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13.06.2018 10:05

Gesünder dank Grippeimpfung in der Apotheke?

Alexander Pradka Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

    Sollen in Deutschland neben den Ärzten auch Apotheker Grippeimpfungen durchführen dürfen? Das Thema ist umstritten: Der Deutsche Ärztetag im Mai hat sich dagegen positioniert. Dabei gibt es gute Gründe dafür. Prof. Dr. Uwe May, Studiendekan des Master-Studiengangs „International Pharmacoeconomics, Health Economics & Market Strategies for Healthcare Products“ an der Hochschule Fresenius stellt dazu Erkenntnisse seiner aktuellen Studie vor.

    „Würden wir den Impf-Switch zulassen, das heißt den Influenza-Impfstoff aus der Verschreibungspflicht entlassen und die Apotheken-Impfung zulassen, würde das die Impfrate deutlich steigern und die Zahl der Erkrankungen signifikant senken“, so Prof. Dr. Uwe May bei der Vorstellung seiner Studienergebnisse bei der Switch-Konferenz des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller am 12. Juni in Berlin. „Ich sehe das auch als marktnahe und am Leitbild des mündigen Bürgers ausgerichtete Alternative zu einer möglichen Impfpflicht.“

    Der Wissenschaftler hat ermittelt, dass eine Steigerung der Impfrate um 12 Prozent in Deutschland, die durch eine niedrigschwellige Apotheken-Impfung realistisch erscheinen würde, pro Jahr 900.000 Grippeerkrankungen und rund 4.700 Krankenhausfälle verhindern würde. Es gäbe laut dieser Rechnung zudem 41 durch Grippeerkrankung verursachte Todesfälle weniger. „Insgesamt kommen wir außerdem auf knapp drei Millionen weniger Arbeitsunfähigkeitstage im Jahr“, ergänzt May. Das entspricht Kosteneinsparungen von über einer Milliarde Euro gegenüber dem heutigen Szenario. Demgegenüber stünde natürlich ein Mehraufwand für die Kostenträger in Höhe von knapp 340 Millionen Euro. Diesen bezeichnet der Gesundheitsökonom als „moderat“ und hinsichtlich der Kosteneffektivität als „zweckmäßig“ und „notwendig“.

    Zum Beleg der Steigerung von Impfquoten bezieht sich May auf Statistiken aus dem Ausland, in dem die Grippeimpfung in Apotheken praktiziert wird. Zwei Beispiele: In Irland ist dies seit 2011 möglich. Seitdem sind die Impfungen von 9.000 auf 78.000 im Jahr 2017 gestiegen. In Kanada stieg die Impfrate allein im ersten Jahr nach Einführung bei den über 65-Jährigen um knapp zehn Prozent sowie bei allen Patienten um 8,5 Prozent. „Vor diesem Hintergrund erscheint mir das angenommene Szenario einer Steigerung der Impfrate um 12 Prozent nicht unrealistisch“, prognostiziert May.

    Die Ärzte in Deutschland, im Hinblick auf die durchschnittliche Arbeitszeit und die durchschnittliche Zahl behandelter Patienten pro Woche im internationalen Vergleich ohnehin schon deutlich an der Spitze, bekämen Unterstützung bei der Verbesserung der Durchimpfungsrate. Prof. Dr. Uwe May sieht die Apotheker als wichtige Aufklärungsinstanz: „Sie können Informations- und Beratungsangebote bereitstellen und Informationsdefizite zum Beispiel bezüglich der Impfrisiken abbauen. Auch das wirkt sich positiv auf die Impfquote aus, ganz gleich, ob der Vorgang dann beim Arzt oder Apotheker durchgeführt wird.“ Wobei er sicher ist, dass viele das Angebot in der Apotheke wahrnehmen würden – aktuell sind lange Wartezeiten beim Arzt immer noch eine große Hürde, sich impfen zu lassen. „Beide würden also auf diese Weise entlastet, Arzt und Patient.“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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