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28.03.2018 12:49

KiGGS-Studie: Gesunde Ernährung darf nicht vom sozialen Status abhängen

Kerstin Ullrich Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

    Mädchen und Jungen aus benachteiligten Familien sind nach wie vor sehr viel häufiger von Übergewicht und Adipositas betroffen als Gleichaltrige mit hohem sozialen Status. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS), die das Robert Koch-Institut zum dritten Mal in Folge durchgeführt hat. Aus Sicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ist es gesellschaftlich und gesundheitspolitisch nicht zu verantworten, dass die soziale Herkunft die Gesundheit der Heranwachsenden derart stark beeinflusst.

    „Die Politik darf nicht dabei zusehen, dass die Chancen für ein gesundes Aufwachsen ungleich verteilt sind“, sagt DDG-Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland. Bevölkerungsweite Präventionsmaßnahmen seien daher dringend erforderlich.

    Laut Studie ist jedes siebte Kind in Deutschland zu dick: Über 15,4 Prozent der Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig, rund 5,9 Prozent sogar adipös. Gewichtszunahme im Kindes- und Jugendalter führt zu einem hohen Leidensdruck und wirkt sich negativ auf die Gesundheit der Heranwachsenden aus. So begünstigt ein hoher Body-Mass-Index (BMI) Störungen des Fettstoff- und Glukosestoffwechsels und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Diabetes Typ 2. Auffällig ist, dass Kinder und Jugendliche mit sozial schwachem Status die höchsten Risiken für Übergewicht, Zuckerkonsum und Bewegungsmangel haben. „Die Studie zeigt deutlich, dass Gesundheit in Deutschland von sozialen Herkunftskriterien abhängt“, so Müller-Wieland.

    Wie die Langzeitstudie belegt, sind sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche körperlich weniger aktiv als Gleichaltrige, was Übergewicht begünstigt. Obwohl der Anteil Heranwachsender, die täglich gesüßte Softdrinks zu sich nehmen, in den vergangenen zehn Jahren gesunken ist, liegt der Konsum von Softdrinks in Deutschland weiter auf hohem Niveau. 11- bis 17-Jährige trinken im Durchschnitt täglich über 300 Milliliter Cola, Fanta oder Ähnliches pro Tag – fast eine ganze Dose! Das entspricht 30 Gramm Zucker, etwa so viel wie in 65 Gramm (oder zwei Handvoll) Gummibärchen enthalten sind. „Auch hier ist der überproportional hohe Konsum bei sozial schwachen Kindern und Jugendlichen auffällig“, bedauert Müller-Wieland. Insgesamt sind Heranwachsende aus bildungsfernen Schichten rund viermal so häufig von Adipositas betroffen wie sozial besser situierte Altersgenosse, bilanziert die KiGGS-Studie.

    Zwar haben viele Kindertagesstätten und Schulen gesüßte Getränke aus ihrem Angebot gestrichen. Doch reicht das nach Auffassung der DDG bei Weitem noch nicht aus. „Für die Verpflegung in Schulen und Kitaeinrichtungen müssen die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verbindlich eingeführt werden“, plädiert DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. Es sei offensichtlich, dass die bisherigen Präventionsstrategien insbesondere sozialschwache Bevölkerungsschichten nicht erreicht haben. Folgerichtig müsse endlich ein Paradigmenwechsel von einer Verhaltens- zu einer Verhältnisprävention erfolgen. „Gesunde Ernährung muss allen Kindern in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zugänglich sein, unabhängig von ihrem Sozialstatus“, so Bitzer.

    Ebenso sollte täglich mindestens eine Stunde Sport in Kindertagesstätten und Schulen verpflichtend angeboten werden. Mehr als drei Viertel der Mädchen und zwei Drittel der Jungen in Deutschland verfehlen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), knapp eine Stunde lang am Tag körperlich aktiv zu sein. „Es besteht akuter Bedarf an Bewegungsförderung“, betont Bitzer.

    Auch ein gestuftes Mehrwertsteuersystem für Lebensmittel ist für die DDG längst überfällig. So sollten ungesunde Produkte mit hohem Anteil an Zucker, Fett und Salz sowie süße Softdrinks mit dem vollen Mehrwertsteuersatz belegt werden, gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse hingegen von der Mehrwertsteuer befreit werden. Ein sinnvolles Plus wäre eine zusätzliche Besteuerung von Soft Drinks mit 28 Prozent Mehrwertsteuer. Ebenso fordert die DDG ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel. „Die Politik muss es den Menschen erleichtern, einen gesunden Lebensstil zu pflegen“, sagt Müller-Wieland. „Das würde dazu beitragen, dass künftig immer weniger Menschen an Diabetes erkranken.“

    Quellenangaben:

    Robert Koch-Institut: Die allgemeine Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends
    https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/JoHM/2018/JoHM_Inhalt_18_01....

    Effertz, Tobias (2017): Die Auswirkungen der Besteuerung von Lebensmitteln auf Ernährungsverhalten, Körpergewicht und Gesundheitskosten in Deutschland, Universität Hamburg, URL: http://www.ddg.info/fileadmin/Redakteur/Studie-gesunde-MwSt.pdf

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    Die DDG schreibt in diesem Jahr vier Medienpreise aus, die mit insgesamt 6.000 Euro dotiert sind. Eingereicht werden können Artikel (Print und Online), Fernseh- und Hörfunk-Beiträge sowie Websites, Blogs oder YouTube-Videos (für die neue Kategorie „Online-Sonderpreis“), die zwischen dem 1. August 2017 und dem 31. Juli 2018 publiziert wurden. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2018. Weitere Informationen zur Ausschreibung auf der DDG Webseite.

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    Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
    Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.
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    Kontakt für Journalisten:
    Pressestelle DDG
    Kerstin Ullrich
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-641, Fax: 0711 8931-167
    ullrich@medizinkommunikation.org

    Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
    Geschäftsstelle
    Katrin Bindeballe
    Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
    Tel.: 030 3116937-24, Fax: 030 3116937-20
    bindeballe@ddg.info
    www.ddg.info


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
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    Deutsch


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