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03.07.2018 10:21

Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien 2018

Klaus P. Prem Presse - Öffentlichkeitsarbeit - Information
Universität Augsburg

    Zum 20-jährigen Jubiläum zwei Preisträgerinnen und ein Förderpreisträger / Preisverleihung und Jubiläumssymposium am 9. Juli 2018 im Augsburger Rathaus / Bewerbungsschluss für 2019 am 31. Oktober 2018

    Augsburg/AR/KPP – 1997 erstmals ausgeschrieben und seit 1998 jährlich verliehen, geht der Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien in diesem Jahr an zwei Preisträgerinnen und an einen Förderpreisträger: Dr. Christine Bär (Marburg/Gießen) wird für ihre Dissertation über Migration im Jugendalter ausgezeichnet, Dr. Délia Nicoué (Bayreuth/Würzburg) für ihre Doktorarbeit über Migrationswege äthiopischer Migrantinnen. Dennis Barasi (Bremen) erhält den Förderpreis für seine Masterarbeit über rassismusbezogene Deutungsmuster im universitären Raum. Die feierliche Preisverleihung findet am 9. Juli 2018 um 19.00 Uhr im Goldenen Saal des Rathauses der Stadt Augsburg statt. Ihr voraus geht von 16.15 bis 18.30 Uhr ein Symposium mit ehemaligen Preisträgerinnen und Preisträgern im Fürstenzimmer II des Rathauses. Preisverleihung und Symposium sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

    Migration im Jugendalter. Psychosoziale Herausforderungen zwischen Trennung, Trauma und Bildungsaufstieg im deutschen Schulsystem

    Wenn Jugendliche migrieren, stehen sie vor besonderen Herausforderungen. Sie sind als Heranwachsende sehr verletzlich, da sich ihre Identitätsentwicklung unter den erschwerten Bedingungen von Flucht und/oder Migration sowie häufig ohne die Herkunftsfamilie entwickeln muss. Dr. Christine Bär hat in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie es Jugendlichen auch unter diesen schwierigen Voraussetzungen gelingt, das deutsche Bildungssystem erfolgreich zu absolvieren. Häufig wird in diesen Fällen jedoch übersehen, dass die Heranwachsenden unter schweren Traumatisierungen leiden, die Schulen und Behörden verborgen bleiben. Den Bildungserfolg können die Jugendlichen nur unter größten Anstrengungen und unter permanentem Übergehen von Trauer und anderen wichtigen psychosozialen Bedürfnissen erreichen. Hilfsangebote für geflüchtete Jugendliche sind von großer Bedeutung, um ihnen die Aufnahme in der deutschen Gesellschaft zu erleichtern und keine „verlorene Generation“ zu riskieren.

    "Die Studie von Dr. Christine Bär ist hoch relevant für die Lebenssituation von jungen Geflüchteten und für die pädagogische Arbeit an den Schulen“, betont der Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel und verweist auf die Tatsache, dass allein im Jahr 2015 rund 300.000 Kinder und Jugendliche nach Deutschland geflüchtet sind, auf die sowohl die Schulen, als auch die Bildungspolitik im Wesentlichen unvorbereitet waren, und dass insgesamt rund ein Drittel der Geflüchteten in Deutschland jünger als 18 Jahre ist.

    Dr. Christine Bär war von 2007 bis 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Schulpädagogik der Philipps-Universität Marburg. Dort hat sie ihre Dissertation „Migration im Jugendalter. Psychosoziale Herausforderungen zwischen Trennung, Trauma und Bildungsaufstieg im deutschen Schulsystem“ erarbeitet und vorgelegt. Seit 2017 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen und berät freiberuflich das Schulamt Marburg-Biedenkopf beim Umgang mit neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern.

    Migration und Wissen – Migrationswege und Stationen des Lernprozesses junger Migrantinnen auf dem Weg von Äthiopien nach Deutschland

    Dr. Délia Nicoué hat sich eingehend mit jungen Migrantinnen aus Äthiopien befasst. In einer umfangreichen ethnographischen Studie hat sie die Migrationswege der jungen Frauen vor Ort erforscht, die – ausgehend von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens – unter anderem über Dubai und Istanbul bis nach Deutschland führen. Die auf den häufig jahrelangen und gefährlichen Reisen gemachten Erfahrungen haben einen großen Einfluss auf die Integrationsprozesse in Deutschland. So übertragen sich Misstrauen und Skepsis gegenüber Ämtern und Behörden aus den Herkunfts- und Transitländern auch auf deutsche Einrichtungen. Délia Nicoué hat deshalb auch die verschiedenen Behörden und andere Mittler der Migration mit beforscht. In ihrer Arbeit stellt sie dar, wie aus vorgeblich unterwürfigen Dienstmädchen aus der ländlichen Bevölkerung Äthiopiens selbständig handelnde Transmigrantinnen werden, die ihr Leben in die Hand nehmen und versuchen, ihren eigenen Weg zu finden. Um die Widrigkeiten und Schwierigkeiten des Migrationsprozesses, der unterschiedlichen Bürokratien und des deutschen Asylverfahrens zu meistern, eignen sie sich ständig neues Wissen an, das teils auf Fakten und Erfahrungen, teils auf Ratschlägen und Gerüchten basiert.

