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13.06.2018 14:34

Fußball-WM: „Die Hooligan-Szene ist international, digital und professionell“

Melanie Hahn Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

    Morgen startet die Fußball-WM 2018 in Russland. Bereits zu Beginn des Jahres hatten rechtsextreme Hooligans in der BBC-Dokumentation „Russia’s Hooligan Army“ angekündigt, dass die WM zu einem „Festival der Gewalt“ wird. Zu befürchten sind Ausschreitungen ähnlich wie 2014 in Frankreich. Auch in Deutschland gibt es eine große Anzahl radikaler Gruppen mit gewaltbereiten Fußballchaoten. Was hinter dem Phänomen des Hooliganismus steckt und wie Gruppen über das Internet mobilisiert werden, erklärt der Internetsoziologe Prof. Dr. Stephan G. Humer, Studiendekan für Digital Management (M.A.) an der Hochschule Fresenius in Berlin.

    Fußball ist weltweit die beliebteste Sportart. Ab morgen werden Fans rund um den Globus vier Wochen lang mitfiebern, wenn ihre Nationalmannschaft auf dem Platz steht. Dabei verfolgen nicht alle die Spiele friedlich, immer wieder sorgen gewaltbereite Hooligans bereits im Vorfeld des Turniers für negative Schlagzeilen.

    Fußball ist eine der schönsten Nebensachen der Welt, heißt es. Dass die Emotionen dabei hochkochen können, ist klar. Doch allzu häufig eskaliert die Lage. Wieso bewegt sich diese Sportart in einem solchen Spannungsfeld?
    Prof. Dr. Stephan Humer: Die Leistungserwartungen beim Fußball sind immens, die Identifikation mit dem eigenen Team ist groß. Zudem gibt es im Fußball viele unterschiedlichen Milieus. Seit Beginn der Mega-Kommerzialisierung des Sports in den 1990er Jahren finden sich die Fans in allen Gesellschaftschichten und auch Vorstandsvorsitzende erscheinen heute mit Fan-Schal im Stadion. Die Fans erleben die Sportart aber unterschiedlich – die einen stehen in der Fankurve, die anderen haben einen Sitzplatz in der VIP-Loge. Insgesamt ist der Fußball gleichzeitig immer glatter, schöner, repräsentativer geworden, das gilt auch für die Stadien. Viele radikalere Fans fühlen sich dadurch verdrängt und reagieren mit einem Rückzug in andere Bereiche, treffen sich weit entfernt von Stadien, der Polizei und der allgemeinen Öffentlichkeit.

    Wie und wann ist die Hooligan Szene entstanden? Und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt?
    Humer: Hooligans und generell Gewalt im Fußball erlebten in den 1970er- und vor allem auch den 1980er-Jahren in Deutschland Zulauf und Beachtung. Es gab in der Folge zunehmend Überschneidungen mit anderen Szenen wie der teilweise stark rechtsradikalen „Borussenfront“ in Dortmund in den 1980ern. Seit den 1990ern ist Hooliganismus immer stärker erforscht worden – sowohl unabhängig an Universitäten als auch institutionell bei Polizeibehörden. Dabei wurden die Akteure stärker ins Visier genommen, denn gerade die Gewalt gilt sowohl strafrechtlich als auch gesellschaftlich als ein besonders relevantes Problem. Gewalt kann sowohl physisch als auch psychisch stimulierend wirken und Leerstellen füllen. Auffällig ist: Die Entwicklung der Szene heute ist internationaler, digitaler und professioneller, als früher.

    Die Digitalisierung und das Internet vereinfachen also die Kommunikation und die Mobilisierung von Hooligan-Gruppen?
    Humer: Digitalisierung ist vor allem für die Kommunikation, die Organisation und den Support wichtig. Auch Hooligans gehen mit der Zeit und organisieren sich über digitale Kommunikation, reisen gezielt zu organisierten Massenschlägereien ins Ausland und nehmen strategischer als zuvor Einfluss auf Fußballevents oder Fan-Szenen. Ebenso ist das Vorgehen gegen Polizisten nicht mehr nur zufällig oder spontan. Sie organisieren sich häufig über WhatsApp-Gruppen oder andere Chat-Tools. Neue Mitglieder finden sich leicht: Manche junge, sinnsuchende Männer, oft noch Teenager, finden in den Gruppen einen Zusammenhalt, den sie in Familie, Verwandtschaft und Freundeskreis so bisher nicht fanden. Gewalt, gemeinsame Erlebnisse und geschlossene Feind- und Weltbilder schweißen zusammen.


    Weitere Informationen:

    http://www.hs-fresenius.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medien- und Kommunikationswissenschaften, Sportwissenschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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