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19.03.2018 15:29

Erleichterter Studienzugang für Geflüchtete: FernUniversität und Kiron arbeiten zusammen

Stephan Düppe Stabsstelle 2 – Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
FernUniversität in Hagen

    Mansour Tumeh profitiert als erster Studierender von der neuen Kooperation zwischen der FernUniversität in Hagen und der Bildungsplattform Kiron Open Higher Education. Ziel ist es, Geflüchteten den nahtlosen Übergang in ein Fernstudium zu erleichtern.

    Informatik war schon immer Mansour Tumehs Leidenschaft: Nachdem er in Syrien eine Ausbildung als Informatiker abgeschlossen hatte, studierte er das Fach für zwei Semester an einer syrischen Online-Universität. Während seines Studiums arbeitete er als Programmierer. Dann kam der Krieg: Vor fünf Jahren musste Tumeh seine Heimatstadt Damaskus verlassen. Seine Flucht führte ihn nach Ägypten, in die Türkei und im Oktober 2015 schließlich nach Deutschland. Im niedersächsischen Vechta fand er eine Bleibe. Dort lernte er an der Universität Deutsch, suchte sich eine neue Arbeit im IT-Bereich und bestand den international anerkannten Test „Deutsch als Fremdsprache“ (TestDaF). Jetzt ist dem 29-Jährigen ein weiterer wichtiger Schritt gelungen: Zum Sommersemester 2018 hat er sich an der FernUniversität in Hagen eingeschrieben – mit einem klaren Ziel vor Augen: „Ich möchte mein Bachelorstudium in Informatik fortsetzen.“

    Tumehs Weg hin zu einem regulären Studium ebnete die gemeinnützige Organisation Kiron Open Higher Education. Im Juli 2016 meldete er sich auf ihrer Online-Plattform an. Hier können Menschen ganz ohne sprachliche, finanzielle oder bürokratische Hürden ins Studium einsteigen – unabhängig von ihrem jeweiligen Aufenthaltsort. Geflüchteten einen Zugang zu akademischer Bildung ermöglichen – das ist auch ein wichtiges Anliegen der FernUniversität. Deshalb startet jetzt eine Kooperation zwischen der Hagener Hochschule und Kiron. Fortan soll es leichter sein, ein Kiron-Onlinestudium in ein reguläres Bachelorstudium an der FernUniversität zu überführen. Ein erster Schwerpunkt liegt dabei auf dem Fernstudiengang Informatik.

    Flexibles Lernen passt perfekt in den Alltag

    Mansour Tumeh ist der erste Studierende, der von der neuen Zusammenarbeit profitiert. Die Immatrikulation an einer Präsenzuniversität kam für den Syrer nicht infrage: „Ich bin jetzt fast 30 Jahre alt und muss praktische Erfahrungen sammeln. Deswegen hat das Arbeiten für mich Priorität. Das Teilzeitstudium an der FernUniversität ist eine gute Lösung für mich.“

    Einige Lernerfolge bei Kiron kann Tumeh ins Studium an der FernUniversität einbringen. Außerdem ist er durch sein bisheriges Onlinestudium bereits gut mit digital gestützten Lernmodellen vertraut. Virtuelle und multimediale Angebote sind zusammen mit klassischen Studienbriefen und wenigen kürzeren Präsenzveranstaltungen ein wesentlicher Bestandteil der Hagener Lehre. Für den IT-Experten passt diese flexible Art des Lernens perfekt in den Alltag.

    Tumeh hofft, dass er irgendwann in ein befriedetes Syrien zurückkehren und beim gesellschaftlichen Wiederaufbau helfen kann. Bis dahin bleibt er in Deutschland, um so viele berufliche und fachliche Qualifikationen wie möglich zu sammeln: „Ich plane auch schon meinen Master.“ Durch seine Anstellung als Informatiker bei einem Lebensmittelproduzenten hat der IT-Experte schon eine konkrete Idee, in welche Richtung er sich später spezialisieren möchte: „An der FernUniversität gibt es auch das Fach Wirtschaftsinformatik. Das finde ich sehr interessant!“

