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27.11.2017 10:46

TU Berlin: Räumliche Analyse des gegenwärtigen Wandels oder in welcher Gesellschaft leben wir heute

Stefanie Terp Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
Technische Universität Berlin

    Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den neuen Sonderforschungsbereich „Re-Figuration von Räumen“ in den Gebieten Soziologie, Architektur und Städteplanung

    Der Sonderforschungsbereich „Re-Figuration von Räumen“ (Sfb 1265) gehört zu den 15 neuen Sonderforschungsbereichen, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten vier Jahren finanzieren wird. Die TU Berlin ist Sprecherhochschule. Geleitet wird der Sfb von Prof. Dr. Martina Löw, Fachgebiet Planungs- und Architektursoziologie, und Prof. Dr. Hubert Knoblauch, Fachgebiet Allgemeine Soziologie. Beide forschen und lehren am Institut für Soziologie, Fakultät VI „Planen Bauen Umwelt“, der TU Berlin.

    Videomaterial: Prof. Dr. Martina Löw über das neue Vorhaben:
    Youtube-Link: https://youtu.be/a-3ce9vXYZI

    Was will der Sonderforschungsbereich untersuchen?
    Gegenwärtige soziale, politische und technologische Veränderungen sowie die damit verbundenen Verunsicherungen und Konflikte weltweit verweisen auf ein grundlegendes Problem: Hier wird das Verhältnis von Menschen zu ihren Räumen neu verhandelt, verändert und umgestellt. Dabei handelt es sich um spannungs- und konfliktreiche Prozesse, deren gemeinsame Züge mit dem Begriff der Re-Figuration des Raumes gefasst werden können. Re-Figuration findet ihren Ausdruck in sich neu bildenden Raumordnungen wie auch in den Kämpfen für den Erhalt tradierter Raumnutzungen. Deshalb bietet die Analyse neuer Raumstrukturen und neuen Raumwissens, die der Sfb interdisziplinär vornimmt, eine integrative Perspektive für die Analyse des gegenwärtigen Wandels der sozialen Ordnung. „Das klassische Modell einer sich weltweit durchsetzenden Moderne mit ihren zentralistischen Nationalstaaten, Grenzen und Volkswirtschaften steht in einer spannungshaften Beziehung zur post- oder spätmodernen Transnationalisierung mit ihrer Entgrenzung, ihrem Polyzentrismus und globalisierenden Ausweitung. Aus dieser Spannung, so unsere These, resultiert die Re-Figuration“, erklärt Prof. Dr. Martina Löw.

    Forschungsfragen
    Es gilt als gesicherte Erkenntnis, dass sich die Organisation des Sozialen durch Räume in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert hat. Es muss aber gefragt werden: Welche neuen Raumformen bringen diese Veränderungen hervor? Wie werden verschiedene Räume individuell und kollektiv zueinander ins Verhältnis gebracht, und welche stehen sich konflikthaft in verschiedenen sozialen Gruppen entgegen?

    Welche Probleme bilden den Ausgangspunkt für die Forschungen des Sfb?
    Derzeit vollziehen sich gravierende gesellschaftliche Veränderungen. Hierzu zählen die unter dem Stichwort der Globalisierung diskutierten weltweit gestiegenen Abhängigkeiten und Vernetzungen (gestiegene Mobilität, Menschen auf der Flucht, die Zirkulation von Waren, Verfahren und Technologien, international koordinierte Kontrollstrategien) sowie deren Gegenbewegungen (zum Beispiel der Brexit, die Kündigung von Freihandelsabkommen durch die Trump-Regierung, aber auch die „Esst nur noch lokal angebaute Produkte“-Bewegung). Umbrüche in der globalen politischen Geografie artikulieren sich in neuen Deutungskämpfen um Räume, wie etwa die Auseinandersetzungen in Charlottesville zeigten, und in Debatten, ob Nationalstaaten möglichst offene oder geschlossene Grenzen haben sollten, in Imaginationen von Sicherheit und Unsicherheit oder in Schließungsprozessen, wie etwa wieder vermehrt zu beobachtende Grenzmauerbauten.

