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19.04.2018 13:09

Würdigung des Friedenswerks der "Madres de la Candelaria"

Klaus P. Prem Presse - Öffentlichkeitsarbeit - Information
Universität Augsburg

    Für ihren Einsatz für in Kolumbien entführte und vermisste Personen wird Teresita Gaviria mit dem Mietek Pemper Preis der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung 2018 ausgezeichnet

    Augsburg/AR/KPP – Teresa Gaviria, bekannt als Teresita, ist die Gründerin und Vorsitzende des Vereins „Caminos de Esperanza. Madres de la Candelaria“ (Wege der Hoffnung. Mütter der erleuchteten Maria). Dieser Verein kümmert sich seit mittlerweile 16 Jahren darum, die Wahrheit über die in Kolumbien verschwundenen, vermissten, entführten oder ermordeten Personen herauszufinden. „La Candelaria“ ist der Verweis auf die erleuchtete Maria, die den Mördern ihres Sohnes vergibt, um Frieden zu ermöglichen, statt nach Rache zu trachten. „Frau Gaviria hat die Jury mit ihrer bewegenden Geschichte, mit ihrem Mut und mit ihrer Versöhnungsbereitschaft tief beeindruckt – sie ist eine ideale Kandidatin für den Preis“, so Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel.

    Forderung nach Wahrheit und Rückkehr der Vermissten

    Jeden Freitag treffen sich hauptsächlich die Mütter der vermissten Personen sowie einige Väter, Geschwister, andere Familienangehörige und Freunde und fordern die Vermissten lebend, in Freiheit und in Frieden zurück. Sie sind gemeinsam auf der Suche nach der Wahrheit, denn erst mit der Gewissheit über die vermissten Angehörigen lässt sich wieder ein Leben in Frieden und mit Zuversicht fortsetzen bzw. neu beginnen. Die Zusammenkunft findet immer vor der Iglesia Nuestra Señora de la Candelaria in Medellin, Kolumbien statt.

    Die Organisation

    Die Organisation „Caminos de Esperanza. Madres de la Candelaria“ bildet Mediatoren aus und fördert Zurückkehrende, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen, damit sie sich professionell um die Hinterbliebenen kümmern können. Nur wer sich aussöhnt, gelangt zur Wahrheit, kann vergeben und wird frei von Hass und Bitterkeit. Die Vereinigung der Mütter der Candelaria gibt den Verbliebenen/Opfern eine Stimme, auch im Prozess gegen die FARC-Rebellen. Die Frauen setzen auf Aussöhnung und Vergebung als Basis für eine friedliche Zukunft in Kolumbien. Auslöser für das Wirken Teresita Gavirias war die Entführung ihres Sohnes im Jahr 1998. Inzwischen kam die Wahrheit über sein Schicksal ans Licht, er wurde von den Rebellen ermordet.

    Unkonventioneller, nachhaltiger und versöhnungsorientierter Einsatz für die Entrechteten

    Wie Mietek Pemper setze sich Frau Gaviria unter Hinnahme großer Gefahr für ihr eigenes Leben für die Entrechteten, aber auch für die Versöhnung zwischen Tätern und Opfern ein, so die Jury des Mietek Pemper Preises. Gaviria werde in ihrer Person und mit ihrem Wirken allen Maßstäben, die an die Trägerinnen und Träger dieser Auszeichnung angelegt werden, in herausragender Weise gerecht:

    1) Teresita Gavirias Wirken ist auf Versöhnung ausgerichtet: Das zentrale Anliegen von Frau Gaviria ist es, die Versöhnung zwischen Opfern und Tätern zu ermöglichen. Nur wenn die Wahrheit bekannt ist, sind eine Versöhnung und Vergebung der Tat möglich, weshalb Frau Gaviria solange protestieren wird, bis die Wahrheit über alle Verbrechen bekannt ist.

    2) Teresita Gavirias Wirken verspricht, nachhaltig zu sein: Frau Gaviria ist seit 16 Jahren auf der Suche nach der Wahrheit und das obwohl bereits vor einigen Jahren die Wahrheit über ihren eigenen vermissten Sohn bekannt wurde und ihr eigentlicher und ursprünglicher Antrieb somit nicht mehr existent ist. Sie vergab dem Täter. Die Ausbildung von Mediatoren sorgt für eine nachhaltige Wirkung und Verstetigung ihres Wirkens.