    Perfekte Partnerinnen

    Prof. Dr. Ada Pellert, Rektorin der Hagener Hochschule, zeigt sich überzeugt: „Durch ihre offene Ausrichtung und die große Erfahrung in der digitalen Fernlehre ist die FernUniversität eine ideale Partnerin für Kiron.“ Das hohe Maß an Flexibilität und die große Diversität ihrer Studierendenschaft gehören fest zum Profil der FernUniversität. Auf Basis ihres Blended-Learning-Konzepts kombiniert sie erfolgreich Studienbriefe, Präsenzveranstaltungen und Online-Lehre. So bestehen gute Anschlussmöglichkeiten für Geflüchtete an ihr bisheriges Kiron-Studium – auch wenn sie aufgrund ihrer Lebenssituationen weiterhin flexibel bleiben müssen. Ronny Röwert, Verantwortlicher für akademische Beziehungen bei Kiron, freut sich ebenfalls über die günstige Ausgangslage für die Zusammenarbeit: „Gerade die Flexibilität des Fernstudiums an der FernUniversität hat für viele studieninteressierte Geflüchtete den Vorteil, dass sie mit einem Nebenjob Geld verdienen können und für die Aufnahme des Studiums nicht erneut aus der gewohnten Umgebung umziehen müssen. Darüber hinaus gibt es nach Abschluss des Kiron Online-Programms wenig Veränderungen im Lernformat.“

    „Reibungslos“ ins Fernstudium

    Das Modell von Kiron sieht vor, dass Geflüchtete nach einer Online-Studieneingangsphase an eine Partnerhochschule wechseln, um dort auf einen anerkannten Bachelorabschluss hinarbeiten zu können. An dieser „Nahtstelle“ sieht Prof. Dr. Jörg Desel, Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik, eine wichtige Aufgabe der FernUniversität: „Viele Geflüchtete werden in ihre Heimat zurückkehren und nicht in eine deutsche Universitätsstadt ziehen wollen oder können. Nur ein durchgehendes Fernstudium erlaubt ihnen eine Fortsetzung des Studiums, egal wo sie später wohnen.“

    Künftig können zwei Kiron-Module fließend in die Studieneingangsphase an der Hagener Fakultät für Mathematik und Informatik eingebracht werden: Sie werden als vollwertiges Äquivalent zu den Pflichtmodulen „Mathematische Grundlagen“ und „Einführung in die imperative Programmierung und Datenstrukturen I“ des Bachelorstudiengangs Informatik angerechnet. Darauf aufbauende Kurse werden – wie die übrigen Angebote der FernUniversität – weiterhin in deutscher Sprache angeboten.

    Über Kiron Open Higher Education

    Kiron Open Higher Education (gGmbH) ist eine gemeinnützige EduTech Organisation, welche durch digitale Innovationen geflüchteten Menschen den Zugang zu Hochschulbildung ermöglicht. Das Programm bietet auf einer digital kollaborativen Plattform ein auf die Studierenden angepasstes Curriculum an. Dieses wird durch zusätzliche online und offline basierte Unterstützungsangebote ergänzt.

    Über die FernUniversität in Hagen

    Die FernUniversität in Hagen ist die einzige staatliche deutsche Fernuniversität und mit ihren rund 74.000 Studierenden die größte Hochschule in Deutschland. Sie bietet ihren Studierenden, von denen rund 80 Prozent berufstätig sind, ein hohes Maß an Flexibilität: Das Fernstudium lässt sich mit großer zeitlicher und örtlicher Freiheit in Teilzeit oder Vollzeit gestalten. In der Lehre fußt es auf einem Blended-Learning-Konzept, das verschiedene Medienformen von Online bis Print mit Präsenzveranstaltungen kombiniert. Fachlich reicht das Studienangebot der FernUniversität von der Wirtschaftswissenschaft und der Rechtswissenschaft über die Mathematik und Informatik bis hin zu Kultur- und Sozialwissenschaften. Die Betreuung vor Ort gewährleistet ein breites Netz aus Regional- und Studienzentren mit Standorten im In- und Ausland.


    Weitere Informationen:

    http://www.kiron.ngo - Weitere Infos zu Kiron
    http://e.feu.de/gefluechtete - Angebote der FernUniversität für Geflüchtete


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter
    Informationstechnik, Mathematik
    überregional
    Kooperationen, Studium und Lehre
    Deutsch


    Der Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik Prof. Jörg Desel, Ronny Röwert von Kiron und Rektorin Prof. Ada Pellert (v.li.) freuen sich auf die Zusammenarbeit.


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