    Wenn von Veränderungen gesprochen wird, richtet sich der Blick auch unweigerlich auf die mediale Revolution, die alle Bereiche des Alltags und des Berufslebens durchziehende Anwendung digitaler Kommunikationstechnologien. Man denke nur an die radikale Veränderung des Raumwissens von Kindern und Jugendlichen, die Raum nicht länger als Territorium wahrnehmen. Eine Veränderung, die sowohl für den steigenden Vandalismus und für größere Begeisterung für extremistische Bewegungen verantwortlich gemacht wird, als auch für eine neue Wiederbelebung der Innenstädte, da sich die Jugendlichen (und nicht nur sie) nun mit mobilen statt mit fixierten Endgeräten durch die Stadt bewegen.

    Ziel der Forschungen
    Ziel ist es über die Raumanalyse zum besseren Verständnis der Konflikte und Verunsicherungen beizutragen, die Gesellschaften derzeit erschüttern und – durch die erstmalige Einbeziehung von Architektur und Planung in einen Sfb – auch alternative Gestaltungen öffentlicher Räume zu entwickeln.

    Warum dieser Sfb in Berlin?
    Durch das Zusammentreffen von Forschungen zur Raumtheorie mit Forschungen zum kommunikativen Konstruktivismus, eine intensive Kooperation zwischen Architektur, Planung und Sozialwissenschaft sowie eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Geografie und Raumsoziologie bestehen in Berlin einmalige Konstellationen. Sie versprechen erstens die Entwicklung innovativer raumwissenschaftlicher Methoden und zweitens eine durch den Sfb ermöglichte Entwicklung einer transdisziplinären Raumforschung.

    Ausblick
    „In den letzten Jahrzehnten haben wir uns daran gewöhnt, die Kategorie der Zeit nicht mehr in einer Entwicklungslogik zu denken. Wir sprechen nicht mehr von Entwicklungsländern, sondern vom globalen Süden. Wir wissen, dass ein Leben nicht so linear verläuft, wie viele das zunächst gedacht hatten. Mit diesem Sfb können wir dazu beitragen, nun auch Raum nicht länger vereinfachend auf ein herumlungerndes, starres, zu eroberndes und zu schützendes homogenes Gebilde zu verengen, sondern als komplexe Konstitutionsleistung zu begreifen“, sagt Prof. Dr. Martina Löw. Unter dem Dach der Re-Figurationskonzeption können die Raumanalysen eine Antwort auf die Frage ermöglichen: In welcher Gesellschaft leben wir heute?

    Partner im Sfb sind neben den Fachgebieten von Prof. Dr. Martina Löw und Prof. Dr. Hubert Knobloch sieben weitere TU-Fachgebiete in den Gebieten Architektur/Städtebau, Stadt- und Regionalplanung und Kunst sowie die HU Berlin, die FU Berlin, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und das Leibniz-Institut für raumbezogene Sozialforschung (IRS) Erkner.

    Fotomaterial zum Download
    www.tu-berlin.de/?id=190980

    Videomaterial zum Einbetten:
    Youtube-Link: https://youtu.be/a-3ce9vXYZI

    Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
    Prof. Dr. Martina Löw
    TU Berlin
    Fachgebiet Planungs- und Architektursoziologie
    Tel.: 030 314-25433, Sekr.: -22811
    E-Mail: martina.loew@tu-berlin.de

    Prof. Dr. Hubert Knoblauch
    TU Berlin
    Fachgebiet Allgemeine Soziologie
    Tel.: 030 314-22167
    E-Mail: hubert.knoblauch@tu-berlin.de


    Weitere Informationen:

    http://www.tu-berlin.de/?id=190980


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Bauwesen / Architektur, Gesellschaft
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


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