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04.09.2003 10:11

Bürger kritisieren Umgang mit medizinischen Fehlern

Dr. Olaf Kaltenborn Kommunikation und Marketing
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

    Untersuchung der Universität Witten/Herdecke nennt Überarbeitung und unzureichende Kommunikation als Ursachen

    Fehler geschehen überall. Wenn sie in Kliniken und Arztpraxen passieren, werden sie oft abgestritten oder gar verschleiert. Das ergibt eine aktuelle Befragung der Universität Witten/Herdecke (UWH) unter 1017 Bürgern über die Befragungsplattform 'GesundheitsPanel.de': Danach geben 30 % der Befragten an, in den letzten zwei Jahren Opfer eines medizinischen Fehlers geworden zu sein. 75% der Deutschen kritisieren, dass keine ausreichenden Anstrengungen unternommen würden, medizinische Fehler konsequent zu vermeiden. 16% der Befragten belasten "häufig" Befürchtungen, dass es in ihrer Behandlung zu Fehlern kommen könnte, weitere 60% der Befragten "gelegentlich" z.B. in einer konkreten Behandlungssituation.

    Befragte, die bereits selber einmal einen medizinischen Fehler am eigenen Leib erfahren haben, berichten überwiegend, sie fühlten sich in dieser Situation weder gut informiert noch richtig ernstgenommen. Stattdessen machen viele Bundesbürger die Erfahrung, dass erhebliche Anstrengungen unternommen würden, Fehler zu verschleiern und Verantwortung abzustreiten. Über die Hälfte der Befragten vermutet, dass das Risiko für medizinische Fehler in den letzten zehn Jahren gestiegen ist. In dieser Einschätzung unterscheiden sich übrigens Bürger und Mitarbeiter im Gesundheitssystem nicht. Als Hauptursachen für Fehler werden Überarbeitung, unzureichende Kommunikation mit PatientInnen und mangelnde Teamarbeit angenommen. Hervorzuheben ist die geringe Tendenz, Fehler ursächlich der Unachtsamkeit oder Sorglosigkeit der MitarbeiterInnen zuzuschreiben.

    Untersuchungsleiter Dr. David Schwappach, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Gesundheitspolitik (Prof. Dr. Dr. Christian Köck) der UWH, spricht nach Auswertung der Ergebnisse von einem "dramatischen Bild, das uns überrascht hat." Ausdrücklich betont er, es sei explizit nicht Ziel der Studie gewesen, "Stimmung zu machen. Unser Ziel war es herauszubekommen, wie BürgerInnen medizinische Fehler beurteilen und welches Verhalten von MitarbeiterInnen erwartet wird, wenn es zu einem Fehler gekommen ist." Laut Schwappach zeigen die Bürger "großes Verständnis für die Arbeitsbelastungen, denen Mitarbeiter, besonders Assistenten in den Kliniken, ausgesetzt sind. Aber sie erwarten auch, dass Fehler und mögliche Folgen ehrlich offengelegt werden und mit dem betroffenen Patienten zugewandt umgegangen wird. Ein Ausdruck des Bedauerns hat hier eine sehr große Bedeutung." Bleibe dieses Bedauern aus, drohe eine zweite Traumatisierung der Patienten, so Dr. Schwappach.

    In der Studie wurde auch erforscht, unter welchen Bedingungen die Befragten nach einem Fehler den beteiligten Arzt wechseln, den Fehler melden oder Sanktionen fordern würden. Sehr deutlich ist, dass das Verhalten und die Kommunikation des Arztes nach dem Fehler ausschlaggebend ist. Viele Befragte bewerten eine ehrliche Offenlegung des Fehlers als vertrauensbildend und sind dann bereit, die Beziehung zum Arzt zu festigen und auf Konsequenzen zu verzichten. Dr. Schwappach fordert: "Ärzte und medizinisches Personal sollten Patienten ernstnehmen mit ihren Erfahrung und für einen respektvollen Ausgleich bei Fehlern sorgen. Gleichzeitig muss innerhalb des deutschen Gesundheitssystems endlich dafür gesorgt werden, dass Mitarbeiter vor Überlastung geschützt und bei der Vermeidung von Fehlern unterstützt werden!" Bereitschaftsdienste in Krankenhäusern müssten endlich als reguläre Arbeitszeit anerkannt werden.

    Kontakt: Dr. David Schwappach (Lehrstuhl für Gesundheitspolitik), Tel.: 02302/926-702, Mail: davids@uni-wh.de, Internet: www.gesundheitspanel.de


    Weitere Informationen:

    http://www.gesundheitspanel.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     


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