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08.02.2018 16:18

Instagram verändert unsere Kunstwahrnehmung - und das ist gut so!

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

    Der kostenlose Online-Dienst Instagram ermöglicht es, Fotos und Videos zu teilen. Es wird viel darüber diskutiert, ob in Museen und Galerien fotografiert werden darf oder nicht. Instagram soll nun die Kunstszene revolutionieren und das Denken der Kunstschaffenden verändern. Die folgende Stellungnahme von Dr Kylie Budge von der Fakultät für Sozial- und Kommunikationswissenschaften der Western Sydney University wurde im Journal »The Conversation« veröffentlicht.

    Mit über 800 Millionen Nutzern war es wohl unvermeidlich, dass Instagram die Kunstwelt beeinflussen würde. Dem Online-Dienst wird nachgesagt, dass er die narzisstische Selfie-Kultur begünstigen und fördern würde. Aber in Galerien zeigen aktuelle Studien, dass die positiven Aspekte die negativen eindeutig überwiegen. Instagram ändert die Art und Weise, wie wir unsere Galerie- und Austellungsbesuche empfinden und mit unseren Mitmenschen teilen – und wie wir die Kunst wahrnehmen.

    In der Tat umwerben künstlerische Institutionen mittlerweile aktiv Instagram Nutzer. Das Museum of Ice Cream in den Vereinigten Staaten gehört mit über 125.000 mit Hashtags versehenen Posts zu den am meisten auf Instagram geteilten Ausstellungen. Zur Ausstellung gehörten Insta-freundliche Ausstellungsobjekte wie große Kirschen, aufgehängte Bananen und ein Pool voller bunter Streusel, die dem Besucher eine farbenfrohe Vielfalt an Fotomöglichkeiten lieferten. Auch aktuelle Künstler der Triennale an der National Gallery of Victoria bauen auf den Instagram-Trend.

    Risiken und Möglichkeiten

    Das viele Fotografieren durch Besucher in Galerien und Museen bringt Vor- und Nachteile mit sich. Erst kürzlich zerstörte eine Besucherin der Pop-Up Kunstgalerie The 14th Factory Skulpturen im Wert von $200.000, während Sie versuchte, ein Selfie zu machen und dabei stolperte. Bei einer anderen Ausstellung zerstörten die Besucher einen 800 Jahre alten Sarg. Auf der Suche nach dem besten Motiv, hoben sie ein Kind über die Absperrung und brachten den Sarg zu Fall, was zu einer schweren Beschädigung führte.

    Viele Ausstellungen weisen ihre Besucher mit Verbotsschildern daraufhin, keine Fotos zu machen. Die meisten Galerien verbieten die sogenannten Selfie-Sticks. Diese Verbote werden häufig mit den Copyright-Bedingungen und Bedenken hinsichtlich der Kunstwahrnehmung begründet. Ausserdem sollen Selfie-Sticks eine Gefahr für die ausgestellten Gegenstände darstellen.

    Die Verbannung der Fotografie aus den Ausstellungsräumen basierend auf der Annahme, dass es das Kunsterlebnis des Besuchers beeinträchtigt, könnte als kulturelles Elitedenken gesehen werden. Es würde bedeuten, dass Kunst nur auf eine einzige Weise „richtig" wertgeschätzt und rezipiert werden kann. Es unterschlägt ausserdem das Potenzial, das Instagram mit sich bringt: Instagram könnte eine völlig neue Dimension für Künstler, Kuratoren, Ausstellungsmacher und Besucher darstellen.

    An der Queensland Gallery of Modern Art konnte bei der Gerhard Richter Ausstellung beobachtet werden, dass Besucher Instagram als Teil ihrer ästhetischen Wahrnehmung nutzten. Viele posteten Richters Kunstwerke auf Instagram und setzten sich dabei in farblich passender Kleidung in Szene. Auch im Museum of Applied Arts and Sciences konnte bei der Recollect:Shoes Ausstellung die Nutzung von Instagram beobachtet werden. Anstatt für Selfies zu posen, nahmen die Besucher häufig die kleinen Details der Schuhdesigns auf.

    Diese Erkenntnis wird auch bei einer größeren Studie im Rahmen des Museums für zeitgenössische Kunst in Sydney bestätigt. Die Besucher fotografieren hauptsächlich die Ausstellung selbst und bringen damit ihre Kunstwahrnehmung zum Ausdruck. Sie verfallen nicht in das narzisstische Selfie-süchtige Verhalten, welches allzu häufig in den Medien diskutiert wird.

    Die Nutzung von Instagram in öffentlichen Räumen wie Museen und Galerien ist komplex. Es bedarf weiterer Forschungen, die sich mit der Nutzung von Sozialen Medien in öffentlichen Räumen beschäftigen, und wie diese bestehende soziale Normen herausfordern.

    Wir sehen einen großen Wert darin, dass Kuratoren und Aussteller von Instagram Gebrauch machen. Es könnte dabei helfen, ein neues Publikum anzusprechen und die Beziehung zu treuen Besuchern zu festigen. Obwohl nicht alle Fotografie-Verbote aufgehoben werden können, gehen wir davon aus, dass sich die Erwartungen und Erfahrungen der Besucher fundamental verändert haben. Kulturelle Institutionen müssen in der Zukunft den Gebrauch von Instagram einbeziehen.

    Weitere Informationen:

    Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
    Pressestelle Friedrichstr. 95
    10117 Berlin
    Email: berlin(at)ranke-heinemann.de
    Tel.: 030-20 96 29 593

    oder

    Dr Kylie Budge
    Research Theme Fellow
    Western Sydney University
    E-mail: K.Budge(@)westernsydney.edu.au
    Tel: 0061 (0) 2 96854675

    Bei Veröffentlichung der Pressemitteilung bitten wir um eine Quellenangabe sowie die Zusendung eines Belegexemplars.

    Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.


    Weitere Informationen:

    https://www.ranke-heinemann.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler
    Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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