutzutage auch immer schwerer, Kinder allein mit Büchern zu begeistern. Die Konkurrenz mit Unterhaltungsmedien wie iPad und YouTube verlange heute weitaus mehr Einsatz von den Vorlesenden, um die Aufmerksamkeit der Kinder aufrechtzuerhalten, so Barth. Wie fesselndes Vorlesen trotzdem gelingen kann, demonstrierte er den Kursteilnehmern mittels einer exemplarischen Kostprobe, die selbst Studierende zurück in ihre Kindheitstage katapultierte und ihnen das Staunen auf die Gesichter zauberte.

    „Nächstes Jahr werden wir vielleicht auch das Marienhospital Witten als Kooperationspartner hinzugewinnen“, hofft Katharina Hussung. So könnten mehr Kindern und Studierende von dem gemeinnützigen Kurs profitieren. Mit einem Erfolg unter Studierenden ist auch nächstes Semester wieder zu rechnen. Der Kurs gilt als sehr beliebt und Teilnehmerplätze mussten die letzten beiden Male unter den zahlreichen Interessenten ausgelost werden.

    Über das Studium fundamentale:
    Das Studium fundamentale (Stufu) ist verbindendes Element und roter Faden der Universität Witten/Herdecke. Für das Stufu räumt jede Fakultät ihren Studierenden zehn Prozent Studienfreiraum ein. Jeden Donnerstag treffen sich Studierende aus den Fakultäten für Gesundheit, Wirtschaftswissenschaft und Kulturreflexion in den Seminaren, um zu diskutieren und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Neben dem regulären Fachstudium haben sie hier die Chance, andere Interessen zu verfolgen oder ihr Fachwissen in neue Kontexte zu stellen. Das Stufu macht den Studierenden dabei ein Angebot von bis zu 100 Lehrveranstaltungen pro Semester, das den Blick über den eigenen Studiengang hinaus öffnet und weitet.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Thomas Pijanowski, thomas.pijanowski@uni-wh.de

    Über uns:
    Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.400 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

    Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

    www.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Pädagogik / Bildung, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Studium und Lehre
    Deutsch


    Rolf Barth und Prof. Dr. Thomas Pijanowski (v.l., vorne) mit Studierenden des Kurses


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