idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
14.05.2018 14:41

Martinschule Greifswald gewinnt Deutschen Schulpreis

Ann-Kathrin Schöpflin Presse- und Kommunikationsstelle
Universität Rostock

    Das Evangelische Schulzentrum Martinsschule Greifswald hat den mit 100 000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis gewonnen. Er wurde heute, am 14. Mai 2018, durch Bildungsministerin Anja Karliczek feierlich in Berlin verliehen. Schirmherr ist Fußballtorwart Manuel Neuer. Der Deutsche Schulpreis ist der höchstdotierte Wettbewerb für Schulen in Deutschland.

    Bereits am Sonntag lief in Berlin der Abend der nominierten Schulen. Alle stellten sich hier mit einem Motto vor. Das Motto der Martinschule lautet: „Unsere Schule steht für Selbstverwirklichung im sozialen Miteinander für eine bessere Welt.“ Das Eldenburg-Gymnasium Lübz hat sich mit der These präsentiert: „Unsere Schule steht für miteinander arbeiten, aufeinander verlassen und voneinander lernen, für Lehrer, die sich ihres Einflusses auf den Lernerfolg ihrer Schüler bewusst sind und die das Lernen durch die Augen ihrer Schüler sehen.“

    Die Laudatio für die Greifswalder Schule hielt Professor Anand Pant vom Institut für Erziehungswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist zugleich einer der beiden Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie in Berlin und war im Besuchsteam der Martinschule Greifswald dabei. Inklusion ist anstrengend - diese Auffassung teilen in Deutschland viele Eltern, Lehrkräfte und Bildungspolitiker. Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald sei den Weg der „umgekehrten“ Inklusion gegangen, sagte Professor Pant in seiner Laudatio. Innerhalb von 25 Jahren öffnete sich die einstige „Schule für geistig Behinderte“ zunächst zur inklusiven Grundschule und dann ergänzt zu einer Integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Inklusiver Unterricht bedeute hier, dass fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer geistigen oder emotional-sozialen Entwicklung besonders unterstützt werden müssten. „Die Idee des gemeinsamen Lernens von gehandicapten und nicht gehandicapten Kindern wird konsequent ausgereizt. Jedes Kind erlebt in der Martinschule sowohl binnendifferenziertes Lernen in stabilen Stammgruppen als auch äußere Differenzierung, die die Förderung individueller Begabungen und Neigungen in flexiblen Lerngruppen ermöglicht“, unterstreicht Professor Pant. Gehandicapte Jugendliche könnten in Greifswald systematisch Selbstwirksamkeitserfahrungen machen. Eine Schülerfirma, Wohnungstraining und Abschlussstufenzentrum bereiten sie zum Ende der Schulzeit auf einen möglichst autonomen Lebensalltag und eine berufliche Integration vor. „Dabei leiden an der Martinschule, die regelmäßig in landesweiten Lernstandserhebungen und zentralen Abschlussprüfungen über dem Landesdurchschnitt liegt, die Leistungen der „normalen“ Schülerinnen und Schüler nicht. Und das, obwohl oder gerade weil auf Ziffernnoten bis zur neunten Klasse verzichtet werde, betont Professor Pant. Die Martinschule zeichne sich außerdem durch eine starke Eltern- und Schülerpartizipation, besondere förderdiagnostische Kompetenz des Lehrpersonals sowie ausgeprägte Kooperation in multiprofessionellen Teamstrukturen aus. „Hinter den professionell reflektierten Alltagsroutinen lebt in der Martinschule aber vor allem eines: der unbedingte Wille, das „Anderssein“ der Kinder und Jugendlichen radikal zu akzeptieren und wertzuschätzen“, unterstreicht Professor Pant. Nach einem Besuch der Martinschule Greifswald wisse man: „Ja, Inklusion ist anstrengend, und sie gelingt nicht zum Nulltarif! Aber Inklusion lohnt sich. Die Martinschule steht hoffnungsstiftend für eine inklusivere Gesellschaft.“

    Und Thomas Häcker, Professor für Erziehungswissenschaft, Schulpädagogik und Bildungsforschung an der Universität Rostock, der der Jury für den Deutschen Schulpreis angehört, sagt: „Die Martinschule leistet Pionierarbeit in Bezug auf inklusive schulische Erziehungs- und Bildungsarbeit. Sie symbolisiert in beeindruckender Weise, wie Individualität und gesellschaftlicher Zusammenhalt in eine Balance kommen können. Die Martinschule hat gesellschaftliche Signalwirkung in Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus.“

    Kontakt:
    Thomas Häcker
    Professur für Erziehungswissenschaft, Schulpädagogik und Bildungsforschung (ESB)
    Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB)
    Philosophische Fakultät
    Universität Rostock
    Tel.: + 49 381 498-2668
    E-Mail: thomas.haecker@uni-rostock.de


    Weitere Informationen:

    https://www.isb.uni-rostock.de/
    https://www.uni-rostock.de/universitaet/aktuelles/presse-u-kommunikationsstelle/
    https://www.uni-rostock.de/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    fachunabhängig
    überregional
    Schule und Wissenschaft
    Deutsch


    Professor Thomas Häcker gehört seit sechs Jahren der Jury für die Vergabe des Deutschen Schulpreises an.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay