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13.09.2017 17:10

Harry Potter im Fokus der Psychoanalyse – 68. Jahrestagung der DGPT in Weimar

Dr. Felix Hoffmann Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e. V.

    Am Freitag beginnt in Weimar die 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. (DGPT) – der größte Psychoanalytiker-Kongress in Deutschland. Ein Thema wird die Harry-Potter-Serie sein: Der Psychoanalytiker Leopold Morbitzer erforscht anhand der Romanreihe den Laios-Komplex, das unbekannte Gegenstück zum Ödipus-Komplex. Im Mittelpunkt steht dabei der böse Magier Lord Voldemort.

    Lord Voldemort – der Bösewicht aus der berühmten Harry-Potter-Serie – landet auf der Couch eines Psychoanalytikers: Im Rahmen der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. (DGPT) wird sich der Tübinger Psychoanalytiker Leopold Morbitzer mit dem „Laios-Komplex“ befassen – dem weitgehend unbekannten Gegenstück zum legendären „Ödipus-Komplex“. Die Tagung der DGPT findet dieses Jahr vom 15. bis 17. September in Weimar statt und steht unter dem Motto „Rebellion gegen die Endlichkeit“.

    Laios wird im griechischen Mythos von seinem Sohn Ödipus unwissentlich getötet, der daraufhin seine eigene Mutter heiratet. Beim Laios-Komplex steht – im Gegensatz zur klassischen Sicht des Ödipus – die Perspektive der Eltern bzw. der älteren Generation im Fokus: „Der Laios-Komplex beschreibt die Ambivalenz, unsere Nachkommen einerseits lieben und versorgen zu wollen. Andererseits stellen die Kinder eine unbewusste Bedrohung dar, weil sie den Eltern die eigene Vergänglichkeit spiegeln“, erläutert Morbitzer, der an der Humboldt-Universität Berlin über den Laios-Komplex promoviert. In Laios bzw. der Figur des Schwarzmagiers Lord Voldemort in der Harry-Potter-Geschichte sei die „böse Seite“ dieser Ambivalenz abgespalten.

    Morbitzer zeigt dabei frappierende Parallelen auf: „Wie König Laios im Ödipus-Mythos erfährt auch der mächtige Lord Voldemort von einer Prophezeiung, wonach es sein Schicksal sei, durch ein Kind zu sterben“, berichtet der Psychoanalytiker. „Diese Prophezeiung bringt die Lebenstatsache zum Ausdruck, dass jede Generation von der nachfolgenden verdrängt und ersetzt wird.“ Doch Lord Voldemort (frz. vol de mort = Raub des Todes) rebelliert gegen seine Endlichkeit – mit dem Ziel, den Tod zu besiegen und unsterblich zu sein. Wie König Laios seinen Sohn Ödipus als Säugling töten will, versucht deshalb auch Lord Voldemort Harry Potter zu töten, als dieser 15 Monate alt ist. „Ein unzulänglicher, narzisstischer Lösungsversuch – mit dem Preis eines Bruchs zwischen den Generationen“, so Morbitzer: Laios wie auch Lord Voldemort werden jeweils von dem erwachsen gewordenen Kind (Ödipus bzw. Harry Potter) umgebracht. Morbitzer weist darauf hin, dass dieser Generationenkonflikt nicht destruktiv zu werden braucht: Anhand der Beziehung zwischen Harry Potter und seinem Schulleiter Albus Dumbledore wird deutlich, wie die Abfolge der Generationen seine progressive Kraft entfalten kann.

    Die Jahrestagung der DGPT ist der größte Psychoanalytiker-Kongress in Deutschland, etwa 750 Teilnehmer werden erwartet. Das Thema „Rebellion gegen die Endlichkeit“ bietet eine Anregung, sich mit alten und neuen Konzeptualisierungen der Psychoanalyse zu befassen. In ihren Vorträgen setzen sich namhafte Psychoanalytiker mit dem Thema Altern und Vergänglichkeit auseinander und suchen dabei die Verbindung zu Nachbardisziplinen wie Kultur-, Geistes-, Sozial-, Musik- und Neurowissenschaften, zu Medizin und Kunst. Neben der Interpretation der Harry-Potter-Geschichte geht es zum Beispiel um Drehbuchtheorie, Schönheitsmedizin, Burnout, den Künstler Alberto Giacometti und den Komponisten Franz Schubert. Behandlungsfehler, Psychodynamik in der analytischen Kinder- und Jugendpsychotherapie sowie Psychoanalyse am Lebensende sind weitere Themen.

    „Laios und Lord Voldemort“ – Vortrag von Leopold Morbitzer am Samstag, 16. September 2017 um 14.30 Uhr in der Weimarhalle, Seminargebäude, Raum 1

    Das gesamte Programm auf www.jahrestagung2017.dgpt.de


    Weitere Informationen:

    http://www.jahrestagung2017.dgpt.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Kulturwissenschaften, Psychologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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