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09.10.1998 00:00

Rauchzeichen in der Zelle

Dr. Wolfgang Hirsch Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Jenaer Biochemiker entdecken neuen Weg der Signalübertragung

    Jena. (09.10.98) Der Signalübertragung in der Zelle sind Wissenschaftler der Universität Jena genauer auf die Spur gekommen. Das Team um den Biochemiker Prof. Dr. Reinhard Wetzker fand heraus, daß das Enzym Phospho-inositid-3-kinase y (PI3Ky) sowohl das kontrollierte Absterben von Zellen als auch deren Wachstum steuern kann. Mit dieser Erkenntnis aus der Grundlagenforschung, über die das Wissenschaftsmagazin "Science" in seiner heutigen Ausgabe berichtet, hoffen die Forscher, zur Entwicklung neuer Therapiekonzepte gegen Krebs beitragen zu können.

    Das Enzym PI3Ky ist eines von einigen hundert verschiedenen Eiweißen, die Signale des Körpers in der Zelle weiterleiten. Im gesamten Organismus des Menschen werden Informationen durch Botenstoffe zwischen den einzelnen Zellen vermittelt. Auf jeder Zelle sitzen - quasi als kleine Antennen - spezifische Rezeptoren, die diese Nachrichten empfangen und nach innen weitergeben. In der Zelle selbst sind die unterschiedlichen Eiweiße komplex über ein zelleigenes Kommunikationsnetz miteinander verknüpft, um entsprechend auf die Befehle reagieren zu können. In diesem Netz spielt die PI3Kg eine wichtige Rolle.

    Die Arbeitsgruppe um Wetzker, die 1995 das Enzym erstmals kloniert hat, fand jetzt heraus, daß es seine Aktivitäten in zwei verschiedene Richtungen entfalten kann: als Lipidkinase und als Proteinkinase. In seiner ersten Eigenschaft steuert PI3Ky offenbar den kontrollierten Tod von Zellen; das ist ein alltäglicher Vorgang, durch den der Körper sich regeneriert. In seiner Funktion als Proteinkinase wirkt PI3Ky jedoch auf andere Eiweiße, die Streßreaktionen und Zellwachstum regulieren. Wahrscheinlich wird bereits in der Zellmembran entschieden, welchen Weg das Signal einschlägt.
    "Multifunktionen von Signalübertragungs-Proteinen waren bisher kaum bekannt. Daß unser Enzym mehrere Signalwege beeinflußt, ist also nicht nur für das Verständnis einer spezifischen Funktion, sondern auch für die Grundvorstellung über Kommunikationsvorgänge in der Zelle wesentlich", erläutert Prof. Wetzker. In der PI3Ky sieht er ein Eiweiß, das potentiell zu einem verstärkten Zellwachstum führen kann. Sind dabei die zelleigenen Informationswege nur Einbahnstraßen Richtung "Wachstum", können Tumoren und andere Krankheiten entstehen. Zu diesen Krankheiten, die mit einer Fehlsteuerung des Zellwachstums verbunden sind, zählen neben dem Krebs auch solche, bei denen Zellen des Bindegewebes überschießend wachsen und Hautkrankheiten wie die Schuppenflechte.

    "Wir suchen nach Wirkstoffen, die gezielt die unterschiedlichen Aktivitäten des Enzyms hemmen und hoffen damit, zur Entwicklung neuer Therapieansätze gegen diese Krankheiten beitragen zu können", hofft Reinhard Wetzker. Zudem fahnden die Forscher jetzt nach den Rezeptoren, die am Anfang der zelleigenen Nachrichtenkette die Richtung für den weiteren Weg der PI3Ky-Signale bestimmen.

    Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Reinhard Wetzker
    AG Molekulare Zellbiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Tel. 03641/304460
    e-mail: i5rewe@rz.uni-jena.de

    Friedrich-Schiller-Universität
    Referat Öffentlichkeitsarbeit
    Fürstengraben 1
    07743 Jena
    Tel.: 03641/931031
    Fax: 03641/931032
    e-mail: h7wohi@sokrates.verwaltung.uni-jena.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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