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13.06.2018 12:59

IST Austria Professor Herbert Edelsbrunner erhält Wittgenstein-Preis 2018

Dr. Elisabeth Guggenberger Communications and Events
Institute of Science and Technology Austria

    Mathematiker am IST Austria wird mit dem bedeutendsten und höchstdotierten Wissenschaftsförderungspreis Österreichs geehrt

    Herbert Edelsbrunner, seit 2009 Professor am Institute of Science and Technology Austria (IST Austria), zählt zu den weltweit führenden Forschern in der Computergeometrie und der Topologie und trug wesentlich zum fundamentalen Aufbau der Computergeometrie bei. Nun ehrt ihn der FWF für seine Errungenschaften mit dem bedeutendsten Wissenschaftsförderpreis Österreichs. 1,5 Mio. Euro werden der Forschung des Mathematikers zu Gute kommen. Nach dem Computerwissenschaftler Tom Henzinger der den Preis 2012 erhielt und dem Neurowissenschaftler Peter Jonas, der 2016 geehrt wurde, ist Herbert Edelsbrunner nun der dritte Wittgenstein-Preisträger am IST Austria.

    „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung mit dem Wittgenstein-Preis und über die Ehre, die damit einhergeht“, sagt Herbert Edelsbrunner. „Am meisten begeistern mich aber die Möglichkeiten, die sich durch den Preis eröffnen und es mir erlauben werden, Österreich und insbesondere den Raum Klosterneuburg als weltweit führenden Forschungsstandort der Computergeometrie und Topologie auszubauen.“
    Mit den zur Verfügung gestellten Mitteln können die gesteckten Ziele schneller erreicht und damit bis dato unberührte Anwendungen mit topologischen Zugängen bereichert werden. „In einigen Fällen wird das Alternativlösungen ergeben, mit Vor- und Nachteilen im Vergleich zu herkömmlichen Methoden. Man kann aber auch Fälle erwarten bei denen durch die neue Forschung das Tor zu noch ungeahnten Möglichkeiten geöffnet wird“, ergänzt Herbert Edelsbrunner.

    Zwischen Mathematik und Computerwissenschaft

    Algorithmische Geometrie und Topologie ist ein Forschungsbereich an der Schnittstelle zwischen Informationswissenschaften und der Mathematik, das sich mit der computergerechten Umsetzung von geometrischen und topologischen Gegebenheiten und mit ihrer Anwendung in verschiedensten Zweigen der Natur- und Ingenieur-Wissenschaften beschäftigt. Man kann sich dieses neue Gebiet aus logische Erweiterung der Computergeometrie vorstellen, allerdings basiert es auf anderen mathematischen Fundamenten, was erklärt, warum nur wenige ForscherInnen im Überlappungsbereich der beiden Gebiete tätig sind.

    Mögliche Anwendungen betreffen nicht nur die wissenschaftliche Visualisierung, strukturelle Molekularbiologie, Systembiologie, sondern auch die geometrische Verarbeitung, medizinische Bildverfahren und Kieferorthopädie. In allen diesen Anwendungen kommt es auf die Form von Objekten beziehungsweise auf ihre Erkennung, Abgleichung und Klassifikation an. Topologie ist das Teilgebiet der Mathematik, das methodisch genau diese Bereiche abdeckt. Um die mathematischen Erkenntnisse in Anwendungen nutzen zu können, werden Algorithmen und Computersoftware benötigt. Dies ist der Hintergrund für die Erforschung von Topologie und Geometrie mit Hilfe der Computerwissenschaft.

    In der Gegenwart verfolgt Edelsbrunner drei Forschungsschwerpunkte, jede mit dem Ziel die Computertopologie weiter zu entwickeln und damit neue Anwendungsgebiete zu erschließen. Diese Schwerpunkte beinhalten stochastische, algebraische, und geometrische Fragestellungen innerhalb des Bereiches der topologischen Datenanalyse. Alle drei Gesichtspunkte sind notwendig, um hilfreiche und unter Umständen revolutionäre Einblicke in die mikroskopische Welt der Materialien zu liefern.

    „Ich gratuliere Herbert Edelsbrunner sehr herzlich zum Wittgenstein-Preis 2018. Herbert Edelsbrunner kam bereits kurz nach der Eröffnung an das IST Austria und ist somit einer der Pionierprofessoren des Instituts. Mit seiner Arbeit, die sich an der Schnittstelle von Mathematik und Computerwissenschaften bewegt, steht er bespielhaft für das interdisziplinäre Grundprinzip des Instituts“, sagt Thomas Henzinger, Präsident des IST Austria und selbst Wittgenstein-Preisträger seit dem Jahr 2012.

    Herbert Edelsbrunner ist gebürtiger Steirer und promovierte in technischer Mathematik an der TU Graz. Danach leitete er eine Forschungsgruppe an der University of Illinois at Urbana-Champaign, wo er schon bald nach seinem Studienabschluss zum Associate Professor, später zum Full Professor berufen wurde. Mit der Gründung der höchst erfolgreichen Softwarefirma Raindrop Geomagic Inc im Jahr 1996, deren Direktor er über ein Jahrzehnt lang blieb, bewies er die Relevanz und den Nutzen theoretischer Forschung für die Industrie. Mehr als zehn Jahre lehrte und forschte er auch an der Duke University in North Carolina, USA, als Arts and Sciences Professor. Im Jahr 2009 kam er an das zu diesem Zeitpunkt gerade erst gegründete IST Austria.

    Edelsbrunner erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Er ist Fellow der European Association of Theoretical Computer Science, Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Mitglied der Academia Europaea sowie Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. Er erhielt den Waterman Award der National Science Foundation, zählt zu den ISI highly scited scientists und erhielt vor kurzem einen prestigeträchtigen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC). Der „Microsoft Academic Search“ zufolge steht er an zwölfter Stelle der meistzitierten theoretischen Computerwissenschaftler der Welt, innerhalb Europas ist der der meistzitierte.

    Über das IST Austria
    Das Institute of Science and Technology (IST Austria) in Klosterneuburg ist ein Forschungsinstitut mit eigenem Promotionsrecht. Das 2009 eröffnete Institut widmet sich der Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik und den Computerwissenschaften. Das Institut beschäftigt ProfessorInnen nach einem Tenure-Track-Modell und Post-DoktorandInnen sowie PhD StudentInnen in einer internationalen Graduate School. Neben dem Bekenntnis zum Prinzip der Grundlagenforschung, die rein durch wissenschaftliche Neugier getrieben wird, hält das Institut die Rechte an allen resultierenden Entdeckungen und fördert deren Verwertung. Der erste Präsident ist Thomas Henzinger, ein renommierter Computerwissenschaftler und vormals Professor an der University of California in Berkeley, USA, und der EPFL in Lausanne, Schweiz. www.ist.ac.at


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Informationstechnik, Mathematik
    überregional
    Personalia
    Deutsch


    Herbert Edelsbrunner ist Professor am IST Austria


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