eHealth-Studie: Deutschland und Österreich haben Nachholbedarf

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26.09.2018 09:00

eHealth-Studie: Deutschland und Österreich haben Nachholbedarf

Dr. Elisabeth Hoffmann Presse und Kommunikation
Technische Universität Braunschweig

    Chancen, bei den Spitzenreitern mit dabei zu sein, sind vorhanden.

    Wer hat bei Bedarf auf die digitalen Daten von Patienten Zugriff? Können unterschiedliche Versorgungseinrichtungen, Pflegekräfte oder gar die Patienten selbst ihre Daten einsehen und Einträge vornehmen? Eine gerade veröffentlichte Studie hat anhand sogenannter eHealth-Indikatoren die Situation in sieben Ländern verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass in Österreich und insbesondere in Deutschland Nachholbedarf besteht.

    Fast jeder kennt solche Situationen: Im Krankenhaus liegen wichtige medizinische Daten zu einem Patienten vor. Bei der anschließenden Weiterbehandlung in einer Arztpraxis sind diese dann aber nicht oder nur teilweise vorhanden. Oder: Ein Sohn informiert den ambulanten Pflegedienst über Schwächeanfälle und Beinahe-Stürze der hochaltrigen Mutter. Bei einem kurzfristig notwendig gewordenen Krankenhausaufenthalt sind diese, für die Behandlung womöglich wichtigen Informationen dann aber nicht bekannt.

    In Deutschland und Österreich können viele Ärzte und Pflegekräfte Daten ihrer Patientinnen und Patienten digital erfassen, insbesondere in Krankenhäusern und Arztpraxen. Während in Österreich wichtige medizinische Daten davon landesweit verfügbar sind, ist dies in Deutschland noch nicht der Fall. Patienten in beiden Ländern und ihre pflegenden Angehörigen haben dabei selbst noch keinen Zugriff auf die Daten.

    Politischer Wille befördert die Umsetzung

    Professorin Elske Ammenwerth von der Gesundheitsuniversität UMIT in Hall, Tirol, ist Mitverfasserin der eHealth-Indikatoren-Studie. „Es bestätigte sich, dass zum Beispiel die skandinavischen Länder hier bessere Möglichkeiten für ihre Bürgerinnen und Bürger bieten“, sagt sie. „Allerdings sind in Österreich entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um hier die Situation ebenfalls zu verbessern. Die Elektronische Gesundheitsakte ELGA wird hier deutliche Verbesserungen ermöglichen.“ Professor Reinhold Haux, Technische Universität Braunschweig und Medizinische Hochschule Hannover, ebenfalls Mitverfasser der Studie, ergänzt: „Es wird häufig gesagt, dass Ländergrößen und die Organisation des Gesundheitssystems entscheidend bei der Umsetzung von eHealth-Zielen sind. In unseren Untersuchungen haben wir allerdings einen weiteren wichtigen Einflussfaktor festgestellt: Besonders in den Ländern, in denen ein klarer politischer Wille vorhanden war, finden wir eine patientenzentrierte, einrichtungsübergreifende Informationsverarbeitung.“

    IT-Standards sind bereits vorhanden

    Ammenwerth und Haux sind davon überzeugt, dass die technischen Möglichkeiten und die notwendigen IT-Standards schon jetzt ausreichend vorhanden sind. „Dabei wird auch der Datenschutz berücksichtigt, der bei Patientendaten natürlich besonders wichtig ist“, sagt Haux.

    Beide sehen Chancen für eine zügige Verbesserung der Situation in ihren Ländern, damit Deutschland und Österreich auch hier wieder zu den Spitzenreitern zählen können. In der Studie wird zudem betont, dass beide Länder grundsätzlich eine gute Gesundheitsversorgung haben, dass aber bei diesem durchaus wichtigen Aspekt Nachholbedarf besteht.

    Methodik:

    Stichtag der eHealth-Indikatoren-Studie war der 01.08.2017. Die Auswahl der sieben Länder ist nicht repräsentativ. Die Autoren der Studie schreiben, dass sie die Studie in den Folgejahren fortsetzen werden, dann mit erweiterter Länderauswahl und mit weiter verfeinerter Methodik zur Bestimmung der Indikatoren.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Reinhold Haux
    Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik
    der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover
    Mühlenpfordtstr. 23, 38106 Braunschweig, Deutschland
    Tel.: +49 531 391-9500
    E-Mail: reinhold.haux@plri.de
    Website: www.plri.de

    Prof. Dr. Elske Ammenwerth
    Institut für Medizinische Informatik
    UMIT - Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik
    Eduard Wallnöfer-Zentrum 1, 6060 Hall in Tirol, Österreich
    Tel. +43 50 8648 3809
    Elske.Ammenwerth@umit.at
    Website: www.iig.umit.at


    Originalpublikation:

    Die Studie ist als Open-Access-Publikation frei verfügbar. Quelle: Reinhold Haux, Elske Ammenwerth, Sabine Koch, Christoph U. Lehmann, Hyeoun-Ae Park, Kaija Saranto, C. P. Wong. A Brief Survey on Six Basic and Reduced eHealth Indicators in Seven Countries in 2017. Applied Clinical Informatics 2018; 9(3):704-713. Im Internet unter:
    https://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-0038-1669458


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Siehe Text der Pressemitteilung: Die eHealth-Indikatoren (links) sind sechs einfache, aussagekräftige Merkmale, die gut reproduzierbar sind. Stichtag: 01.08.2017.


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