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18.05.2018 10:08

Leitlinienprogramm Onkologie legt S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom vor

Katrin Mugele Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.

    Das Leitlinienprogramm Onkologie hat erstmals eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom vorgelegt. Federführend bei der Erstellung dieser Leitlinie waren die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

    „Die Empfehlungen der Leitlinie tragen dazu bei, nicht sinnvolle diagnostische Maßnahmen zu vermeiden und bei Patientinnen mit geringem Risiko eine unnötige Radikalität bei der Operation und überflüssige adjuvante Strahlen-und/oder Chemotherapien zu vermeiden“, erklärt Professor Dr. Günter Emons, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Georg-August-Universität Göttingen und Koordinator der Leitlinie.

    Das Endometriumkarzinom ist eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut, die in Deutschland bei 11.000 Frauen jährlich diagnostiziert wird. Typischerweise erkranken Frauen nach den Wechseljahren, doch in 10 bis 20 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung vor der Menopause auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt aktuell bei etwa 69 Jahren, die Neuerkrankungsrate steigt mit zunehmendem Lebensalter. Erste Anzeichen sind oft ungewöhnliche Blutungen aus der Scheide. 80 Prozent der Endometriumkarzinome werden im Stadium FIGO I diagnostiziert. In diesem Stadium lassen sich durch eine Operation und gegebenenfalls eine Bestrahlung Überlebensraten zwischen 81 und 90 Prozent erzielen.

    Beim operativen Eingriff entfernt der Operateur die gesamte Gebärmutter sowie die Eierstöcke und Eileiter beidseits. Abhängig vom Stadium kann außerdem die Entfernung angrenzender Gewebe und der Lymphknoten im kleinen Becken nötig sein – der Lymphknotenbefall ist ein wichtiger prognostischer Marker. Aufgrund der Studienlage kommen die Autoren der Leitlinie allerdings zum Schluss, dass eine systematische Entfernung dieser Lymphknoten bei Patientinnen mit einem östrogenabhängigen Typ-I-Karzinom im Frühstadium (pT1a, G1/2) nicht als Routineverfahren empfohlen werden kann.Die aktuelle Studienlage spricht auch gegen eine adjuvante Chemo-oder Strahlentherapie bei frühen Typ-I-Endometriumkarzinomen im Stadium pT1a/b G1 und G2 cN0/pN0.

    Die Bedürfnisse der Patientinnen nach Diagnose und Therapie eines Endometriumkarzinoms sind in der Regel sehr komplex. Als Folgen der Erkrankung bzw. der Therapie können Bauchdecken- und Adhäsionsbeschwerden, sexuelle Funktionsstörungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Scheidentrockenheit sowie Harnblasen- und Darmstörungen auftreten. „Solche Beschwerden müssen nicht nur in der Primärtherapie, sondern auch im Rahmen der Rehabilitation und in der Nachsorge erfragt und behandelt werden“, sagt Professor Emons. Es sei wichtig, dass die Behandlung durch kompetente und interdisziplinäre Teams durchgeführt werde und dass die Patientinnen eingehend über die gesetzlichen Möglichkeiten zur Beantragung und Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen informiert und beraten werden.

    Für den direkten Zugang zur neuen S3-Leitlinie nutzen Sie bitte folgenden Link: http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/endometriumkarzinom/

    Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)

    Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Leistungserbringer und Patienten zur angemessenen Vorgehensweise bei speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm mehr als 20 S3-Leitlinien, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen. Mehr unter http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de.

    Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

    Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich u.a. mit der gynäkologischen Endokrinologie, der Fortpflanzungsmedizin, der gynäkologischen Onkologie und auch mit der Pränatal- und Geburtsmedizin beschäftigt. Sie fördert das gesamte Fach und seine Subspezialitäten, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln und zu stärken. Sie fördert die Wissenschaft und Bildung auf diesem Gebiet mit dem Ziel, den Austausch zu vertiefen und neue Ideen zu entwickeln. Sie garantiert damit die ständige Erneuerung diagnostischer und therapeutischer Richtlinien und Empfehlungen. http://www.dggg.de

    Die Deutsche Krebsgesellschaft

    Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. In der DKG vertreten sind über 8.000 Einzelmitglieder in 24 Arbeitsgemeinschaften, die sich mit der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen befassen; dazu kommen 16 Landeskrebsgesellschaften und 34 Fördermitglieder. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität sowie konsequenten Qualitätsstandards und ist Mitinitiatorin des Nationalen Krebsplans. https://www.krebsgesellschaft.de

    Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie

    Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) ist eine selbständige Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG). Die AGO verfolgt die Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung von Medizinern in den Themen- und Aufgabenbereichen der gynäkologischen Onkologie einschließlich der Mammatumoren. Der Verein befasst sich mit allen klinischen, wissenschaftlichen und organisatorischen Anliegen auf diesem Gebiet. http://www.ago-online.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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