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16.03.2018 17:34

Isolde Charim erhält den Philosophischen Buchpreis 2018

Dr. Ana Honnacker Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

    Das Buch „Ich und die Anderen. Wie die neue Pluralisierung uns alle verändert“ (Paul Zsolnay Verlag 2018) der Philosophin und Journalistin Isolde Charim wird mit dem Philosophischen Buchpreis 2018 ausgezeichnet.

    Das Thema des diesjährigen Buchpreises lautet „Grenze und Pluralität“. Der Philosophische Buchpreis wird alle zwei Jahre vom Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (fiph) vergeben. Damit möchte das fiph die Aufmerksamkeit auf drängende philosophische Gegenwartsfragen lenken. Die Nominierung der Titel erfolgt durch die Buchverlage. Ausgezeichnet wird jeweils die beste Neuerscheinung der letzten drei Jahre zu einem aktuellen Themenbereich der praktischen Philosophie.

    Isolde Charims „Ich und die Anderen“ ist das richtige Buch zur richtigen Zeit. Denn die gegenwärtigen Diskussionen um „Obergrenzen“ und „Grenzsicherheit“ verweisen auf mehr als die Frage nach Landesgrenzen und Einwanderung. Charims Buch setzt genau hier an: bei der Frage, was Pluralisierung für unsere Identitätsbildung bedeutet. Sie kommt dabei zu dem „schwindelerregenden Befund“, dass die Selbstverständlichkeit einer vollen, gewissermaßen naiven Zugehörigkeit zur Gesellschaft verloren gegangen ist. Wir leben in einem „identitären Prekariat“, von der Pluralisierung „de‐territorialisiert“. Ob dieses „Weniger‐Ich“ eine Chance oder Gefahr ist, hängt davon ab, ob es gelingt, gesellschaftliche Ganzheit neu und anders zu denken. Charims „Begegnungszonen“ sind dabei ein Ansatz, mit Differenzen zu leben, ohne auf Homogenisierung zu setzen. Mit „Ich und die Anderen“ gelingt es Charim, die Erfahrung der Pluralisierung und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen philosophisch versiert, differenziert, anschaulich und mit der nötigen Sensibilität zu analysieren. Damit leistet sie nicht nur einen wichtigen Beitrag zu den gesellschaftspolitischen Debatten um Identitätspolitik, (Rechts‐)Populismus und religiösen Fundamentalismus, sondern auch zum notwendigen Prozess der Selbstvergewisserung.

    Der Preis, der mit 3000 € dotiert ist, wird am Freitag, den 14. September 2018, um 19.30 Uhr in der Dombibliothek Hildesheim durch den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung „Forschungsinstitut für Philosophie Hannover“, Prof. Dr. Ulrich Hemel, in einer öffentlichen Feier überreicht. Die Laudatio wird die Philosophin Prof. Dr. Birgit Recki (Universität Hamburg) halten. Eine Anmeldung ist erforderlich.

    Mitglieder der Jury:

    Prof. Dr. Ulrich Hemel (Universität Regensburg), Prof. Dr. Markus Kotzur (Universität Hamburg), Prof. Dr. Armin Nassehi (Ludwig‐Maximilians‐Universität München), Prof. Dr. Birgit Recki (Universität Hamburg), Prof. Dr. Thomas Schmidt (Universität Frankfurt a. M.), PD Dr. Jörg‐Dieter Wächter (Bistum Hildesheim / Universität Hildesheim)

    Frühere Preisträger:

    2010: Prof. Dr. Andreas Lienkamp (Universität Osnabrück): „Klimawandel und Gerechtigkeit. Eine Ethik der Nachhaltigkeit in christlicher Perspektive“ (Paderborn: Schöningh 2009)

    2012: Prof. Dr. Avishai Margalit (Hebrew University/Princeton University): „Über Kompromisse und faule Kompromisse“ (Berlin: Suhrkamp 2011)

    2014: Dr. Sascha Dickel (Technische Universität München): „Enhancement‐Utopien. Soziologische Analysen zur Konstruktion des Neuen Menschen“ (Baden‐Baden: Nomos 2011)

    2016: Prof. Dr. Albrecht Koschorke (Universität Konstanz): „Hegel und wir“ (Berlin: Suhrkamp 2015)

    Ausschreibungstext des diesjährigen Buchpreises:

    Grenze und Pluralität

    Diskurse über Grenzen sind zum Bestandteil politischer Alltagsdebatten avanciert. Wenn hier von Grenze gesprochen wird, dann zumeist als Trennlinie, etwa als Mauer. Grenze bezeichnet die Landesgrenze, die nicht nur als Garant von Sicherheit verstanden wird, sondern oft auch als Garant gesellschaftlicher Homogenität. Dabei gibt es Grenzen, die sich von diesem Verständnis deutlich unterscheiden, etwa Nachbarschaftsgrenzen. Nachbarn sind permanente Grenzgänger. Die Grenzen der Nachbarschaft sind flüssig. Die Nachbarschaftsgrenze ist weder die Grenze als Verbindung noch die Grenze als Trennung. Sie begrenzt vielmehr, ohne genau zu bestimmen, was sie begrenzt. Nachbarschaftsgrenzen sind höchst berührungssensibel. Neben diesen Grenzen gibt es Sprachgrenzen, die insbesondere Minderheiten negativ betreffen.
    Grenze kann aber auch als Grundlage des Austauschs verstanden werden. In diesem Sinne ist Grenze die Voraussetzung von Lebendigkeit. Dabei wird Grenze allerdings nicht als Linie, sondern als Fläche begriffen. Dieses Verständnis von Grenze als Grenzfläche gilt für alle biologischen Dimensionen des Lebens, lässt sich jedoch ebenso auf gesellschaftliche und kulturelle Dimensionen menschlichen (Zusammen‐)Lebens übertragen. So gesehen, steht Grenze für Offenheit und Durchlässigkeit. Eine solche Grenze ist Möglichkeitsbedingung von Pluralität. Grenzüberschreitungen stehen in diesem Zusammenhang für Identitätserweiterungen. Solche Identitätserweiterungen können aber auch als Identitätsbedrohungen empfunden werden.
    Wie kann Grenze heute neu gedacht werden? Nicht bloße Darstellungen philosophischer, kultur‐ und sozialwissenschaftlicher Forschungen stehen im Zentrum des Buchpreises, sondern ein informiertes Bedenken und Weiterdenken in praktisch‐philosophischer Absicht.

    Weitere Informationen:

    Prof. Dr. Jürgen Manemann
    Forschungsinstitut für Philosophie Hannover
    Gerberstr. 26
    30169 Hannover
    Tel. 0511‐1640930
    E‐Mail: wittkamp@fiph.de


    Weitere Informationen:

    https://fiph.de/forschung/Buchpreis/Buchpreis_2018.php


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Philosophie / Ethik, Politik, Religion
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Isolde Charim


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