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01.12.2017 13:43

VDE ehrt Wissenschaftler in der Informationstechnik

Melanie Unseld Kommunikation + Public Affairs
VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

    Im Rahmen des VDE-Hauptstadtforums verlieh die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (VDE|ITG) diese Woche mehrere Preise für hervorragende wissenschaftliche Publikationen in der Informationstechnik. Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Kays, Mitglied im VDE-Präsidium und Vorsitzender der Informationstechnischen Gesellschaft im VDE, zeichnete die Preisträger aus.

    ITG-Fellow 2017:
    Die VDE|ITG verleiht den ITG-Fellow für hervorragende wissenschaftliche oder technische Leistungen auf dem Gebiet der Informationstechnik, die grundlegende Erkenntnisse in wissenschaftlicher oder technischer Hinsicht wesentlich gefördert haben.

    Prof. Dr.-Ing. habil. Johannes Huber, Universität Erlangen-Nürnberg, Technische Fakultät
    Lehrstuhl für Informationsübertragung:
    Johannes Huber war von 1991 bis 2017 Inhaber des Lehrstuhls für Informationsübertragung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Von 2007 bis 2009 leitete er als Dekan die Technische Fakultät dieser Universität. Seit April 2017 ist er Prof. emeritus am Lehrstuhl für digitale Übertragung. In der Forschung ist Johannes Huber auf den Gebieten digitale Übertragung, Informations- und Codierungstheorie, codierte Modulation, Entzerrungs- und Detektionsverfahren, MIMO-Übertragungsverfahren, DSL etc. aktiv. Die Lehre und die Förderung des akademischen Nachwuchses haben für Johannes Huber hohe Bedeutung.

    Prof. Dr. rer. nat. Gerhard M. Sessler, TU Darmstadt, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik, Institut für Nachrichtentechnik:
    Nach seiner Promotion im Jahre 1959 wechselte Gerhard Sessler zu den Bell Laboratories in den USA. Dort war er auf dem Gebiet der Elektroakustik tätig und entwickelte gemeinsam mit Dr. James West im Jahre 1962 das Elektret-Mikrofon, bis heute eines der weltweit verbreitetsten Mikrofontypen. 1975 wurde Sessler an die TU Darmstadt auf die Professur für Elektroakustik berufen. Sessler und seine Mitarbeiter entwickelten dort in den 1980er Jahren das erste Silizium-Kondensator-Mikrofon, eine höchst innovative Technologie, die die Produktion von tausenden von Kleinst-Mikrofonen auf einer einzigen Silizium-Scheibe ermöglicht. Damit war nicht nur eine weitere Miniaturisierung im Vergleich zum Elektret-Mikrofon möglich, sondern es konnten auch andere Eigenschaften, wie die Temperaturbeständigkeit oder die Unempfindlichkeit gegenüber Erschütterungen verbessert werden. Die auch als MEMS-Mikrofone (für MicroElectroMechanical Systems) bezeichneten Silizium-Mikrofone werden vor allem in Smartphones eingesetzt. Seit einigen Jahren arbeitet Gerhard Sessler auf dem Gebiet der Ferroelektrete, einer neuen Art von piezoelektrischen Funktionsmaterialien auf polymerer Basis.

    Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz, TU Darmstadt, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik, Lehrstuhl Multimedia Kommunikation:
    Ralf Steinmetz war lange Jahre in der industriellen Forschung und dort in der Entwicklung von verteilten Multimediasystemen und -anwendungen tätig, leitete das Fachgebiet Multimedia Kommunikation an der TU Darmstadt. Von 1997 bis 2001 war er Direktor des Fraunhofer (zuvor GMD) Instituts für Integrierte Publikations- und Informationssysteme IPSI in Darmstadt. 1999 gründete er das Hessische Telemedia Technologie Kompetenz-Center httc e.V. Bis 2014 hat er als Mitglied des Technologiebeirats und Beauftragter für Informations- und Kommunikationstechnologie des Landes Hessen maßgeblich zur Technologieförderung des Landes Hessen beigetragen.

