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06.08.2018 10:42

„Frankfurter Erklärung“ zum Schutz der Artenvielfalt

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Frankfurt, 06.08.2018. In Deutschland zeigt sich in den letzten Jahrzehnten ein dramatischer Artenverlust in einzelnen Organismengruppen. Angesichts dieser Besorgnis erregenden Entwicklung plädieren in der heute veröffentlichten „Frankfurter Erklärung“ 22 renommierte WissenschaftlerInnen aus ganz Deutschland für eine langfristige, stärker interdisziplinär ausgelegte Forschung zum Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland. Die Erklärung ist das Ergebnis eines Symposiums unter der Leitung von Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, das auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stattfand.

    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sagt dazu: „Die biologische Vielfalt ist für die Menschheit existenziell. Sie versorgt uns mit Nahrung, sauberem Wasser und hält unsere Natur im Gleichgewicht. Deshalb müssen wir sie schützen. Exzellente Forschung, bei der Wissenschaft und Praxis eng zusammenarbeiten, bildet die Grundlage, um dem Verlust der Artenvielfalt gezielt entgegenzuwirken. Deshalb erarbeiten wir im Bundesforschungsministerium zurzeit eine langfristig angelegte Leitinitiative. Die Empfehlungen der „Frankfurter Erklärung“ werden in dieser ein zentrales Element sein.“

    In der heute veröffentlichten „Frankfurter Erklärung“ konstatieren renommierte deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 17 Universitäten und Institutionen, dass der Verlust der biologischen Vielfalt aktuell eine der größten Herausforderungen für die Menschheit ist. Auch in Deutschland ist die Situation insbesondere bei den Insekten dramatisch. Daher besteht höchster Handlungsbedarf, denn trotz vieler Rechtsvorschriften und Maßnahmen ist der Trend des Artenverlustes nachweislich ungebrochen – die bisherigen Ansätze und Strategien zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland reichen bei weitem nicht aus. Der Komplex der Ursachen muss wissenschaftlich exakt untersucht und verstanden werden, um politische Entscheidungen zum Schutz der Artenvielfalt zu treffen.

    In der Vergangenheit haben die Naturwissenschaften häufig nur die Wirkung einzelner Stressfaktoren auf die biologische Vielfalt erforscht. Die Wechselwirkungen verschiedener Faktoren sind noch weitgehend unbekannt. Der Mensch ist zudem Treiber und Leidtragender des Artenverlusts. Wie Gesellschaften ihr Handeln so ändern können, dass der Artenverlust nachhaltig aufgehalten werden kann, ist zu wenig erforscht und kaum getestet. Schließlich braucht es für die konkrete Umsetzung von Lösungswegen die transdisziplinäre Kooperation mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Unterzeichner der „Frankfurter Erklärung“ begrüßen daher den Vorschlag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Einrichtung einer Leitinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland. Diese Leitinitiative wird es erstmals erlauben, die dringend benötigten interdisziplinären Forschungskapazitäten und -kompetenzen aufzubauen und langfristig zu sichern.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen, folgende Elemente in die geplante BMBF-Leitinitiative aufzunehmen:
    1. Einrichtung eines Langzeit-Biodiversitätsmonitorings zur Erfassung von Artenhäufigkeiten und ihrer Veränderung, einschließlich vernachlässigter Gruppen wie z. B. Bodenorganismen;
    2. Untersuchung der Ursachen für den Verlust der Artenvielfalt insbesondere in ihren Wechselwirkungen untereinander;
    3. Erforschung der konkreten Folgen des Verlusts der Artenvielfalt für Nutzen und Wohl der Menschen;
    4. Erarbeitung von gesellschaftlichen Gesamtlösungen, um die Artenvielfalt zu erhalten und wieder zu erhöhen. Für diese Gesamtlösungen ist es wichtig, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenarbeiten, u. a. Biologen und Agrarwissenschaftler, Soziologen, Ökonomen und Juristen. Schließlich sollte die Umsetzung der Maßnahmen von Wissenschaftlern eng begleitet werden.

    Unerlässlich für den Erfolg der Forschung und Umsetzung der zu entwickelnden Maßnahmen ist darüber hinaus eine stärkere Verzahnung von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: „Wenn wir das Artensterben in Deutschland stoppen wollen, müssen wir alle mit ins Boot holen. Gesellschaftliche Akteure müssen frühzeitig in die Forschung und Entscheidungsprozesse eingebunden werden, damit die Umsetzung auch langfristig funktioniert“, resümiert Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger.

    Kontakt
    Sabine Wendler
    Judith Jördens
    Pressestelle
    Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
    Tel. 069- 7542 1818
    pressestelle@senckenberg.de


    Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.


    Weitere Informationen:

    http://Der genaue Wortlaut der „Frankfurter Erklärung“ ist unter www.senckenberg.de/frankfurtererklaerung einsehbar.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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