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14.02.2018 12:32

Eine schillernde Figur der Universitätsgeschichte

Stephan Laudien Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Wissenschaftler der Uni Jena veröffentlichen interdisziplinären Sammelband über Karl Korsch

    Karl Korsch (1886-1961) gilt neben Ernst Bloch, Georg Lukács und Antonio Gramsci als bedeutendster Erneuerer einer marxistischen Philosophie und Theorie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zugleich steht er im Ruf, ein undogmatischer Marxist gewesen zu sein. Nach seiner Emigration aus Deutschland im Jahre 1933 lehrte er an der University of Washington in Seattle. Er darf überdies als einer der Gründerväter der Frankfurter Schule angesehen werden, war er doch einer der Organisatoren der „marxistischen Arbeitswoche“ im Thüringer Wald (1923), aus der kurz darauf das Frankfurter Institut für Sozialforschung hervorging; noch in den 1940er Jahren erwogen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zeitweise gar die Verlegung des berühmten Instituts für Sozialforschung zu Korsch nach Seattle.

    Korsch war aber auch „ein Gewächs unserer Fakultät“, wie Prof. Dr. Achim Seifert von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sagt. In Jena wurde Korsch 1910 promoviert, hier habilitierte er sich neun Jahre später. Nun haben Vertreter der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sowie der Philosophischen Fakultät der FSU die Initiative ergriffen und einen Sammelband über Korsch veröffentlicht, um an diese mit der FSU eng verbundene Persönlichkeit zu erinnern: „Karl Korsch zwischen Rechts- und Sozialwissenschaft: ein Beitrag zur Thüringischen Rechts- und Justizgeschichte“. Erschienen ist das Buch in der Reihe der „Jenaer Schriften zum Recht“ als Band 48.

    Die frühen Jahre stehen im Blickpunkt

    Grundlage des Buches ist eine Konferenz, die am 10. und 11. Juni 2014 an der Universität Jena stattfand. Tagung wie Buch nehmen einen Mann in den Blick, der heute nahezu vergessen ist. Korsch, der 1961 in den USA starb, galt in der DDR als undogmatischer Marxist; Grund genug, ihn weitgehend totzuschweigen.

    Im Mittelpunkt der Aufsätze stehen besonders die frühen Jahre Karl Korschs, die prägenden Jahre, wie Seifert konstatiert. So zeichnet Meike G. Werner ein Bild der Universitätsstadt Jena um die Wende zum 20. Jahrhundert, eine Zeit, in der der junge Karl Korsch sich zwischen Freistudentenschaft und dem Serakreis um den Verleger Eugen Diederichs bewegte. Gerhard Lingelbach nimmt den Marxisten Korsch an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät aus der Sicht des Rechtshistorikers in den Blick.

    „Korsch war ein dezidiert Linker in einer weitgehend rechten Fakultät“, bemerkt Achim Seifert. Immerhin habe Korsch 1923 sogar eine Zeitlang das Amt des Justizministers in der ersten rot-roten Regierung Thüringens innegehabt. Das mag einer der Gründe gewesen sein, weshalb es im Mai 1924 zu einem handfesten „Universitätsskandal“ kam, wie der Historiker Matthias Steinbach (TU Braunschweig) in seinem Beitrag zur Antrittsvorlesung von Korsch beschreibt. Konkret ging es um den Versuch Korschs, seine Antrittsvorlesung innerhalb der Jenaer Universität zu halten. Weil ihm buchstäblich die Tore verschlossen bleiben, ziehen er und seine Anhänger schließlich ins Volkshaus.

    In den weiteren Aufsätzen des Bandes stehen Korschs Beiträge zur Rechtswissenschaft sowie die Rezeption seines Wirkens im Mittelpunkt. Immerhin, so Achim Seifert, war Karl Korsch ein nicht unwesentlicher Akteur in der Sozialisierungsdebatte der Weimarer Zeit. Die meisten von Korschs Ideen sind heute sicherlich nicht mehr zeitgemäß, aber die Fragen nach der sozialen Gestaltung eines modernen Staates bleiben aktuell. Das neue Buch erinnert an eine schillernde Figur der Jenaer Universitätsgeschichte.

    Bibliographische Angaben:
    Achim Seifert, Klaus Vieweg, Axel Ecker, Eberhard Eichenhofer (Hg.): „Karl Korsch zwischen Rechts- und Sozialwissenschaft: ein Beitrag zur Thüringischen Rechts- und Justizgeschichte“, Richard Boorberg Verlag, Stuttgart 2018, 200 Seiten, 38 Euro, ISBN: 978-3-415-06145-3.

    Kontakt:

    Prof. Dr. Achim Seifert
    Rechtswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 942130
    E-Mail: achim.seifert[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Philosophie / Ethik, Politik, Recht
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Das Cover der neuen Publikation.


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