    ITG-Preis 2017:
    Literaturpreis, der jährlich an Mitglieder der VDE|ITG für herausragende wissenschaftliche Veröffentlichungen der Informationstechnik vergeben wird. Die Ausschreibung richtet sich insbesondere an den wissenschaftlichen Nachwuchs.

    PD Dr.-Ing. habil. Alexander Kölpin, Fabian Lurz, Sarah Linz, Sebastian Mann, Christoph Will, Stefan Lindner: „Six-Port Based Interferometry for Precise Radar
    and Sensing Applications“:
    Mikrowellentechnologie spielt bei modernen industriellen Sensoren eine immer wichtigere Rolle. Ein altes Messprinzip, das im Laufe der Jahre fast vergessen wurde, hat in Wissenschaft und Anwendung wieder mehr Aufmerksamkeit erlangt: das Sechstor-Interferometer. Die Veröffentlichung stellt das Grundkonzept vor, diskutiert vielversprechende Anwendungen für berührungslose sowie kontaktbasierte Sechstor-Sensorik und vergleicht das System mit dem Stand der heutigen industriellen Messtechnik.

    Dipl.-Ing. Simon Receveur: „Turbo Automatic Speech Recognition“:
    Ob Siri oder Amazon Echo – die automatische Spracherkennung hält Einzug in unser Leben. Um mögliche Wege für robustere und ggfs. verteilte Spracherkennungssysteme zu erschließen, beschäftigt sich der Journal-Beitrag „Turbo Automatic Speech Recognition“ mit einem neuartigen Verfahren zur iterativen optimalen Informationsfusion. Eine Fusion ist immer dann nötig und gewinnbringend, wenn man unterschiedliche Informationsquellen statistisch optimal kombinieren möchte. Dies kann die Verknüpfung von Audio (Spracherkennung) und Video (Lippenlesen) sein, aber auch die Verknüpfung zweier gleichartiger Sensoren (zwei Mikrofone oder beim Menschen das rechte und das linke Ohr).

    Dr.-Ing. Georg Rademacher: „Nonlinear Gaussian Noise Model for Multimode Fibers With Space-Division Multiplexing“:
    Faseroptische Langstrecken-Übertragungssysteme bilden das Rückgrat der weltweiten Kommunikationsinfrastruktur, wobei verschiedene Studien zeigen, dass die vorhandene Glasfaserinfrastruktur der exponentiellen Steigerung der Datenmengen nicht länger gewachsen ist. Seit einiger Zeit wird das räumliche Multiplexverfahren zur Erweiterung der Faserkapazität erforscht. Dazu werden Glasfasern untersucht, die mehrere räumlich-parallele Ausbreitungspfade ermöglichen, wie z.B. Vielmoden-Fasern, die auf Grund ihrer Geometrie mehrere Moden unterstützen, über die unterschiedliche Datensignale übertragen werden können. Genauso wie in herkömmlichen Langstrecken-Glasfasern treten in Vielmoden-Fasern nichtlineare Übertragungseffekte auf, die den Datendurchsatz fundamental limitieren. Durch die parallelen räumlichen Ausbreitungspfade verhalten sich nichtlineare Übertragungseffekte in Vielmoden-Fasern aber grundlegend anders als in herkömmlichen Glasfasern. Die Publikation stellt ein analytisches Modell zur Abschätzung dieser nichtlinearen Störungen in Vielmoden-Fasern vor.

    Dissertationspreis 2017:
    Mit dem Dissertationspreis zeichnet die VDE|ITG herausragende Dissertationen aus dem Bereich der Informationstechnik aus. Besonderer Wert wird bei der Beurteilung der Arbeiten auf Originalität, die theoretische und praktische Behandlung des Themas, die Darstellungsweise und Form sowie die Bedeutung der Arbeit gelegt.