    „Die Migrationswege und die mit diesen einhergehenden Lernprozesse der jungen Äthiopierinnen zeichnet Dr. Nicoué in ihrer Studie auf einfühlsame und anschauliche Art und Weise nach“, fasst Nagel das Urteil der Jury zusammen.

    Dr. Délia Nicoué hat nach einem Germanistikstudium in Benin, Paris und Bielefeld an der Universität Bayreuth „Kultur und Gesellschaft Afrikas“ studiert und dort auch ihre Promotion zum Thema „Migration und Wissen – Migrationswege und Stationen des Lernprozesses junger Migrantinnen auf dem Weg von Äthiopien nach Deutschland“ vorgelegt. Seit Mai 2017 arbeitet sie als Projektreferentin in Würzburg, wo sie katholische Entwicklungsmaßnahmen der Ordensgemeinschaft der Claretiner in Asien und in Afrika koordiniert.

    Rassismusbezogene Deutungsmuster am Beispiel zur Flüchtlingspolitik im universitären Raum

    Dennis Barasi, der diesjährige Förderpreisträger, nimmt in seiner Masterarbeit die universitäre Lehramtsausbildung in den Blick. Während ihres Studiums sollen die angehenden Lehrkräfte laut Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz sogenannte interkulturelle Kompetenzen erwerben, die, wie es heißt, die Basis für den Umgang mit migrationsbedingter Vielfalt an den Schulen bilden. Die von Barasi durchgeführte machtkritische Untersuchung der angewendeten Lehrformen zeigt jedoch, dass hier im Gegenteil auch unreflektierte rassismusbezogene Deutungsmuster und Argumentationen im Kontext von Flucht und Bildung aktiviert werden können. Die angehenden Lehrkräfte sind der Ansicht, dass sie keine politischen Meinungen und Haltungen zu äußern hätten, und erfahren sich aus diesem Grund in einem Diskurs zu Flüchtlingspolitik als nicht sprechfähig. Im Sinne einer rassismuskritischen Perspektive hat dies zur Folge, dass rassistische Machtverhältnisse und Strukturen unsichtbar bleiben und damit verbundene Selbstverständlichkeiten nicht hinterfragt werden können. Die Anwesenheit von Geflüchteten in der Schule wird von den Studierenden als eine Durchbrechung von Routinen gedeutet, die institutionelle Konflikte hervorruft. In ihren Äußerungen erkennt Barasi verschiedene rassismusrelevante Deutungsmuster: So würden z. B. Schülerinnen und Schülern, die von den Studierenden als neu Zugewanderte identifiziert werden, bestimmte Eigenschaften zugeschrieben und damit die Verantwortung für ihr Handeln als Individuum entzogen.

    „Die über die Erwartungen an eine Masterarbeit weit hinausgehende Untersuchung von Dennis Barasi zeigt, dass wir auch in der universitären Lehre noch selbstkritischer mit dem Thema Rassismus umgehen müssen“, resümiert Nagel die Entscheidung der Jury.

    Dennis Barasi studierte an der Universität Bremen Lehramt für Gymnasium/Oberschule in den Fächern Mathematik und Geschichte an der Universität Bremen. Dort schrieb er auch seine Masterarbeit zum Thema „Rassismusbezogene Deutungsmuster am Beispiel zur Flüchtlingspolitik im universitären Raum“. Seit 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lektor im Arbeitsbereich Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen, arbeitet er aktuell an einem Dissertationsprojekt zur Verhandlung von Migration in der universitären Lehramtsausbildung. Im Rahmen der Lehramtsausbildung lehrt er zugleich zu den Themen Rassismuskritik, politische und weltanschauliche Positionierung sowie MINT-Fächerkulturen in der Migrationsgesellschaft. Weiterhin bietet er Forschungsseminare an, die auf Theoriegenerierung aus systematischer Sammlung und Auswertung qualitativer Daten ausgerichtet sind.