    3) Teresita Gaviria scheut keine persönlichen Nachteile: Laut auszusprechen, wer vermisst wird, war besonders vor 16 Jahren, als Frau Gaviria die Organisation gründete, eine Gefahr für das eigene Leben. Sowohl Rebellen, als auch Beamte oder Regierungstruppen waren potentielle Täter und eine Bedrohung für alle, die die Wahrheit herausfinden wollten.

    4) Teresita Gavirias Wirken ist unkonventionell: Frau Gaviria nutzte einen ungewöhnlichen Weg, um auf das geschehene Unrecht aufmerksam zu machen: Sie und ihre zunächst sechs Leidensgenossinnen stellten sich vor die Kirche und skandierten Aufforderungen an die Täter, die Opfer lebendig zurückzugeben („Los queremos vivos, libres y en paz“) und hielten Bilder der Vermissten in die Luft. Frau Gaviria und die anderen Mütter suchen die Wahrheit, um Frieden zu ermöglichen, sie machen die Opfer sichtbar, um die Ungerechtigkeit sichtbar zu machen und sie unterstützen die Hinterbliebenen sowie den Staat auf dem oft einzigen Weg, den Verbleib Vermisster zu klären: bei der Exhumierung von Verstorbenen und deren Identifikation.

    Feierliche Preisverleihung am 25. April 2018

    Die feierliche Verleihung des „Mietek Pemper Preises der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung“ 2018 beginnt am 25. April um 20.00 Uhr im Goldenen Saal des Rathauses Augsburg (Rathausplatz 1, 86150 Augsburg). Zutritt ist nur nach vorheriger Anmeldung und beim Vorweis einer Einladungskarte möglich.

    Die Laudatio hält Barbara Lochbihler, die seit 2009 Abgeordnete für Bündnis 90/Die GRÜNEN im Europäischen Parlament sowie außen- und menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion Die Grünen/EFA und stellvertretende Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses ist.
    Barbara Lochbihler beschäftigt sich seit den 1990er Jahren mit Menschenrechtsschutz, sexualisierter Gewalt in Kriegen, Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie der Rolle von Frauen in Friedensprozessen. Von 1999 bis 2009 war sie Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, von 1992 bis 1999 Generalsekretärin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Genf.
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    Bisherige Trägerinnen und Träger ...

    ... des vor zwölf Jahren von Dr. Georg Haindl initiierten und mit 10.000 Euro dotierten „Mietek Pemper Preises der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung“, der gemeinsam von der Universität und der Stadt Augsburg vergeben wird, sind:

    • 2016: der italienische Anti-Mafia-Priester Don Luigi Ciotti (https://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2016/okt-dez/2016_139/)

    • 2014: die kenianische Frauenrechtlerin Selline Korir (http://idw-online.de/de/news579060)

    • 2012: die Versöhnungsaktivisten Khaled Abu Awwad und Nir Oren als führende Köpfe des palästinensisch-israelischen "Parents Circle Families Forum" (http://idw-online.de/de/news478259)

    • 2009: der inzwischen verstorbene US-Sonderbeauftragte und Botschafter Richard C. Holbrooke für seine Verdienste, die er sich in den 1990er Jahren bei der Beilegung der Balkankriege erworben hatte (http://idw-online.de/de/news348064)

    • und 2007 als Erste die Schweizer Juristin Carla Del Ponte in ihrer Eigenschaft als Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichthofs für Ruanda und des Internationalen Strafgerichtshofs für das frühere Jugoslawien (http://idw-online.de/de/news236135).
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    Ansprechpartnerin:
    Dr. Anna-Magdalena Ruile
    Universität Augsburg
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Telefon: 0821/598-2099
    anna.ruile@presse.uni-augsburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    fachunabhängig
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
    Deutsch


    Als Gründerin und Vorsitzende der "Madres de la Candelaria" sucht Teresita Gaviria unermüdlich nach der Wahrheit hinter den unzähligen Entführten und Ermordeten des Bürgerkriegs in Kolumbien.


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