idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
18.05.2018 08:22

Weiße Gespenster am Straßenrand - die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte

Johann Seidl Wissenstransfer, Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

    Ein gespenstisch anmutendes Bild in der Landschaft: Eingesponnene und kahl gefressene Sträucher leuchten weiß und silbern im Sonnenlicht. Die gespenstischen »Verhüllungsaktionen« a la Christo der Gespinstmotten sind spektakulär, aber für Mensch und Pflanze wenig bedrohlich.

    Wie im letzten Jahr mehren sich auch heuer an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) die Nachfragen besorgter Naturfreunde. Sie betreffen die schaurig-schönen Gespinste an Sträuchern, wie sie jetzt im Mai häufig auch entlang von Straßen zu sehen sind. Die Bürger sind nicht selten sensibilisiert durch Meldungen über die Gesundheitsgefahren des Eichenprozessionsspinners. Aber nicht jedes Gespinst in Sträuchern und Bäumen ist auf den Eichenprozessionsspinner zurückzuführen, denn dieser lebt ausschließlich an Eichen. Ein weiterer Unterschied: Eichenprozessionsspinner bauen kompakte Nester, die Gespinstmotte dagegen lässt häufig die ganze Pflanze oder zumindest große Flächen davon unter ihrem Netz verschwinden.
    Das Aussehen der von Gespinstmotten eingesponnenen Sträucher ist zwar gruselig, aber aus gesundheitlicher Sicht für den Menschen vollkommen harmlos. Die Raupen und Gespinste der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte rufen keine allergischen Hautreaktionen hervor.

    Aber was sind nun die Ursachen und Folgen dieser spektakulären Erscheinungen?

    Die häufigsten dieser weithin sichtbaren Raupengespinste werden durch die Traubenkirschen-Gespinstmotte verursacht. Heuer sind es jedoch meist die Gespinste der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella). Ab Mai fressen die Raupen an den Blättern des Pfaffenhütchens (lateinisch Euonymus europaeus, auch Spindelbaum genannt). Das ist erstaunlich, denn alle Pflanzenteile enthalten hochwirksame Giftstoffe, an denen selbst große Weidetiere sterben können. Stark befallene Pfaffenhütchen können auch komplett kahlgefressen werden. Die Pfaffenhütchen-Sträucher erholen sich aber im Laufe der Vegetationszeit wieder. Zwei bis drei Wochen nach dem Kahlfraß treiben sie wieder aus.
    Noch bis Mitte Juni werden die Raupen der Gespinstmotte an den Pfaffenhütchen fressen, bevor sie sich im Juli zu kleinen Schmetterlingen entpuppen. Es sind kleine helle Falter von einem Zentimeter Spannweite und auffällig schwarz gepunkteten Flügeln. Danach ist es dann mit den Gespenstern am Straßenrand wieder vorbei.

    Es gibt noch zahlreiche andere Gespinstmottenarten und neben der Traubenkirsche werden auch Weißdorn, Pappeln oder Weiden mit einem dichten Gespinst überzogen, manchmal auch Obstbäume. Wenn man im Garten kleine Gespinste an den Apfelbäumen entdeckt, reicht es meist, den Teil des Zweiges auszubrechen und zu entsorgen.
    Gespinstmotten zeigen auch ein interessantes, menschlich anmutendes, biologisches Phänomen. Nicht alle Raupen verpuppen sich im Schutz eines Gespinstes um sich zum fertigen Falter zu entwickeln. Einzelne Raupen bessern ständig entstandene Schäden am Schutzschleier aus. Sie sterben ab, ohne sich zu verpuppen – zum Wohle der Artgenossen.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, jedermann
    Biologie, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Raupen der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte im Gespinst


    Zum Download

    x

    Gespinste der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).