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12.06.2018 13:57

TU Berlin: Dreschen, knüppeln, schieben – mit 185 Verben zum Sieg

Stefanie Terp Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
Technische Universität Berlin

    Linguisten der TU Berlin erforschen die Fußballsprache. Sie haben 60 Millionen Wörter über Fußball ausgewertet

    Fußball wird nicht nur gespielt und geschaut – über Fußball wird auch geschrieben und gesprochen. Längst hat sich dabei eine eigene, unverkennbare Fußballsprache herausgebildet. Die Besonderheiten der Fußballsprache mit ihren charakteristischen Metaphern und Redewendungen, aber auch die typischen Textsorten wie Liveticker und oder die Interviews mit den schwitzenden und keuchenden Fußballerinnen und Fußballern direkt nach dem Spiel haben längst auch das Interesse der Sprachwissenschaft geweckt. TU-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten 60 Millionen Wörter aus diesen Textsorten aus und fanden 185 Verben für das fußballerische „schießen“.

    Der wöchentliche Ligabetrieb und natürlich auch Großereignisse wie Weltmeisterschaften versorgen fußballinteressierte Linguist*innen mit schier unendlichem Untersuchungsmaterial. Am Fachgebiet Allgemeine Linguistik der TU Berlin werden seit einiger Zeit unter der Leitung von Dr. Simon Meier große Textsammlung aufgebaut, die die Erforschung der Fußballsprache auf eine ganz neue empirische Basis stellen. Spielberichte, Liveticker und andere Textsorten mehrerer europäischer Sprachen im Umfang von über 60 Millionen Wörtern wurden linguistisch aufbereitet und können computergestützt analysiert werden. Ungefähr die Hälfte davon ist für die interessierte Öffentlichkeit frei zugänglich und kann über eine spezielle Webanwendung recherchiert werden.

    Kants „Kritik der reinen Vernunft“ umfasst „nur“ 184 000 Wörter

    Die Ergebnisse einer computergestützten Abfrage der Korpora wurden in einer speziellen Grafik visualisiert: Die Wissenschaftler*innen erhoben aus 24 Millionen Wörtern aus deutschsprachigen Livetickern alle Verben, die in Sätzen nach dem Muster „Spieler XY schießt den Ball“ eingesetzt werden, also bestimmte Weisen des Schießens bezeichnen. Zum Vergleich: Kants „Kritik der reinen Vernunft“ umfasst etwa 184 000 Wörter. Die gefundenen Wörter wurden nach Verwendungshäufigkeit gewichtet und in der Grafik visualisiert. Nach der Bereinigung um Torwartverben wie ‚fausten‘ bleiben immer noch 185 verschiedene Verben übrig und führen auf beeindruckende Weise den Reichtum der Fußballsprache vor Augen.

    Dabei ist es längst nicht immer so, dass mit den verschiedenen Verben auch tatsächlich klar unterscheidbare Schusstechniken bezeichnet werden, wie etwa bei ‚löffeln‘ oder ‚spitzeln‘. Vielmehr handelt es sich meist um besonders expressive und evaluierende Bezeichnungen, mit denen die Journalistinnen und Journalisten, die für Fans schreiben, ihre Begeisterung und auch ihre Kreativität zum Ausdruck bringen können.

    In seinem Blog „fussballlinguistik.de“ publiziert Simon Meier regelmäßig kleinere Analyseergebnisse. Auch die öffentlichen Korpora sind über diese Adresse erreichbar.

    http://www.fussballlinguistik.de/korpora
    http://www.fussballlinguistik.de (Blog)

    Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
    Dr. Simon Meier-Vieracker
    Institut für Sprache und Kommunikation
    TU Berlin
    Fachgebiet Allgemeine LInguistik
    Tel.: 030/314-22323
    E-Mail: simon.meier@tu-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Sportwissenschaft, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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