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13.04.2018 10:58

Hepatitis C lässt sich bei HIV-positiven Männern eliminieren

Nathalie Plüss Unternehmenskommunikation
UniversitätsSpital Zürich

    HIV-positive Männer, die Sex mit Männern haben, können sich über den sexuellen Weg mit Hepatitis C infizieren. Eine Kombination von hochwirksamen Hepatitis-C-Medikamenten und Verhaltensintervention kann die Viruserkrankung in dieser Risikogruppe eliminieren. Das zeigt eine vom UniversitätsSpital Zürich durchgeführte, schweizweite Studie.

    Weltweit nimmt die Zahl der HIV-positiven Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und sich zusätzlich mit Hepatitis C (HCV) anstecken, deutlich zu. «Seit 2008 sehen wir in der Schweiz in dieser Risikogruppe einen fast zwanzigfachen Anstieg von neuen Hepatitis C-Infektionen», sagt Studienarzt Dominique Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des UniversitätsSpitals Zürich. Die Beobachtung entstammt der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie, deren Teilnehmer routinemässig einmal im Jahr auf HCV getestet werden.

    SwissHCVree Trial

    Im Rahmen einer schweizweiten Studie testeten Braun und Kollegen in einer ersten Phase alle 4’000 HIV-infizierten MSM aus der Schweizerischen Kohortenstudie mit dem modernsten Verfahren auf Hepatitis C. Dabei fanden sie 177 HCV-Infektionen. 31 Teilnehmer hatten sich im vergangenen Jahr neu infiziert, die übrigen litten an einer chronischen Hepatitis C. In der zweiten Phase der Studie wurde allen Teilnehmern eine kostenlose Behandlung mit hochwirksamen Anti-Hepatitis-Präparaten angeboten. «Zu der Zeit übernahmen die Krankenkassen die bis zu 80'000 Franken teure Therapie nur bei einem kleinen Teil der HCV-infizierten Personen in der Schweiz», sagt Studienarzt Braun.

    Insgesamt liessen sich 90 Prozent der Studienteilnehmer medikamentös behandeln. Während zwölf Wochen nahmen sie täglich ein Präparat ein. Bis auf einen konnten alle Teilnehmer von ihrer Hepatitis C-Infektion geheilt werden. Die meisten Studienteilnehmer profitierten zusätzlich von einer Verhaltensintervention mit dem Ziel ihr sexuelles Risikoverhalten zu reflektieren. Die Verhaltensintervention wurde von einer Forschergruppe von der Universität Basel eigens für den Swiss HCVree Trial entwickelt. In vier Sitzungen wurden die Teilnehmer mittels Videomaterial und Gesprächen darauf geschult, sexuell riskantes Verhalten zu reduzieren und damit das Risiko einer erneuten HCV-Infektion zu minimieren.


    Halb so viele Neuinfektionen

    Gleich im Anschluss an die Behandlungsphase wiederholten Braun und Kollegen den HCV-Test an derselben Personengruppe wie in der ersten Phase. Dabei fanden sie 92 Prozent weniger chronisch Infizierte, die Zahl der Neuinfektionen war halbiert. «Wir haben mit unserer Studie gezeigt, dass man in einer Risikopopulation mit gezielten Massnahmen Hepatitis C eliminieren kann», sagt Jan Fehr, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des UniversitätsSpitals Zürich und Leiter der Studie. Die in der Studie untersuchte Kombination von medikamentöser Therapie und Verhaltenstherapie wertet er als geeignete Methode, um Hepatitis C bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, bis zum Jahr 2030 zu eliminieren, was die WHO als Ziel vorgegeben hat. «Die Studie hat zudem Modellcharakter; das grundlegende Prinzip, mit umfassender Diagnostik und angewandter Therapie die Übertragungskette zu unterbrechen, lässt sich auch auf andere Bevölkerungs- oder Patientengruppen übertragen.»

    Die Resultate des «SwissHCVree Trial» wurden kürzlich an der HIV-Konferenz CROI in Boston präsentiert. Ziel der Studie ist es, allen HIV/HCV-positiven MSM eine Behandlung und Heilung ihrer HCV-Infektion zu ermöglichen und so die Übertragungskette zu stoppen. Damit verbunden ist die «Vision einer Hepatitis-C-freien Schweiz».

    Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie besteht seit 30 Jahren und verfügt über Daten von mehr als 20'000 HIV-Infizierten. Aktuell werden im Rahmen der Studie 10'000 Personen medizinisch betreut. Beteiligt sind alle Universitätsspitäler der Schweiz, mehrere Kantonsspitäler sowie spezialisierte niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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