    Dr.-Ing. Johannes Nehring: „Highly Integrated Microwave Vector Network Analysis Circuits and Systems for Instrumentation and Sensing Applications“:
    Die Dissertation von Dr. Nehring befasst sich mit dem Thema der integrierten vektoriellen Netzwerkanalyse (VNA). Das Messverfahren der vektoriellen Netzwerkanalyse ermöglichte nicht nur in der Vergangenheit bedeutende technologische Fortschritte in der Hochfrequenztechnik, sondern wird auch zukünftig aufgrund seines hohen Potenzials in messtechnischen und biomedizinischen Applikationen von zentraler Bedeutung sein.

    Dr. Michelangelo Villano: „Staggered Synthetic Aperture Radar“:
    Dr. Villano befasst sich in seiner Dissertation „Staggered Synthetic Apertur Radar“ mit dem innovativen Konzept des „staggered“ oder übersetzt „gestaffelten“ SAR-Systems und der dazugehörigen Signalverarbeitung. Mit der von ihm beschriebenen neuen Technik lassen sich künftig satellitengetragene SAR-Systeme mit sehr hoher Auflösung und Streifenbreite konzipieren.

    Dr.-Ing. Michael Fauß: “Design and Analysis of Optimal and Minimax Robust Sequential Hypothesis Test“:
    Ein klassisches Problem in der Signalverarbeitung ist es, von verrauschten Beobachtungen auf den Zustand des beobachteten Systems zu schließen: Ist ein Sender aktiv oder nicht? Sind die Vibrationen einer Maschine im normalen Bereich oder liegt ein Defekt vor? Derartige Fragen werden in der statistischen Signalverarbeitung mittels Hypothesentests beantwortet. Diese sollen einerseits zuverlässig sein und andererseits effizient, um mit so wenig Messungen wie möglich auszukommen. Um beiden Anforderungen zu entsprechen, führt die Arbeit zwei Teilbereiche der Statistik zusammen: die robuste und die sequentielle Statistik.

    Dr. Valeria Gracheva: „Multichannel Analysis of Medium Grazing Angle Sea Clutter for Airborne Microwave Radar Systems“:
    Um ein geeignetes Verfahren zur Detektion von kleinen Booten mit flugzeuggetragenen Radarsystemen zu finden, wurden in dieser Arbeit mehrerer Experimente über der Nordsee mit dem mehrkanaligen Radarsystem PAMIR und einem kleinen kooperativen Boot durchgeführt. Die Analyse der aufgenommenen Daten demonstriert, dass mit dem sogenannten space-time adaptive processing (STAP) eine deutlich bessere Detektionsfähigkeit erreicht werden kann als mit traditionellen Signalverarbeitungsmethoden.

    Über den VDE und die VDE|ITG:
    Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik ist mit 36.000 Mitgliedern (davon 1.300 Unternehmen) und 1.600 Mitarbeitern einer der großen technisch-wissenschaftlichen Verbände Europas. Der VDE vereint Wissenschaft, Normung und Produktprüfung unter einem Dach. Die Themenschwerpunkte des Verbandes reichen von der Energiewende über Industrie 4.0, Smart Traffic und Smart Living bis hin zur IT-Sicherheit. Der VDE setzt sich insbesondere für die Forschungs- und Nachwuchsförderung sowie den Verbraucherschutz ein. Das VDE-Zeichen, das 67 Prozent der Bundesbürger kennen, gilt als Synonym für höchste Sicherheitsstandards. Hauptsitz des VDE ist Frankfurt am Main.
    www.vde.com

    Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (VDE|ITG) engagiert sich mit rund 10.000 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik für die Förderung der Informationstechnik, ihrer Anwendungen und für den technisch-wissenschaftlichen Nachwuchs. Mehr Infos unter www.vde.com/itg

    Pressekontakt: Melanie Unseld, Telefon: 069 6308-461, melanie.unseld@vde.com


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Informationstechnik
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Die Preisträger 2017


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