Künstliche Intelligenz: Kernpunkte zur französischen KI-Strategie

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24.04.2018 12:18

Künstliche Intelligenz: Kernpunkte zur französischen KI-Strategie

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

    Dass die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz für den französischen Staatspräsidenten ein vorrangiges Ziel ist, hat er bereits sehr frühzeitig durch die Beauftragung des Abgeordneten und Trägers der Fields-Medaille, Cédric Villani, mit dem Verfassen eines Berichts über Künstliche Intelligenz (KI) deutlich gemacht, auf dessen Grundlage er am 29. März 2018 eine Nationale Strategie für Künstliche Intelligenz vorgestellt hat. Ein solcher Gestaltungswille ist unter den europäischen Regierungschefs bei diesem Thema bislang beispiellos.

    Die Künstliche Intelligenz ist mehr als nur ein Forschungsgebiet, sie ist ein Schlüssel zur Welt von Morgen. Sie ist „eine technologische, aber auch wirtschaftliche, soziale, ethische und [somit] politische Revolution“, so Emmanuel Macron. Demzufolge ist ihre Beherrschung für die Souveränität von wesentlicher Bedeutung. Wenn wir uns ihrer nicht annehmen, werden es andere an unserer Stelle tun. Die USA und China sind im Rennen um die Beherrschung dieser bahnbrechenden Technologie bereits sehr weit vorangeschritten. Es gilt also keine Zeit zu verlieren.

    Es ist schwierig, die Folgen der Künstlichen Intelligenz für den Arbeitsmarkt abzusehen: Sie wird einige Arbeitsplätze zerstören und andere schaffen. Sicher ist, dass sie alle Berufszweige tiefgreifend verändern wird. Und sie wird selbst Antworten auf diese Veränderungen liefern, z.B. durch effizientere Weiterbildungen. Es ist deshalb entscheidend, die dafür notwendige Technologie zu beherrschen.

    Ihre Entwicklung wirft wichtige ethische Fragen auf, z.B. in Bezug auf die Neutralität von Algorithmen, die Verwendung personenbezogener Daten oder die digitale Inklusion.

    Bezüglich der KI „dürfen wir weder Angst haben, noch naiv sein: es bedarf einer Strategie“, um „den technischen und den menschlichen Fortschritt gleichermaßen voranzubringen.“

    Unser Land verfügt über zahlreiche Vorteile, um eine führende Position einzunehmen, insbesondere über anerkannte hervorragende Leistungen in der Mathematik und der Informatik. Viele leitende Angestellte von KI-Forschungsabteilungen in den wichtigsten Unternehmen der Digitalindustrie sind heute Franzosen.

    Um diese Vorteile auch nutzen zu können, konzentriert sich die vom Staatspräsidenten vorgestellte Strategie auf vier Herausforderungen:

    1) Stärkung des KI-Ökosystems, um die besten Talente anzuziehen, denn die „Entwicklung der Künstlichen Intelligenz bedeutet zunächst einmal auf menschliche Intelligenz zu setzen.“
    - Schaffung eines nationalen Plans für KI, der vom französischen Institut für Informatik und Automatik (INRIA) koordiniert wird
    - Verdopplung der Anzahl von Studierenden im Bereich KI bis zum Ende der Amtszeit
    - Stärkung der Synergien zwischen öffentlicher Forschung und Industrie: ein Forscher wird die Hälfte seiner Zeit einem Unternehmen widmen können (gegenüber heute 20%)
    - Schaffung individueller Lehrstühle, um die besten Forscher zu gewinnen, und Ausschreibung von Projekten, um die besten Forschungsprojekte anzuziehen

    2) Entwicklung einer Politik der offenen Daten , vor allem in den Bereichen, in denen Frankreich bereits über herausragendes Potential verfügt, wie im Gesundheitssektor.
    - Weitere Öffnung öffentlicher bzw. mit öffentlichen Geldern finanzierter Daten
    - Unterstützung bei der Gründung von Plattformen für den Austausch öffentlicher und privater Daten
    - Schaffung europäischer Rahmenbedingungen für die Datennutzung
    - Schaffung eines Hub für Gesundheitsdaten im gesicherten und anonymisierten Rahmen des nationalen Instituts für Gesundheitsdaten (INDS)

    3) Schaffung eines rechtlichen und finanziellen Rahmens zur Förderung der Gründung leistungsstarker Unternehmen im KI-Bereich durch die besondere Unterstützung von KI-Forschungsprojekten und -Start-ups.
    - Anpassung der Vorschriften, z.B. für autonome Fahrzeuge (die im April veröffentlichte Strategie wird einen rechtlichen Rahmen schaffen, der ab 2019 Tests mit autonomen Fahrzeugen mit Level 4 – vollautomatisiertes Fahren – ermöglicht)
    - Finanzierung: in Frankreich werden 1,5 Milliarden Euro in die KI investiert; in Europa wird sich Frankreich dafür einsetzen, dass bahnbrechende Innovationen, insbesondere KI, größere Bedeutung im nächsten Haushaltsrahmen finden, z.B. durch die Schaffung einer „europäischen DARPA“
    - Nutzung der KI zur Verbesserung der öffentlichen Politik, z.B. Weiterbildung (Erkennen künftiger Bedürfnisse, Individualisierung von Werdegängen usw.)

    4) Überlegungen zur Regulierung und Ethik Künstlicher Intelligenz, um die bestmögliche Akzeptanz in der Bevölkerung für ihre Weiterentwicklung zu erzielen.
    - Unterstützung der geisteswissenschaftlichen Forschung zu ethischen Fragen der Anwendung
    - Veröffentlichung aller vom Staat genutzten Algorithmen, vor allem die Internet-Plattform Parcoursup
    - Förderung einer vielfältigen Entwicklung der KI

    Diese Strategie ist in einem europäischen Rahmen angesiedelt, denn die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, selbst zu einem wichtigen globalen Akteur im KI-Bereich zu werden und sich hier einen eigenen Ruf zu erwerben, der sich von dem der USA und China unterscheidet.

    Am Rande der Konferenz gaben mehrere Unternehmen die Einrichtung von KI-Forschungszentren in Frankreich bekannt: IBM (400 Stellen innerhalb der nächsten zwei Jahre), Samsung (100 Stellen), Fujitsu und DeepMind. Bereits im letzten Februar hatte Facebook bei der „Choose France-Konferenz“ Investitionen von 10 Millionen Euro angekündigt, um die Größe seines KI-Forschungslabors zu verdoppeln und es neben dem in New York zum weltweit größten Labor zu machen. Google hatte Investitionen in die KI-Forschung und die Eröffnung eines Zentrums für Grundlagenforschung angekündigt.

    Video von Cédric Villani: "Artificial Intelligence: What strategy for France and Germany in a global competition context?" (1. März 2018 in der französischen Botschaft - Berlin)

    Quelle: Französische Botschaft - Berlin

    www.wissenschaft-frankreich.de


    Weitere Informationen:

    http://youtu.be/_7n9G7u4OrM


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Kooperationen
    Deutsch


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