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05.09.2017 17:16

Rettet die internationale Germanistik Europa?

Kathrin Fischer Präsidium
Europa-Universität Flensburg

    Diesjährige Tagung der internationalen Gesellschaft für interkulturelle Germanistik (GiG) beschäftigt sich mit „Europa im Übergang“.

    Die diesjährige Tagung der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik (GiG) findet vom 9. bis 15. September 2017 an der Europa-Universität Flensburg statt. Unter der Überschrift „Europa im Übergang“ diskutieren 180 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünfzig Ländern in vier Kontinenten die vielschichtigen Transformationsprozesse in Europa vom Mittelalter bis zur Gegenwart, einschließlich der gegenwärtigen Krise.

    „Viele Probleme, vor denen Europa heute steht, lassen sich historisch zurückverfolgen, und schon früh wurden sie in der Europäischen Literaturgeschichte erkannt und reflektiert“, sagt Iulia Patrut, Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Europa-Universität Flensburg. „So hat Heinrich von Kleist hat 1811 mit der „Verlobung in St. Domingo“ eine Novelle geschrieben, die davor warnt, sich von Rassenstereotypen leiten zu lassen. Denn das Unglück geschieht dort, weil ein weißer Mann seiner dunkelhäutigen Geliebten misstraut“.

    Angesichts der jüngeren Abspaltungstendenzen im europäischen Staatenverbund, von Finanzkrise und Flüchtlingsproblematik, wird über Europa gegenwärtig intensiv nachgedacht. Es sind Konzepte gefragt, mit denen sich die vielfältigen politischen und sozialen Konsequenzen vereinbaren lassen, die aus dem Widerspruch zwischen einer globalisierten Wirtschaft einerseits und den vielfach nationalstaatlich und regional geprägten Lebens- und Arbeitswelten andererseits hervorgehen.

    Die Tagung „Europa im Übergang“ ist diesen Fragen gewidmet und wird sich mit Migration und Mehrsprachigkeit, Übergängen, Grenzräumen und Transferprozessen sowie mit dem Verhältnis zwischen verschiedenen Identitätskonzepten und Weltentwürfen befassen.

    „Aus Indien, Afrika, Südamerika und Europa werden etablierte und Nachwuchsforscher Fragen rund um interkulturelle Prozesse in der Literatur diskutieren“, erklärt Iulia Patrut.
    „Germanistik ist keine Nationalphilologie mehr. Stattdessen geht es um die kritische Analyse von kolonialen und imperialen Machtasymmetrien und um die vielfältigen literarischen Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen Europas und der ganzen Welt seit der Frühen Neuzeit“, erläutert Matthias Bauer, Professor für Literatur- und Medienwissenschaften an der Europa-Universität Flensburg, der gemeinsam mit Iulia Patrut die diesjährige GiG-Tagung organisiert.

    In Flensburg werden international renommierte Forscherinnen und Forscher erwartet, wie etwa der mit neun Ehrendoktorwürden versehene Hans Ulrich Gumbrecht, der unter anderem in Stanford lehrt, oder der aus Neu Delhi stammende Anil Bhatti, der mit seinen vergleichenden kulturwissenschaftlichen Studien zwischen Europa (Deutschland, Österreich) und Indien berühmt wurde.

    Wie können deren Debatten zur Rettung Europas beitragen?

    Die Zeit ist reif, sich dem zuzuwenden, was allzu oft vergessen oder gar verleugnet wird: Europa ist eine literarische, an Bildung und Dialog, Verständnis und Solidarität gebundene Idee, deren Verwirklichung nicht allein davon abhängt, dass man die Kräfte des freien Marktes entfesselt und ihnen alles Weitere überlässt“, sagt Iulia Patrut. „Wenn eines aus der Literatur- und Kulturgeschichte Europas klar wird, dann ist es dies: 'Rettung' kann es nur durch kritische Selbstreflexion und achtsame Auseinandersetzung mit dem Gegenüber geben. Beides gehört lange schon in die Domäne der Literatur, die schon transeuropäische und kolonialismuskritische Züge hatte, als es noch starre politische und religiöse Grenzen gab.“


    Weitere Informationen:

    http://www.litwiss-fl.de/gig-kongress-2017/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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