Forschungsstelle Konsumkultur der Uni Hildesheim: Geschichte, Theorie und Ästhetik des Konsums

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21.12.2017 14:34

Forschungsstelle Konsumkultur der Uni Hildesheim: Geschichte, Theorie und Ästhetik des Konsums

Isa Lange Pressestelle
Stiftung Universität Hildesheim

    Kulturwissenschaftler untersuchen all das, was wir täglich kaufen und verbrauchen. Die neue Forschungsstelle Konsumkultur auf dem Hildesheimer Kulturcampus ist einzigartig in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft. Professor Dr. Stefan Krankenhagen und Dr. Dirk Hohnsträter betrachten den Konsum als Gegenstand kulturwissenschaftlicher Analyse. „Wir sehen den Konsum als kulturelle Ausdrucksform und analysieren seine Ästhetik und Geschichte. Dazu beschäftigen wir uns in der neuen Forschungsstelle mit all den Waren und Dienstleistungen, die wir täglich kaufen und verbrauchen – vom Alltagsgegenstand bis zum Statussymbol“, so Stefan Krankenhagen.

    Warum ist der moderne Konsum eine solche Erfolgsgeschichte, wenn er doch seit seinen Anfängen auf breite weltanschauliche Ablehnung stieß? Auf dem Kulturcampus der Universität in Hildesheim betrachten Professor Dr. Stefan Krankenhagen und Dr. Dirk Hohnsträter den Konsum als Gegenstand kulturwissenschaftlicher Analyse. Die neue Forschungsstelle Konsumkultur ist einzigartig in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft.

    Konsum wird oftmals als oberflächlich und nicht nachhaltig abgewertet. „Wir sehen den Konsum als kulturelle Ausdrucksform und analysieren seine Ästhetik und Geschichte. Dazu beschäftigen wir uns in der neuen Forschungsstelle mit all den Waren und Dienstleistungen, die wir täglich kaufen und verbrauchen – vom Alltagsgegenstand bis zum Statussymbol“, so Stefan Krankenhagen. „Wir betrachten den Konsum nicht einseitig als schlimmes Übel oder als große Errungenschaft, sondern als kulturelle Form. Zu den wichtigsten Merkmalen der modernen Konsumkultur zählt die Fülle und Vielfalt der Waren“, sagt Dirk Hohnsträter. „Die Warenhäuser Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris waren eine kulturelle Revolution. Man konnte überhaupt einfach einmal hereingehen und unverbindlich gucken – ohne Kaufzwang, zu festen Preisen und mit Rückgaberecht. Die Warenhäuser des 19. Jahrhunderts hatten einen ähnlich einschneidenden Effekt wie die Online-Shops heute – mit ihnen wurde der Warenkreislauf beschleunigt.“

    Der Konsum hat eine eigene Ästhetik. Während das Warenhaus im 19. Jahrhundert mit zuvor nie gesehenen, opulenten Warenpräsentationen arbeitet, nutzen die Schaufenster und Leuchtreklamen der Moderne die Mittel künstlerischer Avantgarden, beispielsweise des Bauhauses. Im digitalen Zeitalter werden die Oberflächen unseres Smartphones zu „digitalen Schaufenstern“, so Dirk Hohnsträter. Der Kulturwissenschaftler hat sich auf Konsumkultur spezialisiert und beschäftigt sich beispielsweise mit Handwerk, Mode und Konsumdarstellungen in der Literatur. Zudem forscht er zur Konsumästhetik. Er zählt zu den Sprechern der Sektion „Materielle Kulturen“ der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft und promovierte mit einer Arbeit über die „ökologische Frage als kulturelles Problem“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. „Sich für ein Produkt zu entscheiden, bedeutet immer auch, andere Produkte liegen zu lassen“, so Hohnsträter. Wie können Konsumenten kompetent unterscheiden und auswählen? Jüngst hat Hohnsträter einen Aufsatz zur Verbraucherkompetenz aus historischer und kulturwissenschaftlicher Sicht veröffentlicht, in dem die verschiedenen Formen von Konsumentenwissen bis ins späte 18. Jahrhundert zurückverfolgt und ein zeitgemäßes Verständnis von Verbraucherkompetenz formuliert wird [LINK: www.uni-hildesheim.de/forschungsstelle-konsumkultur/aktivitaeten/aufsatz-verbraucherkompetenz/].

    Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz förderte die Auftakttagung der Hildesheimer Forschungsstelle Konsumkultur. Im November kamen zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland nach Hildesheim, um der Frage „Wohin bewegt sich die kulturwissenschaftliche Konsumforschung?“ nachzugehen. Derzeit entsteht ein Sammelband mit den Erträgen der Tagung.

    KURZ ERKLÄRT:
    Forschungsstelle Konsumkultur

    Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es am kulturwissenschaftlichen Fachbereich der Universität Hildesheim die Forschungsstelle Konsumkultur, deren Gründung von Prof. Dr. Stefan Krankenhagen vom Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur initiiert wurde. Der Kulturwissenschaftler Dr. Dirk Hohnsträter leitet die Forschungsstelle Konsumkultur. Die Forschungsstelle widmet sich – durchaus einzigartig in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft – den vielfältigen Aspekten des Konsums aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.

    Im Gegensatz zur kulturkritischen Voreingenommenheit früherer Positionen stellen wir neue Fragen, so Stefan Krankenhagen. Warum ist der moderne Konsum eine so einzigartige Erfolgsgeschichte, wenn er doch seit seinen Anfängen auf breite weltanschauliche Ablehnung stieß? Wie konnten ausgerechnet im profitorientierten Wirtschaftsleben Werte wie Kreativität und ökologische Sensibilität zum Mainstream werden? Von Anfang an umstritten, hat sich die moderne Konsumkultur unter dem Eindruck der gegen sie erhobenen Einwände gewandelt, Proteste in Produkte und Praktiken überführt und aus blinden Flecken neue Formen erzeugt.

    Themen sind unter anderem:
    - die Integration konsumkritischer Impulse in den Verbraucheralltag durch kritische und kreative Konsumenten
    - der Wandel der modernen Wirtschaft zu einer ästhetischen Ökonomie
    - die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Konsum


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-hildesheim.de/forschungsstelle-konsumkultur/ - Forschungsstelle Konsumkultur der Universität Hildesheim (Website)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsprojekte, Organisatorisches
    Deutsch


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