Wochenbettdepression: Schilddrüsenstörung kann die Ursache sein

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23.08.2018 11:35

Wochenbettdepression: Schilddrüsenstörung kann die Ursache sein

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    Depressive Verstimmungen oder Reizbarkeit nach der Geburt – das können Anzeichen einer Wochenbettdepression sein. Möglicherweise ist aber auch eine Störung der Schilddrüsenfunktion die Ursache, die sogenannte nachgeburtliche Hashimoto-Thyreoiditis. Wenn Frauen bis zu einem Jahr nach der Entbindung an diesen neu aufgetretenen Symptomen leiden, sollten sie ihre Schilddrüse überprüfen lassen, rät die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE).

    Dies gilt besonders für Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Auffälligkeiten ihrer Schilddrüse gezeigt haben. Die Erkrankung ist gut behandelbar. Auf der Pressekonferenz der DGE am Dienstag, dem 11. September 2018 in Berlin, diskutieren Experten im Vorfeld der 3. Deutschen Hormonwoche über Schwangerschaft, Wochenbett und Empfängnis bei Patientinnen mit einer autoimmun bedingten Unterfunktion der Schilddrüse, der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis.

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    Etwa sieben Prozent aller Frauen erkranken nach der Entbindung an einer autoimmun bedingten Funktionsstörung ihrer Schilddrüse. „Oft dauert es lange, bis die Diagnose gestellt wird. Die Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Reizbarkeit oder Schlaflosigkeit werden häufig mit der neuen Belastungssituation in Verbindung gebracht und als ,Baby-Blues‘ fehlinterpretiert“, sagt Privatdozent Dr. med. Joachim Feldkamp, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie und Infektiologie am Klinikum Bielefeld. Zudem bliebe die Erkrankung häufig lange unentdeckt, da sie keine Schmerzen verursache. Eine nachgeburtliche Hashimoto-Thyreoiditis entwickelt sich aus bisher nicht vollständig geklärten Gründen in einem Zeitraum von etwa sechs bis 52 Wochen nach der Entbindung. „Besonders gefährdet sind Frauen, bei denen schon vor oder während der Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsen-Antikörper – sogenannte TPO-Antikörper – festgestellt wurden, also Frauen mit einer Neigung zu Hashimoto oder Morbus Basedow sowie Diabetikerinnen. Ein besonderes Risiko haben auch junge Mütter mit Schilddrüsenerkrankungen in der Familie“, so der Endokrinologe, der Mitglied im Beirat der Akademie für Fort- und Weiterbildung der DGE ist.

    Oft verläuft die Erkrankung in verschiedenen Phasen. Dabei kommt es zunächst zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit Nervosität, beschleunigtem Herzschlag und verstärktem Schwitzen. Daran schließt sich häufig eine Phase der Schilddrüsenunterfunktion an, in der die Frauen an Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, unerklärlichen Tränenausbrüchen oder Ängsten leiden. „Ein Bluttest klärt, ob eine Schilddrüsenentzündung vorliegt. Für jede Phase stehen wirksame Medikamente bereit, so dass es den Patientinnen in der Regel schnell besser geht“, sagt Feldkamp. Bei einem Teil der Frauen bildet sich die Erkrankung nach einem Jahr von ganz allein zurück.

    „Junge Mütter mit Symptomen einer Wochenbettdepression sollten grundsätzlich hinsichtlich einer Störung ihrer Schilddrüsenfunktion untersucht werden“, betont Professor Dr. med. Sven Diederich, Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland und Vizepräsident der DGE aus Berlin. „Leider wird die Störanfälligkeit der Schilddrüse in der Schwangerschaft gerade bei Risikopatientinnen oft unterschätzt und die Funktion des Organs in dieser besonderen Lebensphase nicht routinemäßig überprüft – dies muss sich ändern“, so Diederich. „Eine Schwangerschaft stellt höchste Anforderungen an die Schilddrüse, sowohl was den Jodstoffwechsel als auch die Hormonproduktion betrifft.“ Abweichungen können sich gravierend auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirken.

    Was Patientinnen und Patienten mit einer Hashimoto-Thyreoiditis heute wissen sollten, ist eines der Themen auf der Pressekonferenz der DGE am Dienstag, dem 11. September 2018 in Berlin.

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    Über die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE):
    Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, dem Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

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    TERMINHINWEISE:
    3. Deutsche Hormonwoche vom 15. bis 22. September 2018
    https://www.endokrinologie.net/hormonwoche-2018.php


    Aktueller Programm-Tipp: Donnerstag, 23. August 2018, um 21.00 Uhr auf 3sat
    Scobel: „Im Takt der Hormone“ mit DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Matthias M. Weber
    http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/197369/index.html

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    PRESSEKONFERENZ der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)

    Termin: Dienstag, 11. September 2018, 11.00 bis 12.00 Uhr
    Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 1-2
    Anschrift: Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstr. 55, 10117 Berlin
    https://www.endokrinologie.net/files/download/pressekonferenz_hormonwoche_2018_p...

    Vorläufiges Programm:

    Keine Panik bei Hashimoto: Fakten statt Mythen – was Patienten mit dieser Schilddrüsenerkrankung wissen sollten
    Priv.-Doz. Dr. med. Joachim Feldkamp
    Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Infektiologie, Klinikum Bielefeld und Mitglied im Beirat der Akademie für Fort- und Weiterbildung der DGE

    Hormone, Gene oder doch nur die Energiebilanz? Warum Kinder übergewichtig werden und was wir dagegen tun können
    Priv.-Doz. Dr. med. Susanna Wiegand
    Bereichsleiterin Adipositas, Interdisziplinäres Sozialpädiatrisches Zentrum, Adipositas-Ambulanz Charité – Universitätsmedizin Berlin und Vizepräsidentin der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e.V.

    Anti-Aging durch Hormone – was möglich ist und wo die Medizin an ihre Grenzen stößt
    Professor Dr. med. Sven Diederich
    Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland und ehem. Vizepräsident der DGE, Berlin

    Stress in Freizeit und Beruf: unterschätzte Auswirkungen auf das Hormongleichgewicht - und was wirklich hilft
    Professor Dr. med. Jörg Bojunga
    Stellvertretender Klinikdirektor, Leiter Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetologie, Ernährungsmedizin, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt und Vizepräsident der DGE, Berlin

    PRESSEKONTAKT:
    Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)
    Pressestelle
    Dr. Adelheid Liebendörfer und Dagmar Arnold
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-173
    Telefax: 0711 8931-167
    E-Mail: liebendoerfer@medizinkommunikation.org; arnold@medizinkommunikation.org

    http://www.endokrinologie.net
    http://www.hormongesteuert.net
    https://www.facebook.com/dge.hormongesteuert


    Weitere Informationen:

    http://www.endokrinologie.net


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Pressetermine
    Deutsch


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