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07.12.2017 13:20

Der Reiz von Verschwörungstheorien und Fake News

Patricia Achter Dezernat Kommunikation
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

    Bamberger Psychologen forschen zu Wahrnehmungsprozessen

    Nahezu 40 Prozent der Amerikaner halten den Klimawandel für eine Lüge. In Deutschland negieren Reichsbürger das Bestehen der Bundesrepublik. Alternative Fakten und Fake News haben Hochkonjunktur. Aber das Phänomen ist nicht neu, der Glaube an Verschwörungstheorien ist alt und vielfältig – das Attentat auf John F. Kennedy, die Mondlandung 1969 und der Terrorakt 9/11 sind nur die bekanntesten in einer schier unüberschaubaren Menge an Verschwörungs-Themen. Gerade aber wegen ihrer Aktualität werden Verschwörungstheorien in der Wissenschaft wieder untersucht. Auch an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wird an diesem Thema geforscht.

    Dr. Marius Raab, wissenschaftlicher Mitarbeiter, und Prof. Dr. Claus-Christian Carbon, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre, untersuchen Prozesse der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, die beim Umgang mit Verschwörungstheorien und Fake News ablaufen. „Unsere Fragestellung lautet: Wie gehen Menschen mit Informationen um und welche Informationen fließen in ihre weiteren Überlegungen ein?“, erklärt Carbon. „Dazu bedienen wir uns der Methode der Narrativen Konstruktion.“ Die Testpersonen erhalten Informationskärtchen zu einem bestimmten Ereignis, mit denen sie dann eine Geschichte konstruieren, die ihnen am plausibelsten erscheint.

    „Bei einer Studie mit 30 Teilnehmern boten wir unseren Versuchspersonen Informationskärtchen mit Aussagen zum Terroranschlag 9/11 an. Die Aussagen auf den Karten reichten von offiziellen Meldungen seriöser Nachrichtensender bis hin zu abstrusen Behauptungen aus dem Netz, also von einem Anschlag der Terrororganisation al-Qaida bis hin zu der Annahme, dass die amerikanische Regierung den Anschlag selbst konstruiert hat“, schildert Raab. Wenn die Wissenschaftler im nächsten Versuch die Angaben auf den Kärtchen ändern, können sie beobachten, ob und warum sich die Geschichten der Versuchspersonen verändern. Ein Befund war: Verschwörungstheorien sind kein Nischenphänomen. In dieser Studie war die Konstruktion einer Erklärung, die die offizielle 9/11-Sichtweise der amerikanischen Regierung in Frage stellt oder sogar ablehnt, deutlich in der Mehrheit.

    Aus den wahrnehmungspsychologischen Forschungen ergibt sich für die Wissenschaftler auch die Frage nach der gesellschaftspolitischen Bedeutung von Verschwörungstheorien. „Sie können harmlos sein, eine Speerspitze für gesellschaftliche Veränderungen oder brandgefährlich – der Inhalt entscheidet“, so Raab. Als Instrument, mit dem Politik und Institutionen hinterfragt und Diskussionen angeregt werden, könne eine Verschwörungstheorie die Gesellschaft jedoch auch bereichern, betont er.

    Ein ausführliches Interview mit Claus-Christian Carbon und Marius Raab zum Thema Verschwörungstheorien und Fake News finden Sie unter:
    www.uni-bamberg.de/news/artikel/verschwoerungstheorien-raab-carbon
    Näheres zum Forschungsprojekt finden Sie unter „Aktuelle Themen“ auf den Seiten des Lehrstuhls: www.uni-bamberg.de/allgpsych

    Weiterführende Informationen für Medienvertreterinnen und -vertreter:

    Kontakt für inhaltliche Rückfragen:
    Dr. Marius Raab
    Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie
    Tel. 0951/863-1859
    marius.raab@uni-bamberg.de

    Medienkontakt:
    Tanja Eisenach
    Pressereferentin/Leitung Pressestelle
    Tel. 0951/863-1023
    presse@uni-bamberg.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-bamberg.de/news/artikel/verschwoerungstheorien-raab-carbon
    http://www.uni-bamberg.de/allgpsych


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Die Psychologen Marius Raab (li.) und Claus-Christian Carbon untersuchen, warum und unter welchen Bedingungen Menschen an Verschwörungstheorien glauben.


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