    Feierliche Preisverleihung im Goldenen Saal

    Die drei diesjährigen Auszeichnungen werden werden am 9. Juli wie immer im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses überreicht werden. Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und einem Grußwort der Journalistin Angela Bachmair als Repräsentantin von FILL e. V. wird Professor Nagel als Jury-Vorsitzender die beiden Preisträgerinnen und den Förderpreisträger würdigen. Im Anschluss an ihre Dankesworte werden sich die drei dann in einem Podiumsgespräch mit der Ethnologin und Präsidentin der Universität Augsburg, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, äußern.

    20 Jahre Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien: Jubiläumssymposium mit früheren Preisträgerinnen und Preisträgern

    Bereits am Nachmittag des 9. Juli findet im Vorfeld des Festaktes anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien ein Symposium statt, zu dem die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist. Die früheren Preisträgerinnen und Preisträger Prof. Dr. Encarnación Gutiérrez Rodriguez (1999), Prof. Dr. Gaby Straßburger (2002), Prof. Dr. Marc Thielen (2009), Prof. Dr. Riem Spielhaus (2010) und Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (2013) werden in Impulsreferaten ihre aktuellen migrationsbezogenen Forschungen vorstellen. Im Anschluss unterhalten sie sich im Podiumsgespräch mit dem Jury-Vorsitzenden Nagel über die Auswirkungen die der Preis auf ihren Werdegang hatte. Das Jubiläumssymposium beginnt um 16.15 Uhr im Fürstenzimmer II des Augsburger Rathauses und dauert bis 18.30 Uhr.
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    Weitere Informationen zur Preisverleihung und zum Symposium am 9. Juli 2018

    http://www.uni-augsburg.de/allgemeines/preise/wissenschaft_interkulturell/Handou...
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    Der Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien

    Der 1998 von Helmut und Marianne Hartmann gestiftete Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien wird seither jährlich von der Universität Augsburg gemeinsam mit der Stadt Augsburg und dem Augsburger "Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL) e. V." verliehen – mit dem Anliegen, junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Auseinandersetzung mit dem Thema "Interkulturelle Wirklichkeit in Deutschland” zu motivieren.

    Über die Preisträger 2018 hat unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Eckhard Nagel, Mitglied des Deutschen Ethikrats sowie Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth, eine elfköpfige Jury entschieden. Ihr gehörten an: die Journalistin Angela Bachmair, der Bayreuther Philosoph Prof. Dr. Alexander Brink, Reiner Erben, Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration der Stadt Augsburg, Regionalbischof Michael Grabow als Vertreter der evangelischen Kirche, die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden (Universität Augsburg), Prälat Dr. Bertram Meier als Vertreter der katholischen Kirche, der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi (LMU München), die Historikerin Prof. Dr. Susanne Popp (Universität Augsburg) und der Friedens- und Konfliktforscher Prof. Dr. Christoph Weller (Universität Augsburg).
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    Ansprechpartnerin:

    Dr. Anna Magdalena Ruile
    Stabsstelle Kommunikation und Marketing
    Telefon 0821/598-2099
    anna.ruile@presse.uni-augsburg.de
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    Anhang: Ausschreibung für den Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2019

    Eingereicht werden können wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten, die nicht länger als zwei Jahre vor dem jeweils aktuellen Bewerbungsschluss an einer deutschen Universität vorgelegt wurden.

    Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis wird für Dissertationen oder Habilitationsschriften vergeben, der Förderpreis in Höhe von 1.500 Euro für Master-, Diplom-, Magister- oder Staatsexamens-Arbeiten.

    Bewerbungen sind durch eine/n der betreuenden HochschullehrerInnen mit zwei Exemplaren der Arbeit (in Druckform), einer von der Bewerberin/dem Bewerber erstellten max. vierseitigen Zusammenfassung der Studie (hinsichtlich der Kriterien 1. Motivation, 2. gesellschaftliche Relevanz und Passung zur thematischen Ausrichtung des Preises, 3. Methode, 4. Ergebnisse), den beiden Gutachten der BetreuerInnen (in Kopie) sowie einem Lebenslauf der Bewerberin/des Bewerbers einzusenden an das Präsidium der Universität Augsburg, Universitätsstr. 2, 86159 Augsburg.

    Über die Vergabe des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien entscheidet eine Jury, die sich aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Augsburg und anderer Universitäten sowie aus Vertreterinnen und Vertretern des FiLL e.V. und der Stadt Augsburg zusammensetzt. Beide Preise werden bei einer akademischen Festveranstaltung jeweils im Sommersemester im Goldenen Saal des Rathauses der Friedensstadt Augsburg verliehen.

    Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2018.


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-augsburg.de/allgemeines/preise/wissenschaft_interkulturell/Handou...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Pädagogik / Bildung, Politik
    überregional
    Personalia, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Die Preisträgerinnen und der Förderpreisträger 2018 (v. l.): Dr. Christine Bär, Dr. Délia Nicoué und Dennis Barasi.


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