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09.04.2018 11:12

Symposium beim 124. Internistenkongress: Internisten in Diktatur und junger Demokratie

Janina Wetzstein Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

    Wiesbaden/Mannheim – Im Rahmen des 124. Internistenkongresses in Mannheim stellt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) weitere Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit der Öffentlichkeit vor. Bereits im Jahr 2015 thematisierte eine Ausstellung die Rolle der Fachgesellschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Untersuchungen hat die DGIM gemeinsam mit Historikern nun fortgesetzt, so dass sie die Zeit von 1933 bis 1970 umfasst.

    Ergebnisse und eine zum 124. Internistenkongress erscheinende Veröffentlichung stellt DGIM Generalsekretär Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch bei der Eröffnungs-Pressekonferenz am 14. April 2018 anlässlich der Jahrestagung der DGIM vor.

    2011 hatte sich die DGIM entschlossen, ein Forschungsprojekt auf den Weg zu bringen, um die Rolle von Internisten in der Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten – die der Täter und der Opfer. „Dabei ging es von Anfang an nicht darum, einzelne Personen zu brandmarken oder pauschal zu verurteilen. Vielmehr war es die Absicht, das in den eigenen Reihen nur verschwommen erhalten gebliebene historische Wissen schärfer zu konturieren“, erklärt Professor Fölsch aus Kiel das Anliegen der Fachgesellschaft. Wunsch des Vorstands war es, Transparenz herzustellen, um zu klären, wie es passieren konnte, dass sich auch eine Fachgesellschaft wie die DGIM sehr weitgehend einem Unrechtsregime unterworfen hat.

    Nachdem die Rolle der DGIM in der NS-Zeit bereits teilweise beleuchtet und diskutiert wurde, thematisiert die aktuelle Veröffentlichung nun im Detail Informationen zur Fachgesellschaft vor und während des zweiten Weltkriegs und den Nachkriegsjahren. Dazu gehören auch die Konflikte in der Aufarbeitung der NS-Zeit durch Mitglieder der DGIM bis zu den 1968er-Jahren. „Im Vorstand der DGIM war es uns ein Anliegen, es nicht bei einem Schlaglicht auf die Kriegsjahre zu belassen, sondern die bei der Fachgesellschaft liegende Verantwortung auch über die Jahrzehnte danach genau zu analysieren, durch Quellenrecherche aufzuarbeiten und für die Öffentlichkeit einsehbar zu belegen“, sagt Professor Dr. med. Cornel Sieber, Vorsitzender der DGIM und Kongresspräsident aus Nürnberg/Regensburg. Gemeinsam mit den Historikern PD Dr. Ralf Forsbach und Professor Dr. Hans-Georg Hofer veröffentlicht die DGIM das Buch „Internisten in Diktatur und junger Demokratie“ anlässlich des 124. Internistenkongresses, in dem die Autoren Erkenntnisse der geschichtswissenschaftlichen Forschungen zusammenfassen und auswerten. Am 14. April 2018 wird im Rahmen des Internistenkongresses dazu auch ein Symposium mit dem Titel „Die DGIM in NS-Zeit und junger Demokratie“ stattfinden.

    Konkret wirksame Konsequenzen aus Erkenntnissen über ihre Historie hat die DGIM bereits in den vergangenen Jahren gezogen: Nach den ersten Forschungsarbeiten wurde die höchste Auszeichnung der Fachgesellschaft umbenannt. Sie trägt seitdem nicht mehr den Namen des ebenfalls in das NS-Regime verstrickten Gustav von Bergmann, sondern den des jüdischen Internisten Leopold Lichtwitz. Als Bekenntnis zu ihrer historischen Verantwortung verabschiedete der Vorstand zudem eine Erklärung, in der sie betont, wie verletzlich die Errungenschaften freiheitlicher Gesellschaften sind und wie wichtig das permanente Ringen um Toleranz, Offenheit und Rechtsstaatlichkeit ist. Die jetzt aufgearbeitete DGIM-Historie zeigt, wie schon Jahre vor dem Nationalsozialismus eine Verschiebung der „Grundeinstellungen“ gegenüber Juden in der Bevölkerung stattgefunden hat, so dass der Boden für die Machtergreifung der Nazis zunächst kaum merklich bereitet wurde. Entscheidend sei, so Professor Fölsch: „Am Ende müssen wir uns alle die Frage stellen, was passiert wäre, wenn wir in der damaligen Zeit gelebt hätten. Hätten wir uns durch die jahrelange ‚feine Verschiebung unserer Grundeinstellung‘ genauso verhalten wie die in dem jetzt erschienenen Buch beschriebenen Täter und Mitläufer? Hätten wir Widerstand geleistet – in welcher Form auch immer – womöglich auch unter dem Risiko massivster Repressalien der bestehenden Diktatur?“ Die Auseinandersetzung der DGIM mit der eigenen Historie solle auch heute dazu anregen, das persönliche und gesamtgesellschaftliche Handeln immer wieder aufs Neue kritisch daraufhin zu prüfen.

