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08.06.2018 17:39

Digitalisierung des Risikomanagements der Pharma Supply Chain

Nicola Veith Pressestelle
Frankfurt University of Applied Sciences

    Konsortium präsentiert auf der ACHEMA die Entwicklung der Risikomanagement-Plattform MYTIGATE

    Die ACHEMA in den Frankfurter Messehallen ist weltweiter Treffpunkt der Prozessindustrie. Die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) wird vom 11. – 15. Juni 2018 am Gemeinschaftsstand der Hessischen Hochschulen in Halle 9.2, Stand C74, ihr Forschungsprojekt zum „Pharma Supply Chain Risk Management in der Luftfracht“ vorstellen. Das Projektteam um Prof. Dr. Yvonne Ziegler entwickelt eine webbasierte IT-Plattform namens MYTIGATE, die die Pharmalogistik digitalisiert und dadurch Transparenz und Sicherheit für Versender und Endkunden bietet. Gemeinsam mit GFT Technologies SE (GFT) prüft das Team aktuell in einem Proof of Concept den Einsatz eines Blockchain-basierten Trackingtools.

    Die deutsche Pharmaindustrie ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland; problematisch bei Luftfrachttransporten von pharmazeutischen Produkten sei, dass nach Aussagen der International Air Transport Association (IATA) rund 20 % der temperaturgeführten Pharmaprodukte eine Unterbrechung der Kühlkette oder starke Temperaturabweichungen verzeichnen. Der Druck auf die Pharmaindustrie und ihre Partner entlang der Supply Chain wächst. In den vergangenen Jahren hat sich die Rechtslage verschärft, was bedeutet, dass ein entsprechendes Risikomanagement von den Pharmaunternehmen eingefordert wird, mit dem Ziel, mehr Sicherheit und Transparenz entlang der Supply Chain zu erreichen. Bei den Produzenten, Großhändlern und Logistikdienstleistern steigt der Wunsch nach einem webbasierten IT-Tool, das unter den Aspekten erhöhter Sicherheit, Wachstum und Umsatzsteigerung die Transportkette umfassend visualisiert und risikobasiert vorausschauend planbar macht.

    Das praxisbezogene Forschungsprojekt der Frankfurt UAS greift diesen Wunsch auf: Die Luftfahrtexpertin Prof. Dr. Yvonne Ziegler, Frankfurt UAS, arbeitet mit Hochdruck daran, gemeinsam mit der Hochschule RheinMain, der Hochschule Fulda, der Bayer AG, der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, der Frigo-Trans GmbH und der GEFCO Forwarding Germany GmbH ein wissenschaftliches, webbasiertes IT-Tool zu entwickeln. Das zu diesem Zweck gegründete Start-up MYTIGATE wird Pharmaherstellern und ihren Supply Chain-Partnern eine IT-Plattform zur Verfügung stellen, die diese bei der Identifizierung, Analyse, Bewertung und Minimierung der Risiken entlang der Supply Chain unterstützt und den Pharmaproduzenten ermöglicht, künftig ihre Pharma Supply Chain vorausschauend risikobasiert zu managen.

    MYTIGATE stellt dem Pharmaproduzenten ein standardisiertes Verzeichnis von Partnern und ihren Fähigkeiten entlang einer bestimmten Transportroute zur Verfügung. Im nächsten Schritt identifiziert es mögliche Risiken entlang der Lieferkette und zuletzt schlägt es Transportwege und -partner mit dem geringstmöglichen Risikopotenzial vor. Zu den theoretisch ermittelten Risikokennzahlen wird MYTIGATE einen Abgleich mit den real erlebten Unregelmäßigkeiten der Pharmaunternehmen und Spediteure vornehmen (Root Cause Data), um eine Einschätzung aus Theorie und Realität geben zu können. Datenbanken, die beispielsweise Wetter- oder politische Daten erfassen, sind ebenfalls in das IT-Tool integriert. MYTIGATE kann somit zur Qualifizierung neuer Routen genutzt werden und ermöglicht Pharmaunternehmen, Zeit und Kosten zu sparen. Die Risikoinformationen von MYTIGATE lassen sich auch zur Dokumentation der Entscheidung gegenüber Behörden verwenden.

    Blockchain als Schlüsseltechnologie

    Für ein Tracking der Integrität der Sendungen wird aktuell der Einsatz der Blockchain-Technologie getestet und auf der ACHEMA erstmals vorgeführt. MYTIGATE arbeitet hier in enger Kooperation mit GFT an einem Proof of Concept. Ziel ist es, ein Planungs- und Tracking-System auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zu entwickeln. Denn die DLT ermöglicht eine sichere und transparente Verfolgung von Sendungen insbesondere im Hinblick auf die Übergabepunkte der Supply Chain. Die Supply Chain-Partner könnten mit Hilfe neuester Technologien Abweichungen und Unregelmäßigkeiten in der Blockchain dokumentieren. Die Blockchain ermöglicht es, die Auswahlentscheidung der Pharmaunternehmen unveränderbar zu dokumentieren und die Supply Chain-Partner können gegenüber Behörden und Partnern Zertifikate nachweisen. Gemeinsam wird angestrebt, eine kommerzielle Lösung zu entwickeln.

    Der Fokus von MYTIGATE liegt zunächst auf dem Luftverkehrsweg, denn dort ist die Quote der Unregelmäßigkeiten aufgrund der vielen Schnittstellen deutlich höher als bei See- und Landtransporten. Langfristig soll das Tool aber auch weitere Verkehrsträger und Branchen integrieren.

    Standards setzen

    Entscheidender Vorteil von MYTIGATE ist seine Neutralität, die durch die moderierende Leitung der Frankfurt University of Applied Sciences in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein Main und der Hochschule Fulda gewährleistet wird. MYTIGATE setzt Standards bei der Risikobewertung in Kooperation mit dem Projektteam und einem umfassenden Beirat aus Branchenvertretern wie der International Air Transport Association (IATA), dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI), dem Regierungspräsidium Darmstadt als Regulierungsbehörde, der AirCargo Community Frankfurt e.V. und weiteren Unternehmen aus der Pharmaindustrie (Roche Diagnostics GmbH, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Merck KGaA, R-Biopharm AG) sowie der Logistikdienstleistung (Schenker Deutschland AG, Bolloré Logistics) und der Luftfracht (Lufthansa Cargo AG, Flughafen Düsseldorf Cargo GmbH).

    Die Gesamtausgaben werden mit rund einer Million Euro beziffert, die zur Hälfte von den Projektpartnern getragen werden. Das Land Hessen unterstützt das praxisbezogene Forschungsprojekt „Pharma Supply Chain Risk Management in der Luftfracht“ (Projektnummer 555/17-37) im Rahmen von Hessen ModellProjekte aus Mitteln der LOEWE – Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, Förderlinie 3: KMU-Verbundvorhaben mit einem Fördervolumen von knapp 500.000 Euro.

    Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht, Astrid Kramer, Telefon: +49 69 1533-2956, E-Mail: kramer@fb3.fra-uas.de

    Informationen zu den Forschungsprojekten am Fachbereich Wirtschaft und Recht unter http://www.frankfurt-university.de/fb3


    Weitere Informationen:

    http://www.frankfurt-university.de/fb3


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    Chemie, Medizin, Verkehr / Transport
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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