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10.07.2018 10:49

Mehr Multikulti, weniger Wahlbeteiligung

Peter Kuntz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

    Wer in einer Nachbarschaft mit einem hohen Ausländeranteil lebt, geht weniger wählen. Erstmals weist ein Politikwissenschaftler der Universität Trier diesen Zusammenhang mit neuen Forschungsdaten nach. André Förster sieht in seinen Studienergebnissen neue Impulse für die Wissenschaft und die Politik.

    Unabhängig davon, wie gebildet Menschen sind, welchem Beruf sie nachgehen oder wie zufrieden sie mit der Demokratie sind – sie beteiligen sich weniger an einer Bundestagswahl, wenn sie in einer Nachbarschaft mit einem hohen Ausländeranteil leben. Das Phänomen konnte André Förster vom Servicezentrum eSciences der Universität Trier bei der Auswertung der Daten in seiner Dissertation beobachten.

    Neu ist an seinem Studienergebnis vor allem sein methodisches Vorgehen. Der Wahlforscher hat als einer der ersten auf die „Grid“-Daten des Zensus des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen. In einem Gitternetz auf einen Quadratkilometer genau sind darin Informationen für ganz Deutschland erfasst, wie zum Beispiel die Ausländerquote. Förster kombinierte die Daten des Zensus 2011 und der Deutschen Wahlstudie zur Bundestagswahl 2013, German Longitudinal Election Study (GLES).

    Die Studienergebnisse hält der Politikwissenschaftler für so eindeutig, dass man daraus weitere wissenschaftliche Studien ableiten sollte: „Es ist wichtig, ethnische Diversität als Faktor für politische Beteiligung in zukünftigen Studien zu berücksichtigen und langfristig zu beobachten. Die Ausbreitung der internationalen Migration bedeutet kontinuierliche Veränderungen und neue Herausforderungen für unsere Gesellschaft, die wissenschaftlich begleitet werden müssen!“

    Förster kommt anhand der Ergebnisse unter anderem zu dem Schluss, dass mehr Wahlrechte für Migranten auch die Einheimischen wieder verstärkt zurück an die Wahlurne bringen könnten. Deswegen sieht der Wahlforscher die Politik in der Pflicht, Formen der politischen Partizipation für Migranten zu prüfen.

    Zum Journal Electoral Studies: Beitrag “Ethnic heterogeneity and electoral turnout: Evidence from linking neighbourhood data with individual voter data”. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0261379417301208


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Kontakt
    Dr. André Förster
    Servicezentrum eSciences
    Tel. 0651 201-2104
    E-Mail: foerster@uni-trier.de
    http://www.esciences.uni-trier.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Politik
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Dr. André Förster fordert mit der Sicht auf Trier und andere Städte einen neuen Blick der Politik auf Migration und ihre Auswirkungen auf Wahlbeteiligung


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