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19.03.2018 05:00

In monogamen Systemen ist ein passender Partner wichtiger als ein gutaussehender

Dr. Sabine Spehn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie

    Die Farbe von Markierungsringen, wie sie zur individuellen Unterscheidung an den Beinen von Vögeln angebracht werden, wirkt sich nicht auf deren Verhalten, Physiologie, Lebensgeschichte und Fortpflanzungserfolg aus. Dieses Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen widerlegt langjähriges Textbuchwissen und stellt in Frage, ob Schönheitsideale bei monogamen Tierarten überhaupt eine große Rolle spielen.

    Seit über 35 Jahren hält sich in der Fachliteratur hartnäckig die Theorie, dass die Farbe von Markierungsringen bei Zebrafinken die Attraktivität eines Individuums und damit die Partnerwahl beeinflusst. Es klingt ja auch durchaus nach einer runden Sache: Männchen, die mit einer bestimmten Ringfarbe geschmückt sind (rot), sind attraktiver für Weibchen als andere (vor allem grün), denn sie haben einen roten Schnabel, dessen Wirkung auf die Weibchen durch die roten Ringe verstärkt wird. Seit der Erstveröffentlichung gab es 39 weitere Publikationen, von denen 23 bestätigten, dass rotberingte Männchen den grünen überlegen sind. Acht weitere Studien fanden immerhin irgendeinen Effekt auf die jeweils untersuchten Parameter.

    Die hier vorgestellte Studie von Wissenschaftlern der Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen umfasst insgesamt acht Experimente, bei denen Fitnessparameter von 730 mit verschiedenen Farben beringten Tieren aus vier Populationen gemessen wurden. Sie ist damit umfangreicher als die Stichprobe aller jener 23 Studien zusammen, die einen klaren Effekt der Ringfarbe auf das Verhalten beschrieben. Die Forscher fanden jedoch keinerlei Auswirkungen der Ringfarbe auf die Fitness von Männchen oder Weibchen quer durch die verschiedenen Populationen. „Die große Stichprobe zeigt, dass der Effekt gar nicht vorhanden ist“, sagt Wolfgang Forstmeier, Leiter der Studie. „Beleuchtet man die Statistik der veröffentlichten Studien genauer, so sieht man auch dort, dass nur kleine Stichproben zu positiven Ergebnissen geführt haben.“ Für ihn ist es nicht verwunderlich, dass die Ringfarbe keine Rolle spielt für den Fortpflanzungserfolg: Eine frühere Studie aus der Abteilung zeigte, dass Zebrafinkenweibchen einen für sie passenden, nicht unbedingt einen gut aussehenden Partner suchen. Da in monogamen Partnerschaften jedes Weibchen nur ein Männchen bekommt, wäre das Buhlen aller um das hübscheste Männchen mit zu hohen Kosten verbunden, denn letztlich profitiert ja nur ein Weibchen davon. „Die individuelle Partnerwahl bei Zebrafinken führt nicht zur Ausprägung von bestimmten Ornamenten, die alle sexy finden“, sagt Bart Kempenaers, Direktor der Abteilung. Für eine optimale Brutfürsorge wäre es vielmehr wichtig, dass sich die Partner gut verstehen – und die Farbe des Rings ist für den Bund des Lebens egal.

    Kontakt:
    Dr. Wolfgang Forstmeier
    Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
    Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
    Eberhard-Gwinner-Strasse
    82319 Seewiesen
    Email: forstmeier@orn.mpg.de
    Tel: +49 8157 932-346


    Weitere Informationen:

    http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1111/(ISSN)1558-5646 (Studie online ab 19.03.18)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Ein Zebrafinkenweibchen und zwei Männchen mit roten bzw. grünen Markierungsringen


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