    – Bei Abdruck Beleg erbeten –

    Terminhinweis:

    Symposium: Die DGIM in NS-Zeit und junger Demokratie. Zur Geschichte der Fachgesellschaft 1933–1970
    Vorsitz: U.-R. Fölsch (Kiel), H.-G. Hofer (Münster)
    Termin: 14 April 2018, 10:00 bis 11:30 Uhr, Saal 23
    Ort: Congress Center Rosengarten
    Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

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    Übersicht über die Pressekonferenzen beim 124. Internistenkongress

    Vorab-Pressekonferenz der
    Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

    Termin: Donnerstag, 12. April 2018, 11.00 bis 12.00 Uhr
    Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim (Richard Strauss)
    Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim

    Vorläufige Themen und Referenten:

    Ausblick auf den 124. Internistenkongress
    Professor Dr. med. Cornel C. Sieber
    Vorsitzender der DGIM 2017/2018, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Direktor Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg

    HIV – vom Todesurteil zur chronischen Krankheit:
    Was heute in der Behandlung entscheidend ist
    Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer
    Leiter der Infektiologie, Klinik I für Innere Medizin, der Universitätsklinik Köln, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Leiter der Task Force Infektiologie der DGIM

    Nahrung als Medizin: Was alte Menschen stärkt – und was ihnen schadet
    Professor Dr. med. Jürgen M. Bauer
    Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG), Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg

    Verwirrtheit als Begleiterscheinung des Alters? Was noch dahinterstecken kann
    Professor Dr. med. Martin Wehling
    Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

    Moderation: Anne-Katrin Döbler, Pressestelle der DGIM

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    Eröffnungs-Pressekonferenz der
    Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

    Termin: Samstag, 14. April 2018, 12.45 bis 13.45 Uhr
    Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim (Johann Sebastian Bach)
    Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim

    Vorläufige Themen und Referenten:

    „Inflamm-Aging“ – Ist das Alter eine Entzündung?
    Professor Dr. med. Cornel C. Sieber
    Vorsitzender der DGIM 2017/2018, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Direktor Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg

    Internisten in Diktatur und junger Demokratie: Die DGIM von 1933 bis 1970
    Professor Dr. med. Ulrich R. Fölsch
    Generalsekretär der DGIM aus Kiel

    Medizin für und mit alten Menschen: Haben Internisten ausreichend „Handwerkszeug“ dafür?
    Privatdozentin Dr. med. Katrin Singler
    Kongressteam der DGIM 2018, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, Klinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg

    Diskussion ums Fernbehandlungsverbot: Kann Telemedizin den Handschlag des Arztes ersetzen?
    Professor Dr. med. Friedrich Köhler
    Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

    Robotik in der Kranken- und Altenpflege: Aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen
    Professor Dr. med. Elisabeth André
    Inhaberin des Lehrstuhls für Multimodale Mensch-Technik-Interaktion am Institut für Informatik der Universität Augsburg

    Moderation: Anne-Katrin Döbler, Pressestelle der DGIM

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    Mittags-Pressekonferenz der Korporativen Mitglieder der
    Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

    Termin: Sonntag, 15. April 2018, 11.30 bis 12.30 Uhr
    Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim, Saal 12 (Johann Sebastian Bach)
    Zugang über: Congress Center Rosengarten
    Adresse: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

    „Masern, MRSA, Mikrobiom: Infektionen vorbeugen, bekämpfen und besiegen“

    Vorläufige Themen und Referenten:

    Antibiotikaentwicklung in Zeiten neuer Infektionen
    Prof. Dr. Hans-Georg Sahl, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Pharmazeutische Mikrobiologie

    Masern-Zahlen in Europa 2017: Was Sie über die unterschätzte Infektion wissen sollten
    Prof. Dr. Dr. med. Sabine Wicker, Vorsitzende der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln beim Robert Koch-Institut

    Infektionen bestmöglich vermeiden und behandeln: Welchen Unterschied die Ausbildung des Arztes macht
    Prof. Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM, Kiel

    Gesundheitsfaktor Mikrobiom: Modulation durch Präbiotika, Probiotika oder Antibiotika
    Prof. Dr. Andreas Stallmach, Universitätsklinikums Jena, Klinik für Innere Medizin IV, Jena

    Moderation: Pressestelle der DGIM

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    Mittags-Pressekonferenz der
    Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

    Termin: Dienstag, 17. April 2018, 12.30 bis 13.30 Uhr
    Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim (Johann Sebastian Bach)
    Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim

    Vorläufige Themen und Referenten:

    Fazit zum 124. Internistenkongress
    Professor Dr. med. Cornel C. Sieber
    Vorsitzender der DGIM 2017/2018, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Direktor Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg

    Gesundheitspolitik im Koalitionsvertrag – Wie sich die DGIM positioniert
    Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch
    Generalsekretär der DGIM aus Kiel

    Die „Innere Uhr“: Wie sie uns beeinflusst und wie wir sie beeinflussen können
    Professor Dr. rer. nat. Henrik Oster
    Direktor des Instituts für Neurobiologie an der Universität Lübeck

    Klinik Codex der DGIM: Aktuelle Entwicklung der Initiative
    Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger
    Ärztliche Direktorin des Zentrums Innere Medizin / Fünf Höfe, München

    125. Internistenkongress: Ausblick und Schwerpunkte
    Professor Dr. med. Claus Franz Vogelmeier
    Vorsitzender der DGIM 2018/2019, Direktor der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie des Universitätsklinikums Gießen/Marburg

    Moderation: Pressestelle der DGIM

    Pressekontakt für Rückfragen:
    Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
    Pressestelle
    Janina Wetzstein
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-457
    Fax: 0711 8931-167
    wetzstein@medizinkommunikation.org
    http://www.dgim.de | http://www.facebook.com/DGIM.Fanpage/ | http://www.twitter.com/dgimev


    Weitere Informationen:

    http://www.dgim.de
    http://www.facebook.com/DGIM.Fanpage/
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Medizin, Religion
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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