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11.04.2018 06:00

Gesundheitsgefahren durch Blei am Arbeitsplatz

Dr. Thomas Nesseler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

    München, 11. April 2018 – Berufskrankheiten durch eine Vergiftung mit Blei oder Bleiverbindungen werden nur noch selten gemeldet bzw. anerkannt. Es gibt jedoch durchaus immer noch Arbeitsplätze, an denen Mitarbeiter dem giftigen Schwermetall ausgesetzt sind. Eine arbeitsmedizinische Vorsorge inklusive Biomonitoring kann dazu beitragen, frühzeitig Lücken im Arbeitsschutz aufzudecken und Erkrankungen durch eine chronische Bleibelastung vorzubeugen.

    Chronische Bleibelastung schädigt die Gesundheit

    Tritt Blei in Form von Stäuben, Dämpfen oder Rauchen auf, kann dies für die Gesundheit gefährlich werden. Die Aufnahme erfolgt in erster Linie über das Einatmen. Wird die Arbeitshygiene nicht penibel eingehalten, kann der Gefahrstoff auch über den Magen-Darm-Trakt in den Körper gelangen. Bei langfristiger Belastung kann dies zu Abgeschlagenheit, Appetitmangel, chronischen Darmbeschwerden, Bauchschmerzen, Anämie (Blutarmut) oder einer Schädigung des Nervensystems führen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stuft in den „Technischen Regeln für Gefahrstoffe“ metallisches Blei als reproduktionstoxisch ein – also schädigend für die Fortpflanzungsfähigkeit und pränatale Entwicklung.

    Arbeitsplätze mit Bleibelastung

    Auch wenn das Bewusstsein für potenzielle Gefahrenquellen nicht mehr so ausgeprägt ist gibt es nach wie vor Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen, die zu einer gesundheitsgefährdenden Bleibelastung führen können. Das ist in erster Linie in der Metallverarbeitung der Fall, wie in Bleihütten oder industriellen Anlagen. Vor allem wenn Blei in metallischer Form direkt gesägt, geschliffen oder poliert wird, wie beim Abbürsten und Abbrennen bleihaltiger Korrosionsschutzanstrichen auf Eisenträgern u.Ä. Darüber hinaus müssen auch Berufsgruppen mit Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten (Blei als Lötmaterial für Rohre und Drähte) oder Restauratoren in der Glasmalerei (Bleieinfassung von Glasfenstern) mit einer Bleiexposition rechnen. Durch die Staubbelastung auf Baustellen können zudem auch Beschäftigte betroffen sein, die nicht selbst direkt mit dem Metall arbeiten.

    Bleibelastung am Arbeitsplatz kann gemindert werden

    Zunächst sollte geprüft werden, ob der Einsatz von Blei oder bleihaltigen Verbindungen durch eine Änderung des Arbeitsverfahrens komplett vermieden werden kann. Ist das nicht möglich, müssen technische Maßnahmen am Arbeitsplatz wie geschlossene Systeme oder Absaugeinrichtungen umgesetzt werden. Gegebenenfalls ist das Tragen von Schutzkleidung und Atemschutz notwendig sowie die spezielle Reinigung der Arbeitskleidung. Besonders wichtig ist die sorgfältige Arbeitshygiene: Essen, Trinken und Rauchen in Arbeitsbereichen sind tabu. Zudem sollte auf eine strikte Trennung von Arbeits- und Pausenbereichen geachtet werden.

    Arbeitsmedizinische Vorsorge mit Biomonitoring wichtig

    Durch Verbesserungen im Arbeitsschutz und technologische Weiterentwicklungen spielen Erkrankungen durch Blei oder Bleiverbindungen als Berufskrankheit zwar keine große Rolle mehr, dennoch bestehen immer noch ernstzunehmende Gesundheitsgefahren. Eine entsprechende arbeitsmedizinische Vorsorge kann dazu beitragen, frühzeitig chronischen Bleibelastungen vorzubeugen. Bei der Pflichtvorsorge ist das Messen des Blutbleispiegels anzubieten. Sinnvoll ist das Biomonitoring, mit dem der Betriebsarzt genaue Hinweise über die individuelle Belastungssituation erhält und Schadstoffe im Körper quantitativ nachweisen kann. Dadurch ist er in der Lage, zu gezielten Maßnahmen bzw. Standards der allgemeinen Arbeitshygiene zu beraten und wertvolle Präventionsarbeit zu leisten. Durch stärkere präventive Maßnahmen könnten so Erkrankungen durch Blei endlich der Vergangenheit angehören.

    Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Beitrag „Gesundheitsgefahren durch Blei“ von Dr. med. Ursula Peschke in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin“ (ASU) unter https://www.asu-arbeitsmedizin.com/Archiv/ASU-Heftarchiv/article-813649-110576/g....

    Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:
    Alfons W. Gentner Verlag GmbH & Co. KG
    Dr. med. Annegret Schoeller
    Forststr. 131 • 70193 Stuttgart
    Tel. 0711/63 672-896 • Fax 0711/63 672-711
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    Über ASU – Zeitschrift für medizinische Prävention:
    Die Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin“ ist das Leitmedium der deutschsprachigen Arbeitsmedizin. Das Publikationsorgan der Fachinstitutionen DGAUM, ÖGA, SGARM, VDBW, Vereinigung Deutscher Staatlicher Gewerbeärzte e.V. sowie der arbeitsmedizinischen Akademien und richtet sich an Betriebsärzte, Arbeitsmediziner und Akteure in wichtigen Schnittstellenbereichen zur Arbeitsmedizin. Die Zeitschrift ist peer reviewed. 1965 gegründet, erscheint ASU monatlich und erreicht nahezu alle arbeits- und präventionsmedizinisch orientierten Akteure im deutschsprachigen Raum. Weitere Informationen unter http://www.asu-arbeitsmedizin.com.

    Kontakt DGAUM:
    Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.
    Hauptgeschäftsführer: Dr. Thomas Nesseler
    Presse: Berit Kramer
    Schwanthaler Str. 73 b • 80336 München
    Tel. 089/330 396-0 • Fax 089/330 396-13
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    http://www.dgaum.de

    Über DGAUM:
    Die DGAUM wurde 1962 gegründet und ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Ihr gehören heute über 1000 Mitglieder an, die auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin und Umweltmedizin arbeiten, vor allem Ärztinnen und Ärzte, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen wie etwa Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Mitglieder der Fachgesellschaft engagieren sich nicht nur in Wissenschaft und Forschung, um so bereits bestehende Konzepte für die Prävention, die Diagnostik und Therapie kontinuierlich zu verbessern, sondern sie übernehmen die ärztliche und medizinische Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an der Schnittstelle von Individuum und Unternehmen. Darüber hinaus beraten die Mitglieder der DGAUM alle Akteure, die ihren Beitrag zu der medizinischen Versorgung leisten und auf Fachwissen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention, der arbeits- und umweltbezogenen Diagnostik und Therapie, der Beschäftigungsfähigkeit fördernden Rehabilitation sowie aus dem versicherungsmedizinischen Kontext angewiesen sind. Weitere Informationen unter http://www.dgaum.de.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Maschinenbau, Medizin, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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