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15.01.2018 11:14

Das Entschlüsseln einer Superkraft

Sebastian Hollstein Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Biologe der Universität Jena begibt sich in neuem Buch auf die Spuren der Kreativität

    Was haben Leonardo da Vincis „Mona Lisa“, Charles Darwins Evolutionstheorie und ein Hobel gemeinsam? Sie alle sind Ausdruck und Ergebnis von Kreativität. Sowohl große Künstler und Forscher als auch kleine Handwerker bedienen sich ihrer, um beispielsweise neue künstlerische Ausdrucksformen zu schaffen, wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten oder auch um alltägliche Probleme zu lösen. Doch woher stammt diese „Superkraft“ eigentlich, die uns in der Menschheitsgeschichte kulturellen Fortschritt ermöglicht hat?

    Die Geheimnisse des Geistesblitzes

    Dieser Frage widmet sich der Biologe Dr. Konrad Lehmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in seinem neuen, kürzlich erschienenen Buch „Das schöpferische Gehirn“ – auf äußerst kreative Art und Weise. Sieben Tage lang lässt der Autor den Leser gemeinsam mit Commissario Prefrontale nach den „Geheimnissen des Geistesblitzes“ fahnden. „Ich wollte die neurobiologischen Kenntnisse, die ich sozusagen von Berufs wegen habe, verknüpfen mit meiner lebenslangen Faszination durch den Reichtum kultureller Schöpfungen“, erklärt der Autor die Motivation hinter seinem neuen Werk. „Kreativität ist für mich eine der wunderbarsten menschlichen Fähigkeiten. Darum war ich begeistert, als ich entdeckt habe, dass Psychologen und zunehmend auch Neurowissenschaftler seit einigen Jahren intensiv daran forschen, wie Kreativität im Gehirn entsteht. Dieses Wissen zu sortieren und fundiert aufzubereiten, dabei aber hoffentlich auch unterhaltsam und gut verständlich zu schreiben, hat mir viel Freude gemacht. Und intrinsische Motivation – das kann man im dritten Kapitel lesen – ist ja eine Voraussetzung für Kreativität.“

    Rahmenhandlung und der lockere Ton des Buches erleichtern den Zugang zu wissenschaftlichen Fakten und Ergebnissen aktueller Forschung. Der erfahrene Hirnforscher lädt zur Spurensuche im Nervensystem ein und führt so Schritt für Schritt immer tiefer in die Materie ein. Unterwegs geht er etwa der Frage nach, warum kreative Einfälle oftmals plötzlich und im Moment überraschend auftreten.

    Auch wenn eine Idee augenscheinlich aus dem Nichts erscheint, so liegt ihr doch ein aufwendiger Prozess zugrunde. Der englische Psychologe Graham Wallas hat diesen in den 1920er Jahren in fünf Phasen eingeteilt, die auch Lehmann aufgreift: Am Anfang steht dabei die Vorbereitung durch Lernen und das Sammeln von Informationen. Dem schließt sich eine Phase an, in der augenscheinlich erst einmal gar nichts passiert. Doch in dieser Inkubationszeit arbeitet es im Gehirn. Vorahnungen, der Lösung eines Problems nahe zu sein, beschleichen schließlich die Person – und dann ist sie da, die Erleuchtung. Nach eingängiger Überprüfung stellt sich die Bestätigung ein, dass man ein gutes Ergebnis gefunden hat.

    Gute Ideen im Leerlauf

    Besonders die Inkubationsphase interessiert Neurologen, ist sie doch für den Überraschungseffekt des Geistesblitzes verantwortlich. Schließlich erwischt uns ein Ausbruch an Kreativität oft dann, wenn wir gerade nicht im Denkmodus verharren. Und genau das könnte der Grund für die kreativen Eingebungen sein, wie Lehmann anschaulich beschreibt. So hat sich etwa der Hirnforscher Marcus Raichle als erster intensiv mit Arealen im Hirn beschäftigt, die aktiv sind, wenn der Mensch nichts tut. „Es gibt eine begrenzte Menge von Regionen, die immer dann in Schweigen verfallen, wenn Aufmerksamkeit gefordert ist“, erklärt der Jenaer Hirnforscher. „Im Umkehrschluss bedeutet das: Diese Gebiete sind immer dann aktiv, wenn gerade keine Aufmerksamkeit gefordert ist.“ Gerade dieses Netzwerk von Hirnarealen, das verantwortlich ist für die Innenansicht und „ein stabiles, kontinuierliches Selbst“, lässt Freiraum für kreative Leistungen.

    Auf solchen Ausflügen in unseren Kopf veranschaulicht Konrad Lehmann die verschiedenen Prozesse, die unseren Einfallsreichtum garantieren. Auch die Fragen nach Talent und genetischer Veranlagung greift er auf und liefert Antworten. Und ganz nebenbei entsteht so eine bunte Mischung aus Kulturgeschichte und moderner Hirnforschung.

    Bibliographische Angaben:
    Konrad Lehmann: Das schöpferische Gehirn. Auf der Suche nach der Kreativität – eine Fahndung in sieben Tagen, Springer-Verlag, Berlin 2018, 254 Seiten, Preis: 19,99 Euro, ISBN 8-3-662-54661-1

    Kontakt:
    Dr. Konrad Lehmann
    Institut für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie der Universität Jena
    Erbertstraße 1, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 949131
    E-Mail: konrad.lehmann[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Dr. Konrad Lehmann von der Universität Jena macht in seinem neuen Buch die Spuren der Kreativität sichtbar.


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    Cover des neuen Buchs.


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