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07.03.2018 11:12

Ameisen schätzen Dinge mehr, für die sie hart arbeiten müssen

Christina Glaser Referat II/2, Kommunikation
Universität Regensburg

    Regensburger Biologen erforschen Verhaltensweisen an Ameisen

    Jeder kennt das Gefühl, dass einem Dinge wertvoller erscheinen, für die man hart arbeiten musste. Nun haben Forscher der Universität Regensburg herausgefunden, dass Ameisen, genau wie wir Menschen, Dinge höher bewerten, die mit harter Arbeit verbunden sind. Untersuchungen an Ameisen könnten dabei helfen zu verstehen, warum der Mensch bestimmte Dinge anderen vorzieht.

    In der Regel empfinden wir harte Arbeit als etwas Negatives – ein Grund, weshalb wir normalerweise dafür bezahlt werden wollen. Einige menschliche Verhaltensweisen sind deshalb schwer zu deuten, wie das Erklimmen eines Berges in der Freizeit. Indessen weiß jeder erfahrene Bergsteiger, dass das Bier nach einem harten Aufstieg köstlicher ist, als nach einem leichten Spaziergang.

    Um zu untersuchen, ob das auch für Ameisen zutrifft, führte ein Team um Dr. Tomer Czaczkes, am Lehrstuhl für Zoologie/Evolutionsbiologie der Universität Regensburg, „seine“ Ameisen entweder über einen steilen Berg oder über angenehmes Flachland zu einem nahrhaften Trunk. Ein vertikaler Laufsteg simulierte den steilen Berg, an dessen höchstem Punkt ein Sirup-Tropfen mit Zitronengeschmack auf die Ameisen wartete. In der horizontal ausgerichteten Variante desselben Laufstegs erhielten die Ameisen eine Leckerei mit Rosmaringeschmack. Nachdem die Ameisen mehrmals beide Wege bestritten hatten, wurden ihnen zwei verschiedene Pfade angeboten: Einer roch nach Rosmarin, der andere nach Zitrone. Die Mehrzahl der Tiere bevorzugte den Zitronenpfad. Zurück bei ihren Schwestern warben sie zudem meistens intensiver für die Nahrungsquelle, für die sie härter arbeiten mussten.

    „Natürlich haben wir auch die Geschmacksrichtungen variiert“ erklärt Birgit Brandstetter, Studierende am Lehrstuhl für Zoologie/Evolutionsbiologie. „Das Ergebnis blieb unverändert – die Ameisen bevorzugten schlichtweg jene Geschmäcker, für welche sie härter arbeiten mussten“. Selbst wenn die Forscher den Ameisen das Leben mit Hilfe unwegsamer Oberflächen schwerer machten, konnten die Ergebnisse reproduziert werden.

    Aber wieso sollten Ameisen harte Arbeit bevorzugen? Es scheint, als läge die Antwort in der Befindlichkeit kurz vor dem belohnenden Getränk. Geht einer stimmungserhellenden Erfrischung schlechte Laune und Erschöpfung voraus oder fühlt man sich bereits blendend? Im ersten Fall wird wohl die Belohnung als deutlich stärkere Verbesserung empfunden. Ameisen und Menschen sind sich offensichtlich in ihrer Psychologie ähnlicher, als man vermuten würde.

    Die Ergebnisse der Studie sind nun im Journal of Comparative Psychology (DOI: 10.1037/com0000109) veröffentlicht worden.

    Ansprechpartner für Medienvertreter:
    Dr. Tomer Czaczkes
    Am Lehrstuhl für Zoologie/Evolutionsbiologie
    Universität Regensburg
    Tel.: 0941 943-2996
    E-Mail: tomer.czaczkes@ur.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Ameise beim Trinken


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