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08.03.2018 17:01

Im Auge des Betrachters? Auch der Kunstbetrieb benachteiligt Frauen finanziell

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

    Die neue Studie eines internationalen Forscherteams belegt, dass für Kunstwerke von Künstlerinnen auf Auktionen bis zu 50% niedrigere Preise erzielt werden als für Kunstwerke von männlichen Künstlern. Durch zwei weitere Experimente konnte bestätigt werden, dass das Geschlecht eines Künstlers eine entscheidende Auswirkung auf die Wertschätzung und deshalb auf die Karriere der Künstlerinnen und Künstler hat.

    Eine Studie, an der u.a. die University of Technology Sydney beteiligt war, untersuchte mehr als eine Millionen Kunstauktionen der vergangenen 40 Jahre. Sie hat bestätigt, dass Arbeiten von weiblichen Kunstschaffenden Preise erzielen, die durchschnittlich 50% unter den Arbeiten von Männern liegen. Diese Ergebnisse bleiben auch nach Abzug der Autkionsergebnisse der sogenannten „Stars" wie beispielsweise Leonardo da Vinci bestehen.

    „Wir haben uns die Verkaufszahlen von 67000 individuellen Künstlern angesehen. Auch wenn wir Verkäufe über der Eine-Millionen-Dollar-Marke abgezogen haben – etwa die Rembrandts und die Picassos – gab es immer noch einen Preisunterschied von 29% bei den weiblichen Künstlern", sagt Assistenzprofessor Marco Pavone von der University of Technology Sydney. „Unsere Ergebnisse enthüllen die kulturelle Voreingenommenheit Künstlerinnen gegenüber und ihren Kampf um Anerkennung und angemessene Verkaufspreise."

    Die Wissenschaftler Professor Renée Adams von der University of New South Wales, Professor Roman Kräussl von der Luxembourg School of Finance, Assistenzprofessor Marco Pavone von der University of Technology Sydney Business School und Professor Patrick Verwijmeren von der Erasmus School of Economics untersuchten 1,5 Millionen Auktionsabwicklungen in 45 Ländern zwischen 1970 und 2013. Sie haben einen Preisunterschied zwischen Verkäufen der Werke weiblicher und männlicher Künstler von 47,6% aufgedeckt.

    Um den Einfluss des kulturbedingten Geschlechterverständnisses zu verstehen, haben die Wissenschaftler die Auktionspreise in Verbindung mit der weltweit vorherrschenden Geschlechterungleichheit gesetzt. Dabei wurde auch darauf geachtet, wie viele Frauen in den Parlamenten und im Bildungswesen vertreten waren. Sie konnten herausfinden, dass der Preisunterschied in Ländern und Jahren mit höherer Geschlechterungleichheit größer war, als in Ländern und Jahren mit entgegengesetzten Tendenzen. Diese Erkenntnis legt nahe, dass das kulturelle Geschlechterverständnis gegenüber Frauen eine entscheidende Schlüsselrosse zu spielen scheint.

    „Der Kunstauktionsmarkt hat einen entscheidenden Einfluss auf die Kariere eines Künstlers, und die Kunstmärkte schmälern den Wert der Kunstwerke der Künstlerinnen nur weil sie Frauen sind", so Professor Adams. Um die weiteren Hintergründe der Preisunterschiede zu verstehen, führten die Wissenschaftler zwei Experimente durch.

    Im ersten Experiment wurden 1000 Menschen befragt. Sie sollten das Geschlecht des Künstlers anhand von zehn Kunstwerken erraten, wobei die Hälfte der Kunstwerke von Künstlerinnen waren. Anschließend sollten sie die Kunstwerke auf einer Skala von 1-10 bewerten. Durch die Kombination der Geschlechterbestimmung und der anschließenden Bewertung konnten die Wissenschaftler herausfinden, ob die Geschlechtereinschätzung sich auf die Wertschätzung der Kunstwerke auswirkt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Teilnehmer nicht dazu in der Lage waren, das Geschlecht des Künstlers bzw. der Künstlerin akkurat durch das bloße Betrachten der Kunstwerke zu bestimmen. Arbeiten, die für das Werk von Künstlerinnen gehalten wurden, wurden jedoch von den männlichen Teilnehmern geringer bewertet.

    Im zweiten Experiment wurden 2000 Teilnehmer gebeten, Kunstwerke, die willkürlich mit männlichen oder weiblichen Künstlernamen versehen wurden, zu bewerten. Die Gemälde wurden durch mit künstlicher Intelligenz betriebenen Anwendungen erstellt, um nicht falsche Namen mit realen Kunstwerken zu kombinieren. Die Kunstwerke basieren auf umgestalteten Fotografie-Arbeiten. Die meisten Teilnehmer bewerteten die Kunstwerke gleichwertig. Die Teilnehmergruppe „Wohlhabend und regelmäßige Kunstgaleriebesucher", also die, die auch am ehesten auf Kunstauktionen mitbieten würden, bewerteten jedoch die Kunstwerke, die mit einem weiblichen Namen versehen wurden, schlechter als die Kunstwerke der vermeintlich männlichen Künstler.

    „Diese Ergebnisse offenbaren die Anstrengung, der Künstlerinnen täglich ausgesetzt sind, um die angemessene Wertschätzung für ihre Kunst zu erhalten. Sie zeigen darüber hinaus auf, welche Veränderungen es geben muss, um Gender Ungleichbehandlung in der Kunstwelt zu reduzieren und den Erfolg der Künstlerinnen zu verbessern", so Professor Adams.

    Weitere Informationen:

    Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
    Pressestelle Friedrichstr. 95
    10117 Berlin
    Email: berlin(at)ranke-heinemann.de
    Tel.: 030-20 96 29 593

    Oder:

    Media Centre
    Media enquiries
    Tel.: +61 419 293 261
    Email: newsroom@uts.edu.au

    Bei Veröffentlichung der Pressemitteilung bitten wir um eine Quellenangabe sowie die Zusendung eines Belegexemplars.

    Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.


    Weitere Informationen:

    https://www.ranke-heinemann.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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