Kinder vor Zuckerbomben-Drinks schützen

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27.03.2018 13:06

Kinder vor Zuckerbomben-Drinks schützen

Kerstin Ullrich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten

    Kinderärzte und Ernährungsexperten begrüßen Softdrink-Abgabe in Großbritannien und fordern auch in Deutschland effektivere Maßnahmen gegen Übergewicht

    Würden Sie Ihrem Kind täglich zwei Handvoll Gummibärchen geben? Besser nicht. Aber so viel Zucker, wie darin enthalten ist, nehmen 11- bis 17-Jährige in Deutschland durchschnittlich täglich durch Softdrinks auf. Großbritannien unternimmt nun etwas gegen die flüssigen Kalorienbomben: Ab dem 6. April 2018 wird dort auf Softdrinks eine Herstellerabgabe erhoben. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) fordert eine ähnliche Maßnahme auch für Deutschland, um den hohen Softdrink-Konsum zu senken. „Wir dürfen nicht weiter zusehen, wie durch überzuckerte Produkte die Gesundheit unserer Kinder gefährdet wird. Und das gilt nicht nur für Softdrinks“, sagt Kinder-und Jugendarzt PD Dr. med. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

    Die britische Softdrink-Abgabe beträgt 18 Pence (20 Cent) pro Liter, wenn das Getränk 5 g oder mehr Zucker pro 100 ml enthält. Ab 8 g Zucker steigt sie auf 28 Pence (32 Cent). Bereits vor Inkrafttreten zeigt die Maßnahme Wirkung: Mehrere Hersteller haben den Zuckergehalt in ihren Produkten deutlich gesenkt. Dass eine Abgabe auch den Konsum bremst, beweist Berkeley/Kalifornien, wo diese bereits eingeführt wurde. Der Absatz von Softdrinks sank in Folge um bis zu 21 % – ein großer Gewinn für die Gesundheit der Konsumenten.

    In Deutschland hingegen liegt der Konsum von Softdrinks weiter auf hohem Niveau. 11- bis 17-Jährige trinken im Durchschnitt täglich über
    300 ml Cola, Fanta oder Ähnliches – fast eine ganze Dose! Das entspricht 30 Gramm Zucker, etwa so viel wie in 65 g (oder zwei Handvoll) Gummibärchen enthalten sind. „Mit Appellen an die Eltern ist dieser Trend nicht aufzuhalten“, sagt Rodeck, „hier ist die Politik gefordert.“ Projekte zu gesunder Ernährung in Schulen reichen in keiner Weise, um den riskanten Trend zu stoppen: „Wir brauchen Maßnahmen, die dauerhaft sind und die ganze Bevölkerung erreichen.“

    Die Experten fordern, in Deutschland den Mehrwertsteuersatz für Softdrinks von derzeit 19 % auf 29 % anzuheben. Für ungesunde Produkte, wie Fertigpizzas sollte der Satz auf 19 % (statt heute 7 %) steigen. Im Gegenzug sollten dafür Obst und Gemüse (heute 7%) gänzlich von der Mehrwertsteuer befreit werden. Eine Studie der Universität Hamburg hatte berechnet1, welche Auswirkungen diese Staffelung auf die Ernährung und das Körpergewicht hätte. Ergebnis: Der Anteil stark übergewichtiger Menschen würde nicht weiter ansteigen, sondern bei Männern um circa 8 % und bei Frauen um 3 % sinken.

    Weltweit ergreifen viele Industrieländer bereits politische Maßnahmen gegen Übergewicht. Doch in Deutschland scheitern diese vor allem am Lobbyismus der Lebensmittelindustrie. Die neue Bundesregierung hat nun im Koalitionsvertrag eine „nationale Strategie zur Reduzierung von Übergewicht vor allem bei Kindern und Jugendlichen“ angekündigt. „Dazu müssen unbedingt steuerliche Maßnahmen gegen den hohen Softdrink-Konsum gehören“, sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer.

    QUELLE:
    1 Effertz, Tobias (2017): Die Auswirkungen der Besteuerung von Lebensmitteln auf Ernährungsverhalten, Körpergewicht und Gesundheitskosten in Deutschland, Universität Hamburg
    (http://kurzelinks.de/steuerstudie)

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    RÜCKFRAGEN BITTE AN:

    Bei Fragen zu Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
    Barbara Bitzer
    Telefon: 030 3116937- 24
    Mail: info@dank-allianz.de

    Bei Fragen zur Kinder- und Jugendgesundheit:
    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
    PD Dr. med. Burkhard Rodeck
    Telefon: 030 308 7779-0
    Mail: presse@dgkj.de

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    Über die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)

    Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 22 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, der sich für nachhaltige und bundesweite Primärprävention in Deutschland einsetzt. Denn nichtübertragbare Krankheiten sind weltweit Todesursache Nummer eins. In Deutschland gehen rund zwei Drittel der vorzeitigen Todesfälle darauf zurück, z.B. auf Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen (COPD). Nichtübertragbare Krankheiten bürden PatientInnen und Familien viel Leid und der Gesellschaft enorme Kosten auf. Mit geeigneten Präventionsmaßnahmen sind diese Krankheiten häufig vermeidbar.

    DANK fokussiert dabei auf folgende Ziele und Maßnahmen aus dem WHO Global Action Plan for the Prevention and Control of NCDs 2013-2020, da diese besonders wirksam sind:

    1. Reduzierung des Tabakkonsums (u.a. durch regelmäßige, spürbare Tabaksteuererhöhungen)
    2. Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (u.a. durch Erhöhung der Alkoholsteuer und Erhebung nach Alkoholgehalt)
    3. Verhinderung der Zunahme von Diabetes und Adipositas (u.a. durch eine Zucker-Fett-Salzsteuer)
    4. Steigerung der körperlichen Aktivität (u.a. durch eine tägliche Sportstunde in Kita und Schule)

    Homepage:
    http://www.dank-allianz.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dank-allianz.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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