idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
05.09.2018 11:59

3. Deutsche Hormonwoche: Dauer-Stress gefährdet Hormongleichgewicht – Erholung oft langwierig

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    Berlin – Ob in der Schule, im Beruf oder in der Freizeit: ständige Überforderung und Überreizung können den Körper unter chronischen Stress setzen. Wenn er nicht ausgeglichen wird, droht eine Entgleisung des natürlichen Hormongleichgewichts – mit negativen Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Neben Schlafstörungen und Beeinträchtigungen des Denkvermögens gehören auch schwerwiegende Krankheiten wie Depressionen, Bluthochdruck oder Krebs zu den möglichen Folgen. Ist der Stresshormon-Regelkreis erst einmal nachhaltig gestört, kann seine Erholung Monate bis Jahre dauern.

    Anlässlich der 3. Deutschen Hormonwoche weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) deshalb auf die Gefahren von unbewältigtem Dauer-Stress hin. Im Vorfeld der Aktionswoche, die vom 15. bis 22. September 2018 stattfindet, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz der DGE am Dienstag, den 11. September 2018 in Berlin die Ursachen und vielfältigen Folgen von chronischem Stress und wie Belastungen begegnet werden kann.

    Stress ist eine natürliche und zunächst positive Reaktion des Körpers zur Bewältigung von Belastungssituationen. Über eine Aktivierungskette, die vom Hypothalamus, einem Abschnitt des Zwischenhirns, über die Hirnanhangsdrüse bis zu den Nebennieren reicht – die sogenannte Stressachse – bewirkt er die Freisetzung von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus der Nebennierenrinde ins Blut. Diese Hormone helfen dem Körper, den gesamten Organismus mit allen Systemen auf „Angriff“ oder „Flucht“ einzustellen und Höchstleistungen zu erbringen: so steigen Blutzuckerspiegel und Blutdruck, und alle Sinne sind aktiviert.

    Chronischer, langanhaltender Stress ohne ausreichende Entspannung führt hingegen zu einer Überlastung des Organismus. „Der Körper läuft ständig auf Hochtouren“, sagt Professor Dr. med. Jörg Bojunga, Vizepräsident der DGE. „Dauerhaft hohe Adrenalin- und Cortisolspiegeln im Blut können deshalb früh zu Schlafstörungen und Depressionen führen.“ Gleichzeitig stören die hohen Stresshormonspiegel die Regelkreise anderer Hormonsysteme im Körper. So habe die chronische Aktivierung der Stressachse eine hemmende Wirkung auf die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron. Die Folge: sexuelle Unlust bei Mann und Frau. Frauen leiden zudem unter Zyklusstörungen bis hin zum unerfüllten Kinderwunsch. „Stress kann bei Frauen den Eisprung beeinträchtigen.“ Durch die Verbindungen der Stresshormonachse mit Regelkreisen des Immunsystems schwäche zu viel Cortisol zudem das Immunsystem. „Dies kann Infekte, Wundheilungsstörungen und Krebs begünstigen“, so Bojunga, stellvertretender Klinikdirektor und Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie, Diabetologie, Ernährungsmedizin der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Frankfurt. Zudem wirke sich zu viel Cortisol negativ auf den Stoffwechsel aus und fördere die Einlagerung von ungesundem Bauchfett.

    Doch Stress lässt sich nicht immer vermeiden. „Menschen, die häufig einer erhöhten Stressbelastung ausgesetzt sind, sollten deshalb wissen, wie sie damit umgehen, um dennoch gesund zu bleiben“, sagt Professor Dr. med. Sven Diederich, Vizepräsident der DGE und Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland. Und nicht jeder reagiere gleich auf chronischen Stress: „Veranlagung, problematische Biographien, etwa Missbrauch in der Kindheit, und aktuell belastende Lebensereignisse begünstigen eine Störung der Stressachse“, ergänzt der Endokrinologe.

    Entsprechend können persönliche Lösungsstrategien zur Stressbewältigung sehr unterschiedlich aussehen. „Ihnen gemeinsam ist jedoch, dass jeder Mensch Raum für Auszeiten vom Stress haben muss, um herunterzukommen“, betont Bojunga. Denn sei das System erst einmal gestört, bräuchte es oft lange, bis es sich wieder erholt. Techniken zur Stressprävention und -bewältigung könnten erlernt werden. Zudem empfiehlt er, jede Gelegenheit zur Bewegung zu nutzen – sei es auf dem Weg zur Arbeit und Schule oder beim täglichen Einkauf. „Körperliche Verausgabung in vernünftigem Rahmen baut ganz nebenbei Stresshormone ab.“ Auch die Beschäftigung mit Hobbys senke den Stresspegel und stelle das natürlich Gleichgewicht wieder her.

    Auf der Pressekonferenz der DGE am Dienstag, den 11. September 2018 in Berlin diskutieren Endokrinologen neue Erkenntnisse der Stressforschung, über die beteiligten Hormonsysteme und welche vielversprechenden Ansatzpunkte für Prävention und Therapie sich dadurch ergeben. Sie erläutern auch, warum schon bei Kindern die seelische Widerstandsfähigkeit, Resilienz genannt, trainiert werden sollte.

    *****************************************************************
    Terminhinweise:

    3. Deutsche Hormonwoche vom 15. bis 22. September 2018
    Weitere Informationen unter https://www.endokrinologie.net/hormonwoche-2018.php

    Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)
    Termin: Dienstag, 11. September 2018, 11.00 bis 12.00 Uhr
    Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 1-2
    Anschrift: Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstr. 55, 10117 Berlin

    Vorläufiges Programm:

    Keine Panik bei Hashimoto: Fakten statt Mythen – was Patienten mit dieser Schilddrüsenerkrankung wissen sollten
    Priv.-Doz. Dr. med. Joachim Feldkamp
    Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Infektiologie, Klinikum Bielefeld und Mitglied im Beirat der Akademie für Fort- und Weiterbildung der DGE

    Hormone, Gene oder doch nur die Energiebilanz? Warum Kinder übergewichtig werden und was wir dagegen tun können
    Priv.-Doz. Dr. med. Susanna Wiegand
    Bereichsleiterin Adipositas, Interdisziplinäres Sozialpädiatrisches Zentrum, Adipositas-Ambulanz Charité – Universitätsmedizin Berlin und Vizepräsidentin der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e.V.

    Anti-Aging durch Hormone – was möglich ist und wo die Medizin an ihre Grenzen stößt
    Professor Dr. med. Sven Diederich
    Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland und ehem. Vizepräsident der DGE, Berlin

    Stress in Freizeit und Beruf: unterschätzte Auswirkungen auf das Hormongleichgewicht - und was wirklich hilft
    Professor Dr. med. Jörg Bojunga
    Stellvertretender Klinikdirektor, Leiter Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetologie, Ernährungsmedizin, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt und Vizepräsident der DGE, Berlin

    Moderation: Dr. Adelheid Liebendörfer, Thieme Kommunikation

    PDF des Programms zum Download unter https://www.endokrinologie.net/files/download/pressekonferenz_hormonwoche_2018_p...

    *****************************************************************

    Pressekontakt:
    Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)
    Pressestelle
    Dr. Adelheid Liebendörfer und Dagmar Arnold
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-173
    Telefax: 0711 8931-167
    E-Mail: liebendoerfer@medizinkommunikation.org; arnold@medizinkommunikation.org

    ******************************************************
    Über die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE):
    Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

    ******************************************************


    Weitere Informationen:

    http://www.endokrinologie.net
    http://www.hormongesteuert.net
    https://www.facebook.com/dge.hormongesteuert


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay