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26.06.2018 15:27

Werden die Gesundheitsausgaben mit zunehmender Lebenserwartung explodieren?

Dr. Inga Freund Wissenschaftsadministration und -kommunikation
Institut für Demographie

    Wie wirken Bevölkerungsalterung, medizinischer Fortschritt und die Entwicklung der Gesundheitsausgaben zusammen? Welche Konsequenzen ergeben sich für die wirtschaftliche Entwicklung und Wohlfahrt? Diese sowohl akademisch als auch politisch relevanten Fragestellungen wurden im Rahmen des Projekts “Medical Progress, Health Expenditure and Population Ageing (MEDPRO)” am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beantwortet.

    Zunächst werden eine Reihe von Ausgabentreibern identifiziert: Einkommenssteigerungen, die Ausweitung von Krankenversicherungsschutz sowie der medizinische Fortschritt lassen die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und damit die Gesundheitsausgaben steigen. Die Analysen zeigen aber, dass dies die Wirtschaftsleistung nicht schwächt.

    Denn begleitend ermöglicht die erforderliche vermehrte Bildung von Ersparnissen zur Finanzierung einer längeren Lebensspanne eine erhöhte Investitionstätigkeit und stabilisiert somit die Wirtschaftsleistung. Ebenso führen Anreize für lebensrettende medizinische Innovationen in „generösen“ Gesundheitssystemen zu deutlichen Wohlfahrtsgewinnen aufgrund einer erhöhten Lebenserwartung. Damit werden die steigenden Ausgaben mehr als kompensiert.

    Problematischer ist, dass die Zugewinne an Lebenserwartung in vielen Ländern stark vom sozio-ökonomischen Status abhängen. Hier zeigt sich in den Analysen, dass der zunehmende Unterschied in der Lebenserwartung zwischen besser und schlechter Ausgebildeten in zwei Faktoren begründet ist: Einerseits erlaubt das niedrige Einkommen gering Qualifizierter nur begrenzte Investitionen in die Gesundheit; wichtiger ist aber, dass die geringer Qualifizierten selbst bei gleichem Einkommen die Gesundheitsversorgung weniger effektiv nutzen, da innovative Therapien erst verspätet wahrgenommen werden.

    Den Analysen zugrunde liegen mathematisch-ökonomische Modelle, die das Gesundheits- und Konsumverhalten von Individuen abbilden und daraus das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage auf dem Gesundheits- sowie Güter-, Arbeits- und Kapitalmarkt ableiten. Diese Modelle wurden mithilfe US amerikanischer Daten kalibriert und ermöglichen die Simulation verschiedener politischer Szenarien.

    Das MEDPRO Projekt (P 26184-G11) wurde in den Jahren 2014-2017 vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gefördert und unter Leitung von Michael Kuhn am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt.

    Wissenschaftlicher Kontakt:
    Dr. Michael Kuhn
    Projektleiter
    Institut für Demographie
    Österreichische Akademie der Wissenschaften
    Welthandelsplatz 2, 1020 Wien
    T +43 1 31336-7742
    michael.kuhn@oeaw.ac.at


    Weitere Informationen:

    http://medpro-project.eu/
    https://www.oeaw.ac.at/vid/
    http://www.wittgensteincentre.org/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


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